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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 6)

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Bildes, die trotz flüchtiger Ausführung doch unverkennbar an die be- 
kannten christlichen Statuen des heil. Hippolyt und St. Peters in den 
Grotten erinnert. Die Tunica der übrigen Figuren unseres Bildes ist eine 
angusticlavia, mit zwei parallel von den Schultern herabgeflihrten Purpur- 
streifen. lm Allgemeinen zeigen die Katakombenbilder eine bis über das 
Knie, oft bis zu den Knöcheln reichende Tunica, in letzterem Falle 
Tunica talaris genannt. Das Pallium ist durchgängig gleichgehalten bis 
auf einige an den Enden vorkommende Verzierungen (Vestes gammatae). 
(Krieg in Kraus, R. E. ll, p. 17g): wSo wenig kannte man in den ersten 
Jahrhunderten eine besondere liturgische Kleidung, dass manche Liturgen 
nur mit dem Pallium angethan, ohne Tunica, d. i. in der sogenannten 
Philosophentracht, die Mysterien feiertenc. Uns mag diese Entblößung 
der rechten Schulter als eine Tactlosigkeit erscheinen, nGriechen und 
Römer waren aber dazumal gewöhnt, in dem Philosophenmantel eine 
Bürgschaft außergewöhnlicher Weisheit zu sehen-l (Kraus, R. S. 314). 
Einen solchen Mantel trug Justinus der Martyrer bei seinen Predigten, 
ebenso Aristides von Athen, Tertullian, der alexandrinische Priester 
Herakles, Gregorius der Wunderthäler und Andere. Tertullian verthei- 
digt in seinem Buche De pallio unumwunden, freilich auch in seiner 
dem Schönen und Liebenswürdigen abgewandten Weise, diese Kleidung 
vals für christliche Priester einzig passende, wie dies auch das alte, aus 
der Zeit Tertullian's stammende Katakombenbild im S. Callisto (Sacra- 
mentscapellen) zeigt, wo der opfernde Priester im dunklen Philosophen- 
pallium (rplßww) consecrirt und dabei die Hände so über die Opfergahen 
hält, wie es der Priester noch immer vor der Wandlung thut, so dass 
wir mit Rücksicht auf die erwähnten schriftlichen Nachrichten diese für 
uns auffällig mangelhafte Kleidung nicht für eine Kllnstlerlaune, wohl 
aber für eine merkwürdige Episode aus der Urgeschichte des kirchlichen 
Kleides anzusehen haben, die, so kurz sie auch gedauert haben mag, 
uns das eine als ein Bleibendes lehrt, dass im 2. Jahrhundert eben das 
Pallium liturgische Verwendung fand. Ob es eine Zeit gab, in der dieser 
Mantel allein ohne Tunica allgemein gebraucht wurde, ist die Frage, die 
wir wohl ablehnend beantworten dürfen, umsomehr, als Männer, die 
feinfühliger waren wie Tertullian, diese Sitte scharf tadelten. (Vergl. 
Justin M. contro Tryph. c. 1.; Tertull. de pallio c. 6; Euseb. Hist. eccl. 
Vl, 19, u. lV, n; Cyprian, de hono patient. c. 2; exerti et seminudi 
pectoris inverecunda iactantia; Tatian. Orat. ad Graec. c. 25 u. A.) 
Und so treffen wir nach dem Jahre 200 nur Darstellungen mit Pallium 
und Tunica darunter. Hieher gehört wohl auch die bisher in liturgischer 
Hinsicht ganz unbeachtete Statue des Hippolyt aus dem 3. Jahrhundert, 
gegenwärtig, in der oberen Hälfte ergänzt, eine Zierde des Lateran- 
Museums, in ihrem echten Theile abgebildet bei Garrucci, Stor. Tav. 430. 
wWohl unstreitig ist er in priesterlicher oder bischöflicher, d. i. in litur- 
gischer Kleidung dargestellt, auf der Kathedra sitzend und lehrend. Seine
	        

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