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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 2)

Die Darstellungen der Badehäuser von Warrnbrunn, der Schneekoppe, 
der Burg Kynast, der Gebirgsrücken mit den Seen erfreuen sich der 
größten Beliebtheit; ab und zu gesellen sich ihnen Ansichten von Hirsch- 
berg oder Landshut zu (Kunstgewerbemuseum, Berlin, Nr. 321). 
Die Ansichten sind durchwegs von schlesischer Seite aufgenommen 
und zeugen vom schlesischen Ursprung. Arbeiten, wo die Darstellung der 
Koppe oder eines steilen Berges mit Rübezahl vorkommt, mögen eher 
auf böhmischer Seite entstanden sein. Die ältesten Arbeiten solcher Art 
gehören der Mitte des 18. Jahrhunderts an und werden gegen Schluss 
desselben immer häufiger. 
Auf Grund jener und anderer Darstellungen, welche ganz bestimmt 
auf Schlesien hinweisen, lassen sich die Eigenthümlichkeiten der schlesischen 
Production näher verfolgen und man kann auch gewisse Rückschlüsse auf 
die vorhergehende Periode wagen. Was die Formen betrifft, bemerkt man 
zweierlei Gruppen. Die eine Gruppe wird durch ein Festhalten an alther- 
gebrachten Typen gekennzeichnet; die Masse ist schwer, dickwandig, nicht 
immer ganz rein, manchmal mit einem Stich in's Grlinliche; die Form 
mit dem gedrungenen Fuße oder dicken Schafte pHegt sozusagen plump 
zu sein. Der zweite Typus ist unter Verwendung einer krystallhellen 
Masse leicht und elegant; bei der Bildung des Ständers herrscht eine stereo- 
type Form vor, indem derselbe aus einem kerzengerade aufsteigenden 
Stengel besteht, welcher nur durch einen facettirten Nodus unterbrochen 
wird. Am Untertheile der Cuppa befinden sich ab und zu reihenweise 
angeordnete Schuppen, mitunter auch Muscheln, welche als Reminiscenz 
an die einstige plastische Gliederung beibehalten worden sind. 
Das öfters vorkommende, dick aufgetragene Gold an den Schuppen 
und an den oberen Gefäßrändern ist für die späteren schlesischen Arbeiten 
besonders charakteristisch und wird bei böhmischen Arbeiten in solcher 
Anwendung nicht angetroffen. 
Was einige der schlesischen Arbeiten von der Mitte und der zweiten 
Hälfte des 18. Jahrhunderts besonders auszeichnet, ist die Zierlichkeit 
und Feinheit des Decors. In dieser Richtung haben sich besonders die 
Warmbrunner Glasschneider hervorgethan; sie haben sich hiebei ver- 
scbiedener Vorlagen bedient und waren, wie z. B. Joh. Friedr. Mecke, 
bemüht, nach vzugeschickten Zeichnungen und Desseinsß Arbeiten zu 
liefern 1"). 
Ein im Berliner Kunstgewerbemuseurn befindlicher Pocal des Christian 
Schneider von Warmbrunn (geb. 1710, 1' 1782) ist ein verhältnissmäßig 
frühes Beispiel dieser Art. ln Manchem erinnert die Arbeit an die feine 
Verzierungsweise Schwanhardfs (besonders im Landschaftlichen, Baum- 
schlag) und weicht von der flotten und kräftigen Art der italienischen 
und Prager Krystallschneider des 17. Jahrhunderts vollständig ab. Recht 
") Czihak, S. 1717. Mach's Zuschrifx nn Grafen Reuß vom 23. Sepu. 
1737-
	        

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