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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 3)

tungsschule des k. k. Oesterr. Museums für Kunst und Industrie ernannt 
wurde. In dieser nahezu zwanzigjährigen Thätigkeit erwies sich Hracho- 
wina als ausgezeichneter Lehrer, welcher mit Eifer und Hingebung seinem 
Berufe lebte und, ausgestattet mit feinem künstlerischen Gefühle, reichem 
Wissen und ausgezeichnetem pädagogischen Talente, glänzende Lehr- 
erfolge erzielte. Hrachowina hat u. A. auch verschiedene Vorlagen-Werke 
herausgegeben, so 1883 "Initialen, Alphabete und Randleisten verschie- 
dener Kunstepochentt und "Wappenbüchlein für Kunstjlinger und Kunst- 
handwerkeru, 1886 "Künstliches Alphabet von J. Th. de Brya und 1887 
llRelief-Ornamenteß, Vorlagen für das ornamentale Zeichnen. Die Collagen 
und zahlreichen Schüler des Verblichenen werden ihm ein treues dank- 
bares Andenken bewahren. 
Besuch des Museums. llie Sammlungen des Museums wurden im Monat 
Februar von 11.195, die Bibliothek von 1697, und die Vorlesungen von 34! 
Personen besucht, 
Vorlesungen. Am 6. Februar hielt Custos Dr. Julius Ritter von Schlosser 
einen Vortrag über nDie Anfange Venedigsl. Der Vortragende schilderte ZDnÄChSI die 
eigenthümliclie Landschaft der Lagunen, eine Schöpfung des Meeres und der Flüsse, 
fortwahrendt-r Veränderung unterworfen. Lange bevor die Römer ihre Herrschaft und 
ihre Sprache in das Land der alten Veneter trugen, waren diese Küsten blühend, handels- 
kraftig, wohlhabend. Die bedeutendste Stadt war das alte vorromische Ravenna. 
Damals mitten in der Lagune liegend, eine hölzerne, auf Pfahlrosten ruhende Stadt, in 
Leben und Sitte das Vorbild Venedigs. Es folgen weiter Spina, schon in der Kaiserzeit 
nur mehr ein armseliger Weiler, weit im Lande belegen, aber einstens, in grauer Vor- 
zeit, eine mBClltlgC Seestadt, die alteste Vorgängerin Venedigs; Adria, das sich rühmt, 
dem Adriatischen Meere den Namen gegeben zu haben, heute noch als leidlich behabiges 
Landstadtchen erhalten. Dann das berühmte Aetinutn, gleichfalls ursprünglich eine 
Insel- und Gondelstadt, erst im 7. Jahrhundert zu Grunde gegangen, aber in der Phan- _ 
tasie des venezianischen Volkes fortlebend; endlich Aquileta, zuerst römische Militar- 
colonie, dann Sitz des mächtigen, kriegerischen Patriarchates. 
Die Barbarenstürme und die religiösen Wirren der Langobardenzeit werden der 
Anlass zu jenem merkwürdigen Exodus der Bewohner der Küstenstlldte auf die lnseln 
der Lagunen; das erste Beispiel gab Paulinus von Aquileia, der im neuen Aquileia, dem 
Hafenort Grado, seinen Wohnsitz aufschlug. So entstand das älteste hierarchische Centrum 
des Seelandes, mit seinem merkwürdigen, von griechischen Bauleuten gebauten Dom. 
Von den Flüchtlingen Oderzos Concordiifs, Asolo's sind weiterhin an der Küste Canrle, 
Jesole und Eraclea (Civitä nova) gegründet worden; das erste heute wohl der ver- 
lassenste Ort der ganzen Lagune, obwohl direct am Meere gelegen, mit einer merkwür- 
digen großen Kathedrale, dem frühesten Beispiel romanischen Kirchenbaues in diesen 
Gegenden; die beiden letzten, alteste Sitze der Dogen, jetzt in schwer zuganglichen 
Sümpfen begraben. Es folgt eine andere verodete, einst blühende Stadt, Torcello, das 
neue Aetinum, im lo. Jahrhundert noch eine reiche Handelsstadt, die unmittelbare Vor- 
lauferin Venedigs endlich das alte Malarnocco, zweite Residenz der Dogen, in einer 
grnuttthaften Sturmnacht des Jahres ttoz vorn Meere verschlungen. 
Zu Beginn des 9. Jahrhunderts siedeln die Dogen nach Rialto, einer kleinen 
lnsel im geschützten Innern der Lagune, über. Hier fließt nun endlich alles Leben der 
Lagune in einem Brennpunkt zusammen; erst im w. Jahrhundert aber ltront der uralte 
Stammesname Venetia das Werk. Denn das alteste Venedig war eine hölzerne Pfahl- 
stadt, wie Ravenna einst; der Holzbau hat sich hier in der conservativen Zunft der 
marangoni bis in die Renaissance hinein erhalten. Zahlreiche, über ganz Venedig zer- 
streute Reste an Privatbauten und Kirchen, die merkwürdigen hölzernen Lauben des 
alten Dogenpalastes, ietzt hinter dem marmornen Säulenumgang versteckt, geben uns 
eine ungefahre Vorstellung der ncittä di legnou. Erst nach der Eroberung Cnnstantinopels 
durch die Lnteiner, als Venedig die Herrschaft über die Levante antritt, wird die hol- 
zeme Stadt eine marmorne. Aber auch der gothische Palast ist noch ein echtes Er- 
zeugniss des Lagunenbodens, der Saulenumgang des Palazzo ducale gleichsam die künst- 
lerische Verklärung des Pxlotenbaues; im Gegensatze dazu steht der schwere, von der 
Terra ferma hieher verpflanzt: Renaissance- und Bltockpalaat, dem man es ansieht, dass 
er ein Fremdling auf diesem schwanken Grunde ist.
	        

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