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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 12)

kommenen Ausstellung von G. Richter, wie von den Schulen, von 
Lehrerinnen und Schülerinnen, von den einzelnen Berufsstickerinnen, wie 
von dem, was etwa aus der Hand der Dame gekommen ist. Das Verdienst 
ist so allgemein, dass wir uns enthalten, einzelne Namen aus der großen 
Anzahl herauszuheben. 
Eine Neuerung aber veranlasst uns noch einige Worte von der 
Stickerei zu sagen. Aus verschiedenen Händen beünden sich auf der Aus- 
stellung Nachahmungen der sogenannten polnischen Teppiche, einer be- 
stimmten Art mit Gold grundirter und in Seide ornamentirter Tapis- 
serien, deren Herkunft freilich noch einigermaßen zweifelhaft ist. Diese 
Nachbildungen, kleine, in ihren Dimensionen sehr bescheidene Deckchen, 
sind allerdings wunderschön in ihrer Wirkung; aber äußerst mühsam in 
der Herstellung und kostbar in ihrem Material, kommen sie so theuer 
zu stehen, dass sie wohl für immer industriell ein unfruchtbares Genre 
bilden werden. Wohl aber könnten sie eine reizende und dankbare Arbeit 
in der Hand reicher und müßiger Darnen bilden und als solche mögen 
sie der Beachtung empfohlen sein. 
Aehnlich wie mit diesen Nachbildungen npolnischer Teppichen ver- 
hält es sich mit den lntarsiaarbeiten, welche Joseph Pattigler ausgestellt. 
Die Intarsia oder Marqueterie, die Darstellung von Zeichnungen durch 
die mosaikartige Zusammensetzung verschiedenfarbiger Hölzer ist eine 
schöne und richtige und echte Kunsttechnik, wenn sie richtig angewendet 
wird. Zur Verzierung der Flächen und Füllungen bei Möbeln, Kasten, 
Vertäfelungen lässt sich weder in der Kirche noch im Hause etwas An- 
genehmeres denken, und mit Recht schätzen wir die lntarsien im Gestlihl 
der italienischen Kirchen, wie an den Kasten und Truhen des 16. Jahr- 
hunderts oder an den fournirten Luxusmöbeln des 18. Jahrhunderts. Aber 
die Technik muss dabei stehen bleiben; die lntarsia irrt, wenn sie eine 
selbständige Kunst sein will und Porträts oder sonst Figürliches als 
Bilderwerk darstellt. Was sie erreicht, ist immer unzulänglich, wenn nicht 
gar Caricatur. Das beweisen auch die von Pattigler ausgestellten lntarsia- 
portraits Michelangelos und des Papstes Leo Xlll. Sie zeigen wohl, was 
der Künstler leisten kann, aber auch auf das allerdeutlicbste die Grenzen 
seiner Kunst. 
Ebensowenig sind wir entzückt von dem Mosaikporträt des baye- 
rischen Königs Ludwig ll. Die Tausende von Steinchen, aus denen die 
Mosaikplatte zusammengesetzt ist und noch viel weniger die unsägliche 
Mühe der Arbeit machen das Werk zu einem Kunstwerk, wenn das Re- 
sultat keines ist. Noch dazu ist es nur eine Zeichnung, kein Gemälde, 
welches nachgeahmt ist. Wenn das Mosaik auch den Vortheil der "halben 
Ewigkeitu hat, so muss doch das künstlerische Resultat die Ewigkeit 
verdienen, sonst ist Mühe und Arbeit verloren. ln solchen Dingen ist 
ein bischen Nachdenken auch dem Künstler zu empfehlen, sonst kommt 
er dahin, wie wir es 1873 erlebt haben, eine Vase aus 20.000 Stücken
	        

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