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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 12)

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Ein Hauptmoment der Veränderung im neuen gothischen Stil bestand 
in der bevorzugten Verwendung des Holzes, welches nicht selten die ganze 
Umhüllung des Gemaches bildete, an Wänden, Decke und Fußboden. 
Der Pfafond, wenn nicht gewölbt, war selbstverständlich auch bisher 
ein Balken- oder Bretterboden gewesen, nun wurden auch die Wände 
mit Holzvertäfelung bedeckt und an die Stelle des gestampften Estrichs 
trat der Bretterfußboden. Die Balken der Decke wie die Füllungen 
zwischen ihnen erhielten geschnitzte wie farbige Verzierung, welche noch 
in gothischer Epoche zuweilen zu einer reichen und complicirten Gestal- 
tung sich erhob. Die hölzerne Bedeckung der Wände wurde gleicher- 
weise künstlerisch angeordnet, indem sie in Tafeln abgetheilt und nach 
oben mit einem vertretenden Gesims abgeschlossen wurden. Die Fül- 
lungen der Vertäfelung blieben meistens schlicht und eben, doch kam 
es auch vor, dass sie verziert wurden, z. B. mit dem oft gebrauchten 
Motiv des gerollten Papieres. 
An dieser durchgreifenden Veränderung zu Gunsten des Holzes 
nahm auch der bewegliche Hausrath Antheil. Kasten und Schränke, 
Truhen und Tische, Betten und Sitzmöbel, alles verzierte sich nunmehr 
mit Hilfe des Schnitzmessers und Stemmeisens, wo früher allein die Farbe 
geherrscht hatte. Nicht dass diese, die Farbe, ganz verbannt wurde, aber 
sie erscheint nun als Mittel der Verzierung nur in zweiter Linie, nur 
aushelfend, nicht leitend. Lange aber behält auch das geschnitzte Orna- 
ment den Charakter der Flächenverzierung. 
Man kann für die Verzierung des Mobiliars in der gothischen 
Epoche drei Stufen annehmen, die allerdings nicht so einander folgen, 
dass eine an die Stelle der anderen tritt; vielmehr, einmal ausgebildet, 
bleiben sie nebeneinander, bis die Renaissance sie alle aufhebt. Es ist ein 
Stufengang vom Flächenornament zum vollen Relief. Auf der ersten 
Stufe tritt das Ornament gar nicht aus seiner ebenen Fläche heraus, 
vielmehr ist der Grund in sehr geringer Tiefe herausgehoben und in 
dieser Tiefe mit einer Farbe, gewöhnlich blau oder roth, bedeckt. Die 
Erscheinung ist also immer noch eine farbige. Der Zeichnung nach 
besteht das Ornament dieser Art in laubigen Windungen. Auf der 
zweiten Stufe tritt das Ornament schon höher und freier heraus; es 
besteht aber aus den scharfkantigen Zirkelschlägen des Maßwerkes, das 
von dem Steinornament der Architektur im 14.. Jahrhundert auf die 
anderen Zweige der gewerblichen Kunst übertragen wurde und hier 
eine bedeutende, jedoch allzusteife, wenig entsprechende Anwendung 
fand. Es macht auf dem hölzernen Mobiliar, wenn es nicht durchbrochen 
ist, nur den Eindruck des Aufgeleimten. Auch dieses erhielt Färbung. 
Die dritte Stufe ist nun die eines richtigen und freien Reliefs, das sich 
frei bewegt, nach seiner Natur und Bestimmung höher oder Hacher heraus- 
tritt, sich nach seiner Art modellirt und selbst unterschnitten wird. Es 
besteht in stilisirtem Ornament oder mehr natürlichem Laub, sowie in
	        

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