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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 1)

riechende Oele in's Haar. Salben, Parfüm und Schminke waren so 
beliebt und verbreitet, dass auch arme Leute ihrer nicht entrathen zu 
können glaubten. Sehr oft finden wir auch jene merkwürdigen becher- 
förmigen Kegel auf den Köpfen von Frauen niederer und höherer Stände, 
welche mit Parfum begossen wurden und daher unter dem Namen Salb- 
kegel bekannt sind und die uns das Bedürfnis nach Wohlgerüchen bei 
den Aegyptern in einer merkwürdigen Weise zur Anschauung bringen. 
Gewöhnlich sind diese Kegel durchlöchert, um noch den Stengel einer 
Lotosblumc, die dann graziös nach vorne zur Stirne herabfällt, auf- 
nehmen zu können. Tänzerinnen und Sängerinnen zeichnen sich über- 
dies nicht selten durch abenteuerlichen Schmuck aus. Dass sie stets 
Ohrringe tragen, habe ich schon erwähnt, aber auch ungewöhnliche 
Gürtel, über die Hüften kreuzweise herabfallende Perlschnüre, ein Kopf- 
schmuck aus Bändern und Perlen, sowie Bracelets, wohl bis zu einem 
halben Dutzend auf jedem Arm"), sind bei ihnen nichts Seltenes. 
Schmückten sich die Reichen mit Gold und kostbaren Steinen, so ver- 
zichteten dagegen die Armen und das gewöhnliche Volk, dem Kostbar- 
keiten unerreichbar waren, keineswegs auf allerlei Schmuck. Die Frauen 
legten besonderen Werth auf Ketten aller Art, die Männer auf Ringe. 
Es gibt heute noch Exemplare silberner Ketten, die mehr als anderthalb 
Meter lang sind, während andere kaum eine Länge von 5-6 Centimeter 
haben. Wir besitzen Ketten in allen Formen, zwei- und dreireihige, mit 
großen oder kleinen Ringen, massiv und schwer oder leicht und biegsam 
wie die feinsten venetianischen Halsketten. wDie geringste Bäuerin hatte 
wie die höchstgestellte Dame ihre Kette; sie musste aber schon sehr arm 
sein, wenn ihr Schmuckkästchen nichts Anderes enrhielt").- Ganz unüber- 
sehbar ist bekanntlich die Menge von Glas- und Faienceschmuck, die 
heute noch in allen Farben die Schaukästen der Museen ägyptischer 
Alterthiimer füllt. Diese zierlichen Arbeiten waren der gewöhnliche Volks- 
schmuck und die Aegypter hatten in der Herstellung desselben eine so 
außerordentliche Virtuosität erreicht, dass die Fabrication manches Stückes, 
namentlich der zierlichen Fingerringe, selbst Keramikern unserer Tage 
Schwierigkeiten bereiten würde. Besonders zur Zeit des Chueneten war 
die Faiencefabrication zu hoher Blüthe gediehen. Gelb, Grün, Violett, 
Weiß und Blau sind die Farben, in welchen die zierlichen Schmuck- 
stücke hergestellt wurden, besonders Perlen und Anhängsel aller Art. 
Letztere liebten die Aegypter auch aus gewöhnlichem Kalkstein, Schiefer 
oder Kohle zu schneiden. Wenn jedoch Maspero") von solchen Steinen 
spricht, die emaillirt sind, so kann dies nur auf einem Missverständnisse 
") Vergl. die Abbüdungen: Perrot n. n. O. p. 730 u. 731; Wilkiruon n. l- O. I, 
Fig. 178, 204 u. 215; Friss: dütvennes n. n. 0. und Ermnn n. n. O. I, p. 264. 
") Mßpero n. n. O. p. 308. 
ü) Mupero p. 251.
	        

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