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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 9)

Am geschlossensten finden wir denselben vertreten in der ethno- 
graphischen Ausstellung des l-lerrenhauses, das einen Theil der nationalen 
Baulichkeiten ausmacht, sich aber von den typischen bäuerlichen Block- 
bauten wesentlich unterscheidet. Mit seinem Riegelbau mit umlaufender 
Veranda macht dasselbe einen recht modernen Eindruck. Um so über- 
raschender ist sein Inhalt. ln zwei großen Parterre-Räumen finden wir 
zunächst die mannigfaltigen Costüme von West- und Ostgalizien in circa 
50 Figurinen ausgestellt: lm ersten Saale die von der städtischen Tracht 
des vorigen Jahrhunderts abgeleiteten Festtagskleider der Landbevölkerung 
von Krakau und Umgebung, von Saybusch, Neu-Sandec etc., an welchen 
manch' kostbare alte Seidenstickerei verwendet ist, dann die derberen 
Costüme der Bergbewohner der Tatra, der Goralen und in langen Pult- 
schränken eine Sammlung prächtiger, gold- und silberdurchwirkter Seiden- 
gürtel, Pasy, deren Ornamentation theils altorientalische, theils Renais- 
sance-, Rococo- und Empire-Formen zeigt. 
Im zweiten Saale die farbenprächtigen Costüme von Ostgalizien, bei 
welchen theils Weiß und Roth, theils Schwarz und Gelb vorherrschen 
und deren blankes Linnen mit den kräftigsten Stickereien verziert ist. 
Von den westgalizischen unterscheiden sich diese Costüme durch ihren 
vollständig orientalischen Charakter, und manche dieser Figurinen könnte 
uns gerade so gut in Smyrna, Damascus oder Tanger entgegentreten. 
Angesichts dieser reichen Collection drängt sich dem Beschauer der 
Wunsch auf, es möchte dieselbe, so wie sie nun in Lemberg vereinigt ist, 
die Ausstellung überdauern und als Ganzes den Grundstock für ein ethno- 
graphisches Museum der Monarchie abgeben, das berufen wäre, diese 
hochwichtigen Documenta einer langsam verschwindenden Volkskunst zu 
sammeln und wissenschaftlicher Verwerthung zuzuführen. 
Außer den Costümen enthält der genannte Saal noch weiters das 
Mobiliar und den sonstigen Hausrath der einzelnen Bezirke, vor Allem 
eine Anzahl schöner Kilims, keramische Producte aller Art, dann die 
um Hals und Hut getragenen, perlengestickten Bänder, deren Muster einen 
staunenerregenden Formen- und Farbensinn bekunden. 
Ferner die Ostereier mit ihrer mannigfaltigen, ungemein stilvollen 
Decoration, Kerbschnitt- und Messingarbeiten der Huzulen und eigen- 
artig verzierte, riesige Hochzeits-, Weihnachts- und Osterbrote. Bei diesem 
formfröhlichen Volke wird selbst das zu schnellstem Verbrauche Bestimmte 
in der mühsarnsten Weise mit Flechtwerk, Blumen- und Federnschmuck 
verziert. Eine Reihe photographischer Aufnahmen verleiht dieser impo- 
santen Schaustellung den Localton. 
Verlassen wir nun das Herrenbaus, so finden wir noch in jedem der 
in ihrer äußeren Erscheinung schon gewürdigten Bauernhäuser den 
gesammten Hausrath der betreffenden Gegend. Besonders hervorgehoben sei 
der lnhalt des Huzulenhauses, der mit dem schönverzierten Kachelofen, 
den reizenden Thongefäßen ä la Bachminski, den tiefrothen, schwarz-
	        

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