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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 9)

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Zapfen entsprechendes viereckiges Loch. Bei der Vereinigung des Ganzen 
wird auf die umgestürzte Cuppa der Astragal gelegt, sodann der Fuß 
auf den Zapfen gesteckt und weiters noch ein rundes, quadratisch durch- 
brochenes Silberscheibchen, worauf die Theile des Zapfens mit Punzen 
und Hammer in Kreuzform auseinandergetrieben werden'). 
Die relativen Größenverhältnisse sind innerhalb gewisser Grenzen 
durch die Regeln, welche Theophilus bezüglich der einzelnen zu ver- 
wendenden Quantitäten Silbers und der passenden Proportion der Patene 
zum Kelche gibt, genügend festgesetzt. Dem Kelche entsprechend ist 
auch die Patene einfach, doch zuweilen versehen mit den Umrissen eines 
Agnus dei oder der segnenden Hand Gottvaters, in einem runden von 
einer Schriftzone umzogenen Felde angebracht. 
Prächtig zeigt sich der größere Kelch aus vergoldetem Silber, ein- 
fach in der Grundform, doch kunstvoll und reich verziert in abwechslungs- 
voller Gestaltung"). Die Art der Herstellung in Bezug auf die allgemeine 
Form bleibt bei den verschiedenen silbernen oder goldenen, einfachen oder 
reich geschmückten Kelchen unverändert. Theophilus theilt nun durch 
aufgepunzte Linien die Cuppa und den Fuß dieses verzierten Kelches in 
vgerade Streifens oder abgerundete, wwelche ringsum wie die Löffel stehenu, 
und versieht sie alternirend mit niellirtem und mit gravierten und 
gepunztem Ornament. Mit wgriechischem Blattwerka in starken Zügen 
sollen die niellirten Rippen versehen sein, der Grund mit wfeinen 
Kreisen und zarterArbeitß; auf den dazwischen befindlichen vergoldeten 
jedoch soll Conlrastirendes gravirt, der Grund aber mit dem Ringelpunzen 
dicht bearbeitet werden. Hier tritt das von Theophilus sehr consequent 
beachtete Princip zu Tage: das der rhythmisch sich wieder- 
holenden Abwechslung der Ziermotive. Er vermeidet es, wo 
immer es angeht, congruente Theile nebeneinander zu setzen und wechselt 
mit Farbe und Form. Die Gelegenheit, die Durchführung dieses Prinzips 
bei Theophilus zu beobachten, wird sich in der Folge noch öfter ergeben. 
Der eben besprochene Kelch ist gehenkelt und mit einer Fistula 
versehen. Die Verzierung der Kelchhenkel ist von dem Belieben des 
Künstlers abhängig; Drachen und anderes Gethier, vegetabilische Orna- 
mente aller Art erscheinen hiezu tauglich. Die (Obr-) Henkel sind ver- 
goldet wie, mit Ausnahme der niellirten Theile, der ganze Kelch. Die 
Mitte der zu diesem Kelche gehörigen Patene ist im Achtpass vertieft; 
eine schmale niellirte Zone umschließt diesen letzteren. 
') Wir verweilen bei der Darstellung dieses Vorganges hier elwls länger, ,weil er 
unseres Wissens bis jetzt nach nirgends genügend erklärt ist, obwohl der Text der 
Schedulu, auch im Zusammenhalte mit einer im Codex Harleienus entliehenen (bei llg 
nlch Hendrie wiedergegebenen) Ergänzung nicht: Zweifelhaftes aufweist. (Cnp. XXVl: 
De felsrienndo minore cllice.) 
") Bis euf die Verschiedenheit der Verzierung der Oberßlche dem Kelche des 
Stiftes Willen völlig ähnlich.
	        

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