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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 9)

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Für das Zustandekommen des Baues und des großen Museums für 
Gypsabgüsse allerdings war diese königliche Liebhaberei von großem 
Nutzen. Nie würden bei dem damals herrschenden Sparsinne so glänzende 
Mittel für die großartigen Sammlungen der Gypsabgüsse zur Verfügung 
gestanden haben, wenn nicht der König selbst sich für den Bau und 
seine künstlerische Ausstattung durch F'resken interessirt hätte. Es ist 
nicht zu verkennen, dass durch diesen königlichen Unternehmungsgeist 
unter Friedrich Wilhelm IV. gewissermaßen die Grundlage für die 
heutige Gestaltung der Museen gegeben wurde. Die neue Organisation 
der königl. Museen setzt aber voraus, dass Originalwerke erworben 
und zugleich die Mittel gegeben werden, Kunstwerke für die verschiedenen 
Abtheilungen der Museen zu erwerben. Die jetzigen Fachdirectoren würden 
bald auf’s Trockene gesetzt werden, wenn die Mittel verweigert würden, in 
jedem einzelnen Fache hervorragende Kunstwerke zu erwerben. Die Ge 
schichte der königl. Museen weist aber nach, dass denselben seit ihrem 
fünfzigjährigen Bestehen die Mittel zu Erwerbungen nicht gefehlt haben. 
Schöne weist auf den Ausspruch König Friedrich Wilhelm’s III. 
hin, der in den schwersten Zeiten, die Preußen je durchgemacht hat, im 
Jahre 1807 aus Anlass der Gründung der Berliner Universität in Memel 
sagte: »der Staat muss durch geistige Kräfte ersetzen, was er an phy 
sischen verloren hat.« Der einzelne Director hat bei seinen Erwerbungen 
und Publicationen sich nach allen Seiten hin zu orientiren und etwaigen 
Wünschen von Gelehrten und Künstlern entgegenzukommen. Jedem Director 
ist eine »Sachverständigen-Commission« mit berathender Stimme beige 
geben worden, in welcher gleichmäßig Künstler und Kunstgelehrte ver 
treten sind, und in welcher der betreffende Director über alles referirt, 
was sein specielles Budget betrifft.*) Wöchentlich einmal treten die Direc- 
toren zu einer gemeinsamen Conferenz mit dem Generaldirector zu 
sammen, um die gemeinsamen Interessen der k. Museen zu berathen 
und die Administration in geordnetem Gange zu erhalten. Die königl. 
Museen haben gegenwärtig folgende acht Abtheilungen mit acht Fach- 
directoren, u. zw.: 
1. Für die Gemäldegalerie: Director Dr. Julius Meyer und Directorial- 
Assistent Dr. Bode und Scheibler. 
’) In der Reihe der Mitglieder der »Sachverständigen-Commission« finden wir die 
Kunstgelehrten :Dobbert, Jordan, Grimm, Droysen, Mommsen, Sach au, Robert, 
Lessing, E. Hübner, Trendelenburg, Dr. Schräder, Virchow, Olshausen, 
Jäger; die Künstler: R. Begas, Sußmann-Hellborn, G. Richter, L. Knaus, 
A. Wolf, O. Begas, G. Spangenberg u. a. m. Auch der Kupferstecher Jacobi 
dürfte zu den Arbeiten dieser Commission herangezogen werden. Die Musealbibliothek 
leitet: Dr. Fränkel. Als Restaurateur fungirt in der Gemäldegalerie Herr Wlfg. Böhm, 
in dem Kupferstichcabinette die beiden Hauberreisser. An der Publication und dem 
Kataloge der königl. Museen haben sich seit jeher die ganz hervorragenden Gelehrten be 
theiligt.
	        

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