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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 12)

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Besuch des Museums. Die Sammlungen de: Museums wurden im Monat 
November von 32.36, die Bibliothek von 21:4, und die Vorlesungen von 521 
Personen besucht. . 
Vorlesungen. Am 9. November wurde die Reihe lder Donnerstag-Vorlesungen 
im Wintersemester 1893194 eröffnet. Custosadjunct Dr. Eduard Leisching hielt einen 
Vortrag unter dem Titel nFünfundzwanzig Jahre Kunstgewerbeschulen. - Der Vor- 
tragende schilderte die lebhafte Agitation, welche Eitelberger, unterstützt von Falke und 
Van der Nüll, unmittelbar nach der Gründung des Museums einleitete, um die SchaEung 
einer mit dem Museum verbundenen Kunstgewerbeschule durchzusetzen; er erinnerte an 
die von Eitelberger veranlasste Stellungnahme der Wiener Handelskammer, an Eitel- 
bergefs sodann im Auftrage des Staatsministeriums verfasste Denkschrift, welche schon 
den Grundplan der nachher gewählten Organisation der Schule enthielt und sowohl 
etwas anderes als die bisherigen Zeichenschulen forderte und jede neuerliche Anlehnung 
an die Akademie abwehrte, als auch i: eine Fachschule für Malerei, Plastik und Archi- 
tektur begehrte, da ja die gewerbliche Kunst nichts anderes sei, als der Inbegriff dieser 
drei Künste, angewendet auf die Forderungen des täglichen Lebens. Der Vortragende 
gedachte hiebei auch des wirksamen Eingreifens des n. d. Landtages, in dessen Sitzung 
vom 5. December 1866 auf Veranlassung des Freiherrn von Pratobevera der von den 
Abgeordneten Winterstein, Dock und Dr. Hoffer unterstützte Antrag einstimmig ange- 
nommen wurde, es sei die Regierung dringend um die Realisirung der von Eitelberger 
unterbreiteten Vorschlage zu ersuchen. Die Folge dieses Beschlusses war, dass der k. k. 
Unterrichtsrath am 18. Februar 1867 den Plan Eitelbergers im Princip genehmigte und 
drei seiner Mitglieder: Van der Null, Eduard v. Engerth und Prof. Adolf Beer beauf- 
tragte, in Gemeinschaft mit Eitelberger die Statuten der zu begründenden Schule auszu- 
arbeiten; ihnen schloss sich Falke an, welcher die von Beer verfassten Statuten redigirte, 
die sodann, von Sr. Maiestät dem Kaiser genehmigt, am 27. September 1867 von der 
sWiener Zeitung: veröffentlicht wurden. Leisching besprach nun die Aufgaben, welche 
die wKunstgetverbesc-hule des k. k. Oesterr. Museumsu durch das Statut zugemessen er- 
hielt, vor Allem auch die Einrichtung der als nothwendig erkanntemVorbereitungsschule, 
die im Sommer 1868 erfolgte Ernennung der Professoren Storck, Lnufbergcr, König und 
Rieser, die Eröffnung der Schule im Octnber 1868 in den ihr _in der Gewehrfabrik zu- 
gewiesenen provisorischen Räumen, die Ernennung der Docenten: Teirich, Prof. Bauer, 
Hauser und Dr. Bandl, die Zusammensetzung des Aufsichtsrathes, in welchen Professor 
von Brücke, Engerth, Heinrich von Ferstel ttnd der Vice-Präsident der Handelskammer 
von Reckenschuss entsendet wurden, während der Vorsitz statutengemaß dem jeweiligen 
Director des Museums eingeraumt ward. Mit der Eroffnung des neuen Museumsgehaudes 
(1871) und der Errichtung eines eigenen Schulgebaudes (1877) ergab sich die Gelegen- 
heit zur Specialisirung und Erweiterung der Schulorganisation , welche der Vortragende 
einer ein ehenden Besprechung unterzog, um sodann die mit dem neuen Statute vom 
Jahre 1888 geschaffene abschließende Reform der Schule zu erörtern, welche nicht nur 
den Wirkungskreis der Fachschulen fester umschrieb, sondern auch die Vorbereitungs- 
schule (nunmehr: nAllgemeine Abtheilung-) auf ein höheres ANlVCIU hob und ihr un- 
mittelbar praktische Aufgaben zuwies. Vor Allem den neuen Unterricht in der allge- 
meinen Formenlehre besprach Redner eingehend und er wies die großen Vortheile nach, 
welche hieraus allen Unterrichtszweigen erwachsen. Leisching schilderte sodann die auf 
der Jubilaums-Schulausstellung zu Tage getretenen Leistungen, welche er auch in Bezug 
auf die großen Arbeiten der Decorstionsrnalerei als durchaus im Rahmen der der Schule 
gestellten Aufgaben gelegen bezeichnete; hierauf besprach er an der Hand der dem hohen 
Protector überreichten Adresse der ehemaligen Schüler deren Schicksale und gegenwlrtige 
Stellung und erörterte den Umstand, dass so viele sich in's Ausland, namentlich nach 
Deutschland gewendet haben, wobei er daran erinnerte, dass aber andererseits eine große 
Zahl der um Museum und {Schule besonders verdienten Männer, wie Falke, Bucher, 
König, Beyer, Herdtle, Unger, Hecht in Oesterreich naturslisirte Reichsdeutsche sind. - 
Zum Schlusse kam der Vortragende auf die praktisch-künstlerische Wirksamkeit der 
Schule zu sprechen und wies nach, wie stark verpflichtet die österreichische Kunst- 
industrie der Schule und dem Museum ist, während diese beiden Institute ihrerseits dem 
treuen, opferwilligen, verständnissvollen Eingehen der Kunatgewerbetreibenden auf ihre 
Absichten unendlich viel zu danken haben. Redner schloss mit folgenden Worten: 
sßeglückt durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers, beschützt durch den hohen Pro- 
tcctor, welcher ihr immer ein mächtiger Anwalt gewesen, gefordert von der Unterrichts- 
verwaltung, wie von denen, welchen zunächst ihre Wirksamkeit zu Gute kommt, wird 
die Kunstgewerheschule auch fernerhin sein und bleiben ein Gegenstand des Stolzes und 
der Freude Oesterreichs, der Bewunderung und Nachahmung für das Anslandla 
Dem Vortrage wohnte Herr Erzherzog Rainer bei.
	        

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