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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 9)

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sind hart aneinander gerathen; tödtlich am Halse getroffen sinkt der 
Barbar von dem gleichfalls verwundeten Rosse herab in die Arme eines 
Getreuen, der ihn mit seinem Schild zu decken sucht. Zwischen die 
großen sind kleinere Gruppen sowie die Einzelfiguren zweier Bogen- 
schützen eingeschoben. 
Außer der Alexanderschlacht stellen noch eine Schmalseite und 
Giebelreliefs Kämpfe zwischen Griechen und Barbaren vor. Während 
aber dort die letzteren die Unterliegenden sind, sehen wir beide Male 
im Mittelpunkte der Composition einen orientalischen Fürsten zu Pferde 
eine I-Ieldenthat vollführen. Im zweiten Giebelfeld sind nur griechisch 
gekleidete Männer betheiligt. Die Tödtung eines wehrlosen alten Mannes 
bildet den Mittelpunkt der Scene, der sicherlich ein bestimmtes histo- 
risches Factum zu Grunde liegt, weshalb sie denn auch ein Angelpunkt 
bei der vielumstrittenen Frage nach dem Besitzer des Sarkophages ge- 
worden ist. In die Sphäre des Waidwerkes führen die Darstellungen auf 
der zweiten Langseire und der zweiten Schmalseite. Die letztere, wo ein 
orientalischer Großer einem Panther gegenübertritt, bleibt im Geleise der 
Typik, die erstere dagegen stellt sich in einen beziehungsreichen Con- 
trast zur Alexanderschlacht. Perser und Griechen, dort Todfeinde, ver- 
einigen sich hier zu gemeinsamer That. Diese Löwenjagd, bei der 
Alexander und I-Iephaestion einem orientalischen Fürsten zu Hilfe eilen, 
in der dieser sich also förmlich rühmt, dass er der Freundschaft des 
großen Makedoniers gewürdigt wurde, muthet uns an wie eine Glori- 
fication der Idee des Welteroberers, die Culturen des Ostens und 
Westens zu einer Einheit zu verschmelzen. 
Mehr als bei den anderen drängt sich beim Alexander-Sarkophag 
die Frage auf, wer der Todte war, für den ihn der Künstler verfertigt 
hatte. Diejenigen, welche überzeugt sind , dass er ursprünglich für einen 
andern Insassen bestimmt war als den, welchen er in der sidonischen 
Grabkammer beherbergte, haben die Möglichkeit, an Alexander den 
Großen zu denken - wie Hamdy Bey in der verzeihlichen Schwäche, 
die Bedeutung des Fundes noch mehr zu steigern - oder an einen Heer- 
führer des großen' Makedoniers. Alle derartige Zuweisungen scheitern 
jedoch daran, dass in vier von den sechs Reliefs ein Barbar als Prota- 
gonist der Composition erscheint. Reinach nimmt einen persischen Sa- 
rrapen an, der sich zuerst Alexander feindlich gegenüber gestellt, dann 
aber mit der neuen Ordnung der Dinge ausgesöhnt hatte; Studniczka 
glaubt, dass der Sarkophag für Abdallonymus verfertigt worden sei, den 
Alexander zum König von Sidon erhoben hatte. Aber alle Conjecturen, 
die auf bestimmte Namen ausgehen, finden eine Warnungslafel bei einer 
Erwägung. Für die chronologische Ansetzung des Sarkophages, der nach 
einer Beobachtung Reinach's erst um 223 in die Grabkammer eingesetzt 
wurde, bleibt uns ein Spielraum von wenigstens So Jahren nach dem 
Tode des großen Makedoniers. Während dieser Zeit konnten sich die
	        

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