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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 6)

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vor, deren Bild in der Mitte als Orante wiederholt ist, während das 
Bild der Gottesmutter nach denrrgewöhnlichen Katakombentypus auf der 
rechten Seite angebracht ist. Der amtirende Bischof. hat nun über seiner 
Tunica nicht das Pallium sacrum, wie Garrucci meint, und auch nicht 
die Paenula, sondern einen mit einer Kapuze versehenen gelbbraunen 
Mantel, den wir vielleicht eine Lacerna nennen könnten. 
(Fortsetzung folgt.) 
Galland's Einfluss auf die französische Deco- 
rationskunst. 
Von los. Folnesics. 
Am 30. November 1892 ist in Paris ein Künstler gestorben, der 
durch 40 Jahre zu den hervorragendsten Meistern der decorativen Malerei 
zählte. Paul Victor Galland hat sowohl als Maler wie als Director 
künstlerischer Leiter der Gobelins und als Mitglied des Rathes zur 
Hebung der Staatsmanufacturen von Sevres und Bauvais auf die Ent- 
wicklung bestimmter Gebiete französischer Kunstindustrie maßgebenden 
Einfluss genommen. Wenn selbst in der schlimmsten Zeit künstlerischer 
Decadence Frankreich noch immer relativ Gutes producirte, so hat neben 
Anderen Galland nicht unwesentlichen Antheil daran. 185i wurde der 
zgjährige Maler mit der ersten großen Aufgabe betraut. Es war dies die 
Ausschmiickung eines neu erbauten Palastes in Ccnstantinopel mit Wand- 
gemälden. Zwei Jahre später bildeten mehrere Plafond-Malereien im Hötel 
des Marquis Casariera diejenige größere Leistung, womit er sich in die Pa- 
riser Kunstwelt einführte. Von da ab fehlte es nie an Aufträgen weder in 
Paris noch in der Provinz und im Auslande. Man schätzte seine Decorations- 
malereien hauptsächlich deshalb, weil er es verstand, sie aus dem Ganzen 
heraus zu erfinden, das Detail der Hauptsache unterzuordnen, die Ein- 
heit der Künste nie ausser Auge zu lassen. Gut bewandert in der Archi- 
tektur, ein Meister der Perspective und mit den Bedingungen der Sculptur 
vertraut, wusste Galland wie kaum ein Anderer seine Compositionen mit 
der jeweiligen Umgebung in Einklang zu bringen und den schwierigsten 
Voraussetzungen glücklich anzupassen. Wohl waren seine Sujets nicht 
neu, konnten es kaum sein; Musen, Jahreszeiten, Elemente, Künste, 
Wissenschaften, griechische Götter, spielende Kinder, Amoretten u. dgl. 
bilden immer wieder das Substrat seiner Erfindungen. Aber der Reich- 
thum der Varianten, die Eleganz und überraschende Originalität in der 
Anordnung, lassen das Alte immer wieder neu erscheinen. Gleichzeitig 
erhebt eine keusche Anmuth in Form und Ausdruck die Darstellung 
über das Niveau des Alltäglichen. Ein Zug sentimentaler Weichheit ver- 
leiht seinen Gestalten einen individuellen Charakter, der natürlich und 
ungezwungen aussieht, weil er mit dem Wesen des Künstlers in innigem 
Zusammenhange steht. BesaB Galland auf solche Weise alle positiven
	        

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