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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 3)

Notizen. 
Reliqularlum. Das germanische National-Museum in Nürnberg hat für seine 
Sammlung kirchlicher Alterthümer neuerdings ein wichtiges Stück erworben: ein in 
Silber getriebenes Reliquiarium, welches Propst Ladislaus Aschdorfer im Jahre r476 
für die Kirche des Chorherrenstiftes lsen in Ober-Bayern stiftete. Dasselbe hat die Form 
einer Büste und stellt den heil. Bischof Zeno, den Patron der Kirche von lsen, dar. 
Der Kopf ist streng, jedoch charakteristisch jbehandelt und meisterhaft getrieben. Die 
Reliquie befindet sich in einem vergoldeten und emaillirten Anhänger auf der Brust. 
Sind Arbeiten in Edelmetall aus dem 15. lahrhundert überhaupt nicht hauüg, so gehören 
Kunstwerke von so vollendeter Stilreinheit und Sicherheit der technischen Behandlung 
zu den Seltenheiten und kommen nur ausnahmsweise in den Handel. Durch dieses Re- 
liquiar hat nicht allein die Sammlung kirchlicher Alterthümer eine Bereicherung erfahren, 
sondern es sind auch die Werke in Edelmetall, welche das germanische Museum besitzt, 
um eine Perle der Augsburger Goldschmiedekunst vermehrt worden. 
Die Bilderhaudsohrlft der Aebtlssin von Landsperg. Im Jahre 1870 wurde 
während der Belagerung von Straßburg die in der dortigen Bibliothek befindliche un- 
vergleichliche Bilderhandschrift der Aebtissin Herrad von Landsperg, der aHortus deli- 
ciarumu. abgefasst ungefähr zwischen rt65 und rt75, ein Raub der Flammen. ln der 
letzten Zeit nun wurde in Berlin ein Fund gemacht, welcher die vollständige Wieder- 
gabe der bisher fehlenden Theile der Handschrift mit ihren Bildern ermöglicht. Der 
Kunsthistoriker Herr Dr. Paul Weber, dessen Studien der Erforschung des mittel- 
alterlichen Bilderkreises gewidmet sind, stieß bei der Durcharbeitung der von dem 
Archaologen Ferdinand Pipper vor langer Zeit gesammelten Materialien im Kupferstich- 
Cabinet zu Berlin auf eine Menge vortreßlicher Durchzeichnungen der Herrad'schen 
Miniaturen, darunter eine ganze Reihe von Blättern, welche die noch nicht veröffent- 
lichten und inzwischen verloren gegangenen Theile des Bildercndex erglnzten. Vor 
geraumer Zeit schon hatte die Gesellschaft für die Erhaltung elslssischer Geschichts- 
denkmaler eine Veröffentlichung nach Copien begonnen, die jedoch nicht zum Abschluss 
gebracht werden konnte. Französische Forscher widmeten der Sache gleichfalls ihre 
Thatigkeit, und noch 1384-85 veröffentlichte Lasteyrie uncolorirte Nachzeichnungen in 
verkleinerter Form. Jetzt wird mit den neu erhobenen Pausen die Folge der elsässischen 
Publication in gleichförmiger Weise ergänzt werden können: die photographische Wieder- 
gabe ist bereits erfolgt und eine reiche Folge von Blättern wird in gesonderter Lieferung 
das Bild der unschätzbaren Quelle zur mittelalterlichen Kunst- und Culturgeschichte 
vervollständigen. 
Kopenhßgßußr Kunsündustrie-Kuaeum. Die Sammlungen des vor Jahresfrist 
vollendeten Kunstindustrie-Museums sind vor Kurzem fertiggestellt und dem Publicum 
zugänglich gemacht worden. Einen hervorragenden Theil der Sammlung bilden die alt- 
deutschen und französischen Holzschnitzereien aus dem I5. bis I6. Jahrhundert, meist 
Gerathe kirchlicher Kunst und Heiligenbilder, aber auch Möbel, Laden, Schranke etc., 
die der Herzog von Cumberland dem Museum als Depositum überlassen hat. Endlich hat 
das junge Museum auch moderne Erzeugnisse der Kunstindustrie auf allen ihren Gebieten 
in sorgfältiger Auswahl und in überraschender Ftille zu bieten. 
Hilft) Aurel-Beule. Die Abbildungen der Reliefs an der Marc Aurel-Säule in 
Rom, die im vergangenen Jahre im Auftrage des deutschen Kaisers photographirt worden 
sind, werden demnächst in einem Bande von 124 Tafeln in Folio herausgegeben werden. 
Zum Texte liefern die Herren Mommsen und Calderini einen Beitrag, die Beschreibung 
und Erklärung der Reliefs führen die Professoren E. Petersen und A. v. Domaszewski 
aus. Es sind 248 photographische Aufnahmen gemacht worden; die Vervielfältigung er- 
folgt durch Lichtdruek. Ausgewahlte Theile der Reliefs sind durch den römischen Gips- 
gießer Piernovelli auch abgeformt worden. Die General-Verwaltung der Berliner Museen 
hat durch ihre Formetei es übernommen, die Ausgüsse herzustellen und durch Verkauf 
zu verbreiten. 
Für die Rednction vermtwonlich : J. Folnrsiu und F. Rltkr. 
Selbstverlag des k. k. Outcrr. Museum: lür Kunst und lndunrie. 
Buthrlrnekerd von cm GerohVl m... in Winn.
	        

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