MAK

Volltext: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 6 und 7)

die Weltausstellung in Chicago mit ihrem grossartigen bildhauerischen 
Schmuck die heimische Skulptur gewaltig gefördert hat. 
Allerdings darf auch nicht 
verschwiegen werden, dass 
diese Ausstellung die Ursache 
grossen Künstlerelends wurde, 
denn sie führte uns mehr Kräfte 
von Europa zu, als hier nach 
Vollendung der Ausstellungs- 
arbeiten unter annehmbaren 
Verhältnissen ihr Fortkommen 
finden konnten. 
Die nächste Veranlassung 
eines Aufschwunges war der 
in New-York nach Schluss des 
spanischen Krieges errichtete 
Marine-Triumphbogen. Der- 
selbe war zwar nur von tempo- 
rärern Bestande, aber er be- 
wies, dass New-Yorks Bild- 
hauer selbst mit knappen 
Mitteln ein Werk von wohl- 
tuender Harmonie zu voll- 
bringen vermögen. 
Dann kam die pan-ameri- 
kanische Ausstellung in Buffalo, 
der der skulpturelle Schmuck 
grossen Reiz verlieh und die 
nur durch diesen, da es sonst 
keine hochbedeutende Ausstel- 
lung war, den Anspruch er- 
heben konnte, eine der schön- 
sten gewesen zu seirL Lorado Taft, Einsamkeit der Seele 
Nun aber stehen wir vor 
der St. Louiser Weltausstellung, bei welcher sich die Skulptur in noch 
höherem Masse betätigen soll. Das Komitee für Skulptur besteht aus den 
Bildhauern Ward, St. Gaudens und French. Zum Direktor der Skulpturen 
wurde wieder Karl Bitter ernannt, der mit so viel Erfolg in dieser Eigen- 
schaft auf der Buffaloer Ausstellung fungierte. 
Nach dem bisher Gesagten ist es erklärlich, dass die plastische Klein- 
kunst zunächst stark zurückgeblieben ist, nicht aus Mangel an Talenten, 
sondern aus Mangel an Aufträgen. Das Material ist hier teurer als in Europa, 
der Geschmack in vielen Fällen" noch nicht ausgebildet genug, um ein Original- 
kunstprodukt den Fabriksprodukten vorzuziehen. Das hiesige Publikum 
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