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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 2)

 
Wiener-Gongresa-Ausatellung. Se. k. u. k. Hoheit der durch- 
lauchtigste Herr Erzherzog Friedrich und Ihre k. u. k. Hoheit die 
durchlauchtigste Frau Ergherzogin Isabella haben am 19. d. M. Nach- 
mittags, geleitet von Custos Ritter, die Wiener-Congress-Ausstellung im 
Oesterr. Museum besichtigt. 
- Um dem Publicum bequemere Gelegenheit zum Besuche der 
Wiener-Congress-Ausstellung zu gewähren, wird dieselbe von Dienstag 
den 18. d. M. angefangen an Montagen von tz-S Uhr, an den übrigen 
Wochentagen von to-5 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 9-1 Uhr 
geöffnet sein. ' 
Besuch das luaenma. Die Sammlungen des Museums wurden im Monat 
Januar (t.-l4.) von 2444, die Bibliothek von t57o, und die Vorlesungen 
von 256 Personen besucht. 
Vorlesungen, Am 12. Deeember v. J. sprach Custos Dr. Karl Masner über die 
nMlllffßdifllllg der Gegenwartr, wobei er als Ausgangspunkt die graphische Ausstellung 
nahm, die in den letzten Monaten des verflossenen Jahres von der Gesellschaft für ver- 
vielfaltigende Kunst veranstaltet wurde und als Hauptabtheiluug die graphischen Original- 
arbeiten verführte. Die beiden anderen Abtheilungen, der Holzschnitt seit dem Jahre 
1886 und die Jubillums-Ausstellung der Gesellschaft, in welchen die Reproductionen 
vorherrschten, boten Veranlassung, das Verhaltniss der beiden Richtungen in den gra- 
phischen Künsten, der originalschaEenden und der reprodueirenden zu einander und ihre 
Stellung in der Kunst der Gegenwart zu studiren. Gerade in Wien, wo die reprodu- 
cirende Thatigkeit eine so imponirende Stellung errungen hat, haben solche Vergleiche 
ihr acutes Interesse. Dasa die originalschaffende Richtung der anderen in der Gegenwart 
nachgerade ebenbürtig geworden ist, steht außer Zweifel. Wie hiefür die Vorbedingungen 
geschaffen wurden, entwickelte der Vortragende in einem Ueherblick über die wechsel- 
vollen Phasen, welche die vervielfaltigenden Künste in diesem Jahrhundert durchgemacht 
haben. Als Resultat dieser Wandlungen und Kampf: hat die Gegenwart den Vollbesitz 
und die technische Ausbildung der künstlerischen Vervielfaltigungsmethoden erlangt. 
Während der Wirkungskreis der reproducirenden Thatigkeit durch die Concurrenz der 
photo-mechanischen Verfahren immer mehr für höchste Leistungen eingeschränkt wird, 
wachst der Strom der Originalarbeiten von Jahr zu Jahr. Unterstützt von den Neigungen 
des Publicums, nimmt die original schaffende Richtung den Kampf dagegen auf, dass die 
photo-mechanischen Verfahren Alles überwuchern. indem sie das leistet, was die aus- 
schließliche Domane jener erscheint, die Vervielfaltigung und dabei doch ein selbatan- 
digea Kunstwerk schafft. Aber nicht die vielen Künstler, welche dilettirend den graphischen 
Künsten die gewohnlichen Mittel ihres Pinsels bieten, haben die gegenwartige Stellung 
derselben im Kunstleben begründet, sondern solche lndividualitaten, die für sie geboren 
sind und ihnen eine ausgesprochene Veranlagung entgegenbringen. Deutschland hat solche 
Naturen in Klinger, Geyger und dem verstorbenen Stauffer aufzuweisen, die nach ver- 
schiedenen Richtungen das Wesen des graphischen Schaffens erfasst haben und ver- 
schiedene Seiten desselben vertreten. Außer diesen Künstlern wurde noch eine Anzahl 
deutscher und französischer charakterisirt - Legrand, Roses, Zorn und Lepere, von 
denen die zwei letzteren der impressionistischen Natur der graphischen Künste gerecht 
werden. Zum Schluss: besprach der Vortragende noch die technischen Besonderheiten, 
von denen die Ausstellung Proben gab, und hob die Mischung der Techniken als einen 
markanten Zug in dem Bilde des gegenwärtigen Standes der graphischen Künste hervor. 
- Am 2. Januar hielt Professor Dr. Johann Oser einen Vortrag über eine neue 
Methode der Vernickelung. 
Der Vortragende erwähnte zunächst, dass Gold und Silber im Kunstgewerbe deshalb 
so häufige Verwendung ünden, weil sich einerseits wegen ihrer günstigen physikalischen 
Eigenschaften damit besonders schone EiTecte erzielen lassen, anderseits aber wegen ihrer 
Widerstandsfähigkeit gegen atmospharische Einflüsse die damit erreichten schonen Wir- 
kungen nahezu als dauernde bezeichnet werden konnen. Sie ünden daher auf anderen 
Metallen und Stoßen ebenso als Decorationsmittel wie auch als Schutzhülle Verwendung. 
Unter den Metallen, welche diesem doppelten Zweck entsprechen können, verdient 
das Nickel besondere Beachtung. Es hat eine faat ailherweiße Farbe, starken Glanz, eine 
bedeutende Härte und ist einer schönen Politur flhig. Anderseits bleibt es bei gewohn- 
licher Temperatur an feuchter Luft und selbat in: Wasser unverlndert. Das Vernickeln 
von Metallgegenstanden gewinnt daher immer häufigere Anwendung. Nachdem der Vor- 
tragende die bisher üblichen zwei Methoden der Vernickelung auf nassem Wege durch
	        

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