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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 6)

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Falle, wenn der Maler Vielerlei in ein Ensemble zu zwingen trachtet, 
macht es ihm große Schwierigkeiten, das Interesse immer von Neuem 
wieder zu fesseln und er wird obendrein aller angeführten Vortheile 
verlustig. 
Seine Haupterfolge hatte Galland in den Kreisen der Aristokratie 
und Haute finance. Hier galt es ganze Paläste oder einzelne Räume ein- 
heitlich zu schmücken. Hier fand der Meister für seine fein abgewogenen 
Compositionen richtiges Verständniss, hier wusste man den Ernst zu 
schätzen, mit dem er sich in das jeweilige Problem zu vertiefen gewohnt 
war. Beschäftigte ihn eine seiner würdige Aufgabe, so war ihm kein 
Aufwand an Zeit, Arbeit und Mühe zu groß. 
Galland's Hauptverdienst, sagt Havard, besteht darin, die Kunst- 
und Malweise der Gegenwart mit den großen decorativen Traditionen 
des I7. und 18. Jahrhunderts in Einklang gebracht zu haben. - Nebst den 
Franzosen waren es namentlich die alten Venezianer, Veronese an der 
Spitze, in deren Geist er sich vertiefte. ln diesem Sinne sind die Plafond- 
und Wandmalereien in zahlreichen Palästen von Paris ausgeführt, deren 
ermlidende Aufzählung wir wohl unterlassen dürfen. Für das Finanz- 
ministerium malte er 18 Supraporten und fünf Plafonds, die 187i ver- 
nichtet wurden. Mehrere seiner Arbeiten gingen im Bombardement von 
St. Cloud zu Grunde. In neun Capellen von St. Eustache malte er die 
Giebelfelder. In Marseille, Lille, Nizza war er nicht minder thätig', wie 
in Madrid, London und Stuttgart. Als das Pariser Stadthaus wieder auf- 
gerichtet war, erhielt er den Auftrag, I3 Kuppeln in der Galerie des 
metiers mit Darstellungen der verschiedenen Handwerke zu schmücken, 
welch' schwierige Aufgabe er auf das glücklichste decorativ gelöst hat. 
Für Van der Bilt schuf er Decorationsmalereien, die nach New-York 
kamen. Eine seiner großartigsten Schöpfungen ist die Decoration für das 
Stiegenhaus im Palais Narischkin in Petersburg, wo Galland die Ankunft 
eines Gastes und ein Concert im Hause eines venezianischen Patriciers 
des 16. Jahrhunderts schilderte. Neben der Ausführung aller dieser Auf- 
träge, worunter noch ein Historiengemälde für das Pantheon besonders 
zu erwähnen ist, entwickelte Galland seine erfolgreichste Thätigkeit an 
den Gobelins. Eine Bestellung von hervorragender Wichtigkeit war hier 
der Entwurf von 19 Cartons für das Palais de Flillysee. Die Dichtkunst 
bildet das Sujet dieser Compositionen, nach welchen der Raum, für 
den diese Gobelins angefertigt wurden, auch den Namen w-Salon de 
poemes- erhielt. 
Als Galland starb, war eine neue Zeit herangebrocheri, das zweite 
Empire, unter dem er groß geworden, gehörte bereits ganz und,gar der 
Vergangenheit an, und für manches seiner Werke war das unmittelbare 
Verständniss geschwunden. Als aber bald nach seinem Tode eine Aus- 
stellung der künstlerischen Hinterlassenschaft veranstaltet wurde und 
hunderte von Skizzen und Entwürfen, von denen ein großer Theil in
	        

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