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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 5)

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Unmema DER PRESSE 
wachende Naturgefiihl gründliche Gegnerschaft erwuchs, der Bann der Regel 
gesprengt wird und an ihre Stelle die Erkenntniss des natürlichen Lebens tritt. 
England sah früher als irgend eines der übrigen Kulturländer den Bruch mit 
dem Gewesenen sich vollziehen: es zeitigte früher als die übrigen Kulturländer 
Schriftsteller und Künstler, welche von neuen Gesichtspunkten aus schufen. 
Nächstes Kapitel rDie kunstgeschichtliche Lage auf dem Kontinente; 
feru im glaubensdumpfen Spanien, ganz vereinzelt dastehend, der ge- 
waltige Goya. Kurzgefasste, trefflich gezeichnete Biographie dieses phäno- 
menalen Menschen. In Frankreich das Fallen des höfischen Pompes, das 
völlige Aufgeben der italienisch-barocken Einwirkungen, deren Schwall 
zwar mächtig, inwendig aber hohl geworden ist. Das Aufleben der 
Landschaft, das Beiseitesetzen der xNature choisiet. Die Schilderung der 
voraustretenden Elemente der Zeit, das ist des Pudels Kern. 
Das dritte Kapitel. Deutschland. Hier nun das völlig Entgegen- 
gesetzte von den bisherigen Lehren: Carstens ist nicht der Begründer 
der neueren deutschen Kunst, vielmehr bedeutet er den Anfang jenes 
Niederganges, den der Einfluss der Archäologie auf die Kunst im Ge- 
folge hatte. Der Abschnitt ist vorzüglich zu nennen, 
xSollen wir unsere Bilder bemalenü 
Das etwa könnte als die herrschende Tendenz jener Art von deutscher 
Malerei aufgefasst werden, deren Existenz der Lehre von der Unfehlbarkeit 
der Antike entspross. Und dies sollte der Beginn der nneueren Kuustu sein? 
Muther verneint das mit vollem Rechte und stösst damit endlich 
einmal eine Unwahrheit um, die bis zum heutigen Tage sich behauptet 
hat. Als Seitenstück zu dem EinHusse Winckelmanns in Deutschland 
gibt dann Kapitel IV adie klassische Reaktion in Frankreichc. Auch 
hier hat es der Autor nirgends an den nöthigen Parallelen fehlen lassen, 
ohne indessen dem Thema eine ungebührliche Länge zu geben. lhm ist 
die glückliche Gabe kurzer, treffender Charakteristik eigen, und er ist in 
der Lage, mit wenigen Worten ausdrücken zu können, was oft in Werken 
verwandten Inhalts bei seitenlangen Auseinandersetzungen nicht immer 
gelingt. Man wird seiner Schreibweise vielleicht den Vorwurf des 
feuilletonistischen Stiles machen. Das hat nichts zu sagen. Er sichert 
dem Werke zum mindesten einen weit grösseren Leserkreis als er mancher 
bibliographischen Erscheinung zu Theil wird, durch deren Gründlichkeit 
man sich oft mit etwas verhaltenem Gähnen durcharbeiten muss. Wir 
sind leider noch vielfach von dem Wahne befangen, wissenschaftliche 
Behandlung und eine in der Art der Sprache glückliche Feder vertrügen 
sich nicht immer. Muther: Werk vereinigt beides in glücklichster Weise. 
La Republique franeaise. 
t. März 1893. 
M. Richard Muther, conservateur au cabinet royal des estampes de 
Munich, et deja connu par de precieux ouvrages sur l'art, vient de publier, 
d la maison Hirth (de Munich), la premiere livraison d'une Hislnire d: 1a 
[einture au dix-neuviäme siäcle, qui promet d'etre remarquable. 
Uouvrage de M. Muther meriterait d'etre traduit en uotre langue et 
serait accueilli avec faveur.
	        

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