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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 1)

beruhen, da die chemische Beschaffenheit der Steine- ein Emailliren 
ausschließt. 
Jene Keramiker und Glasarbeiter besaßen auch große Geschick- 
lichkeit in der Vereinigung mehrerer Farben an einem Objecte, wobei 
sie die Grenze einer jeden scharf einzuhalten verstanden, wie wir es an 
vielen lncrustationsarbeiten und namentlich an mehrfarbigen Perlen beob- 
achten können. Ganz besonders hübsch sind Halsschnüre, die an Stelle 
der Perlen kleine zierliche Blüthen zeigen, von welchen eine in der 
anderen zu stecken scheint H). Berlin und Leyden besitzen vorzügliche 
Beispiele solcher Art. Das hübschieste Stück ist eine Halskette aus blauer 
Faience in Berlin mit einem viereckigen Mittelstücke von feinster durch- 
brochener Arbeit"), von welchem mehrere Reihen von Perlschntiren, 
zum Theil aus ineinandergesteckten Blättern bestehend, ausgehen. 
Derartiger Schmuck ist es auch hauptsächlich, der uns in mannig- 
fachster Weise mit der großen Zahl Unheil abwehrender Schutzmittel, 
mit den Amuleten bekannt macht. So vielerlei Arten von Unglück und 
Ungernach, von Krankheit, Leiden und unerwünschten Ereignissen, aber 
auch so viele Tugenden, Glücksgüter und Vorzüge in diesem wie in 
jenem Leben der Aegypter kennt, eben solviele Anhängsel hat er, welche 
ihm dieselben verschaffen, beziehungsweise vom Leibe halten. Die ganze 
Weltanschauung spiegelt sich wider in diesem mystischen Kleinkram, und 
wie an allem Aberglauben, hängt besonders das niedere, des Denkens 
ungewohnte Volk bis in die späteste Zeit an diesen Dingen und theilt 
sie auch den anderen Mittelmeervölkern mit. Daher diese Menge von 
Scarabäen, Fischen, Fröschen, Herzen, Schlangen, menschlichen Fingern, 
mystischen Augen, Säulchen. sitzenden und stehenden Götterfigürchen, 
Zeichen, Symbolen und Emblemen ohne Ende. Schon den Kindern werden 
Amulete um den Hals gehängt, welche auf die Entwickelung gewisser 
Tugenden Einfluss nehmen sollen. Nicht allein die heiligen Thiere, selbst 
die Götter brauchen Amulete zu ihrer Sicherung, und die Priester ganz 
besonders können ihrer nicht entbehren. Der Oberpriester von Memphis 
trägt zur Zeit der XVlll. Dynastie noch ebenso wie unter der IV. an 
13 verschiedenen Bändern, die sich wie ein Gitterwerk auf der Brust 
kreuzen, ebenso viele Amulete um den Hals u). Es ist nicht meine Auf- 
gabe, mich mit diesen Dingen, welche mit Religion, Aberglauben und 
Zauberei in ebenso engem Zusammenhange stehen wie mit dem Schmucke, 
eingehender zu befassen, nur das für den Schmuck wichtigste Amulet, 
den Scarnbtius, will ich etwas näher in's Auge fassen. 
Der große Mistkäfer der südlichen Länder, der Ateuchus sacer, 
wie ihn die Naturgeschichte nennt, hat schon in frühester Zeit durch 
") Mnspero a. n. O. p. 253 H. 
") Abgeh. Mespero n. e. O. Fig. 133. 
") Erman a. a. 0. ll, p. 403, tnch Cutal. gener. del Museo di Firenze, Vol. I, 
pag. i-98. ' '
	        

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