MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 5)

digen die Obiecte in Metallarbeit. Die architektonische Decoration behandeln einige 
Skizzen für Gedenk- und Votivtafeln. Mehrere Blätter enthalten Entwürfe für Sgrafhten 
in der Art derjenigen, wie sie an einzelnen Gebäuden Prag's, so namentlich am Palais 
Schwarzenberg auf dem Hradacbin noch erhalten sind. H-e. 
i! 
Zur photographischen Litteratur. 
Wer sich die verschiedenartigen Anschauungen vergegenwärtigt, welche in Bezug 
auf die verhältnismäßig junge und doch so hoch emporgewachsene Technik der photo- 
mechanischen Bildnerei im Verlaufe etwa der letzten 30 Jahre zum Durchbruch kamen 
und wieder verschwanden, je nach der Parteien Interesse oft mit einem Schlage Sorge 
und Depression oder übermäßiges Siegesbewusstsein verbreitend und ebenso rasch in das 
Gegentheil verkehrend, der wird gewiss in dem Forschen nach Klarheit in diesem 
Wirrsal, in dem Versuche, einen oder den anderen berechtigten Standpunkt, wie er im 
Verlaufe des Streites zu Tage tritt, naher zu beleuchten, eine befriedigende Aufgabe 
erblicken. Bei einem solchen Vorhaben ist nicht in letzter Linie der älteste, einst für 
unanfechtbar gehaltene Glaubenssalz der Lichtbildnerei in Betracht zu ziehen, welcher 
sich auf ihre vermeintlich absolute Wahrheit, ihre unfehlbsre Richtigkeit bezog. Bei den 
lncunnabeln der Photographie nahm man alle Mangel der Wiedergabe von Licht und 
Schatten, viele Unrichtigkeiten der aValeursu, abgesehen von den Verzeichnungen untl 
Verzerrungen etc. als ganz anatorlicha mit dem größten Gleichmuth hin. Wie weit der 
Glaube an die nmit Naturnothwendigkelu richtigen, auf phntomechanischem Wege 
erzeugten Bilder bis jetzt abgenommen hat, braucht nicht näher auseinandergesetzt zu 
werden. Heute weiß man besser zu beurtheilen, was man von den Arbeiten der catnera 
obscura verlangen kann und darf. Hier haben die Resultate der vorgeschrittenen, äußerst 
vervollkommneten Technik den Weg zur Erkenntniss selbst geebnet und in dem Maße 
als es mehr und mehr gelang, Vorzügliches zu erreichen, wurde auch die Kritik 
herausgefordert. Man kam dahin, den mechanischen Abbildungsmethoden nicht mehr 
zuzumuthen als sie der Natur der Sache nach überhaupt leisten konnten, ie mehr aber 
Mittel gefunden wurden, die erkannten Unvollkommenheiten theils aufzuheben, theils zu 
umgehen, desto mehr fühlte man sich auch berechtigt, nur mit den besten der zu 
erzielenden Leistungen zufrieden zu sein. Wenn aber irgend Etwas die Unvollkommens 
heiten photographischer Arbeiten weniger empfinden und milder beurtheilen ließ, so war 
es sicherlich zu jeder Zeit in erster Linie der Umstand, dass alle vorkommenden Fehler, 
soweit sie nicht auf accidentielle Mangel zurückzuführen sind, System und Conse- 
äuenz zeigen. Freilich kann sich auch hier die Nachsicht nur bis zu einer gewissen 
renze erstrecken. 
Wir Gnden auch, so lange die Lichtbildnerei besteht, das Bestreben, allen Arten 
von Mängeln ihrer Erzeugnisse durch entsprechende Correcturen abzuhelfen. Aber wie 
verschieden wird die Bedeutung einer solchen freien Verbesserung aufgefasst! Wie ab- 
weichend wird aber ihre Berechtigung geurtheilt! - Bei den ausubenden Photographen 
sowie beim Publicum herrschen hierüber Anschauungen extremen Gegensatzes. Dem 
Einen gilt es schon als Versündigung, wenn dem Pinsel verstattet wird, ein paar zufal- 
lige Flecken zu tilgen, wahrend ein Anderer der Ueberzeugung ist, dass nur die 
akünatlerische Durcharbeitung: eines Lichtbildes, insbesondere eines photographischen 
Porträts, diesem zu seinem wahren Werthe verhelfen konne. 
Doch auch mit dieser letzteren Anschauung sind die Wünsche bezüglich der 
nothwendigen vorbedachten Regelung photographischer Arbeiten noch keineswegs er- 
schdpfend zum Ausdruck gebracht. Immer häufiger vernehmen wir den lauten Ausspruch 
des Verlangens nach Vorzügen, welche eben nur die Kunst vollkommen zum Ausdruck 
bringen kann. Dass" sich diese Vorzü e keineswegs auf die äußeren Formen der Erschei- 
nung beschränken dürfen (also au das was man wohl mit Schlagworten als -Durch- 
bildung der Einzelformenu, IStimmung des TotalelTectesu, nHebung des Ganzen durch 
das Zurgeltungbringen der künstlerischen Mache-r u. s. w. bezeichnet), wird von allen 
Einsichtigen anerkannt. Es stellt sich eben die zwingende Nothwcndigkcit heraus, die 
Aufmerksamkeit vor Allem auf das zu lenken, was dem ahbildcnden photomechanisclten 
Verfahren als taugliches Object geboten werden kann,wobei es-wieder einerseits auf 
die Wahl des Obiectes selbst, andererseits nicht weniger auf die Umstan de ankommt, 
unter welchen sich dieses Obiect bei der photographischen Aufnahme präsentirt. Solcher- 
gestalt wird erst der Weg eingeschlagen, welcher innerhalb gewisser Grenzen zum Ziele 
führt: zur Schaffung des photographischen Bildes als Kunstwerk. 
Was auf diesem Wege erreichbar ist, zeigt uns ein hochautoritatives, jedem Eins 
sichtigen als Führer dienenden Werk, auf welches hier anlässlich des Erscheinens seiner 
vierten Auflage hingewiesen sein moge, die
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.