MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 6)

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Eigenschaften, die ihn zum Decorationsmaler prädestinirt erscheinen 
lassen, so treten auch die negativenISeiten, die mit einer derartigen Be- 
gabung verbunden zu sein pflegen, scharf hervor. Wie Makart wanauch 
erzum Porträtisten wenig geeignet, gewann als Historienmaler nicht die 
nöthige Kraft und ausdrucksvolle Charakteristik und blieb dem, eigenta 
lichen StaEeleibild ziemlich fremd. ' ' ' 
Von der ersten Skizze bis zum fertigen-Gemälde ist bei jedem 
Künstler ein weiter Weg und nichts spricht seine Eigenart so deutlich 
aus als die Veränderungen, die eine solche Skizze auf diesem Wege 
durchmacht. Bei Galland ist gewöhnlich eine merkwürdige Verall- 
gemeinerung der Formen wahrzunehmen. Es ist die auf die decorative 
Wirkung hinarbeitende Phantasie, die seinen Pinsel mächtiger beherrscht 
als alles Andere. Galland selbst war sich dieser Eigenschaft, die zugleich 
eine Schwäche in sich barg, klar bewusst. Er ist daher stets bestrebt, 
sein Können an der Hand der Natur unablässig zu läntern und zu 
bereichern. Dieser Decorationsmaler alter Schule hat überhaupt manche 
Züge mit den Modernen gemein; In Fontainebleau kaufte er sich eigens 
eine Besitzung, um dort ungehindert Bäume, Felsen, Blumen u. s. w. 
studiren zu können. Es. ist directe Pleinair-Malerei, die er hier treibt; 
nur mit dem Unterschied, dass er Studie Studie sein lässt. In Paris 
beobachtet er einmal das Verhalten von Kindern aus dem Volke im.Alter 
unter zehn Jahren im Gespräch mit Erwachsenen und bemerkt, dass 
sie eine eigenartige Verlegenheitfan den Tag legen, die sich darin 
äußert, dass sie nicht ruhig halten, spielend sich vom Sprecher abwenden 
und es vermeiden, ihm in's Gesicht zu sehen. Er erfasst diesen typischen 
Zug und benützt ihn später in einer seiner hübschesten Gobelin-Corn- 
positionen. ln dem Tagebuche, das er führt, fehlt es nicht an Selbst- 
aneiferungen sich von seinen ursprünglichen Naturstudien nicht zu sehr 
zu entfernen. Hier heißt es unter Anderem einmal: wVereinfachen wir 
die Pfianzenmotive, wenn ihr Detail verwirrend oder zu zart ist, so dass 
die Klarheit darüber in Gefahr kommt, aber vergessen wir nie, dass sie 
um so packender und interessanter sein werden, je mehr ' die Elemente 
der Natur ihren intimen Charakter beibehalten. Nehmen wir die Pflanzen, 
die wir sehen und stellen wir sie dar in ihrer Grazie, r die sie im Leben 
haben. Machen wir es wie unsere Vorfahren im Mittelalterw. In diesem 
Satze liegt ein künstlerisches _Glaubensbekenntniss von principieller 
Wichtigkeit, denn Galland stellt damit den Grundsatz auf, dass der 
Künstler neue Reize, die er seinem Werke geben will, nicht auf irgend 
eine Weise mühsam erklügeln soll, denn er findet sie nirgends so rein 
und reichlich wie in der Natur. Klingt das nicht wie die: Sprache der 
Jüngsten unter der heutigen Künstlerschaft? Galland's Tagebuch. das er 
mit großer Gewissenhaftigkeit durch 3c Jahre fortgeführt, ist überhaupt 
ein höchst werthvolles Document für die Erkenntniss seines künstlerischen 
Wesens. An der Hand dieser Aufzeichnungenhat Hava-rd in- einer
	        

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