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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 9)

Aal 
hat. Ein solches in seiner Gesammtheit bisher unberührtes Gebiet ist es, das durch die 
vorliegende Publication in interessante Beleuchtung gerückt wird. Die prächtigen To dten- 
schilder, die in manchen Gegenden Deutschlands in großer Zahl die Wande alter 
Kirchen zieren, finden wir hier zum ersten Mal in ansehnlicher Menge vereinigt. Aber 
auch hier bilden sie kein inlSiCh abgeschlossenes Ganzes, sondern erscheinen in Gesell- 
schaft von Voiivsteinen und Grabplatten. Auch von einer wissenschaftlichen Bearbeitung 
oder systematischen Zusammenstellung wurde abgesehen, und so können wir diese 
Publication eigentlich nur als einen ersten Vorstoß, als eine Aufforderung an die Kunst- 
gelehrten betrachten, ein noch ziemlich brachliegendes Feld künstlerischen Schaffens 
einer umfassenden Durchforschung zu unterziehen. Wenn es bisher nicht geschehen, 
und dieser interessante Gegenstand nur gelegentlich in Zeitschriften, Sammelwerken und 
Kunsttopographien berührt wurde, namentlich dann, wenn der Ruhm des betreffenden 
Geschlechtes oder die auffallende Schönheit dieses oder jenes Schildes besondere Auf- 
merksamkeit erweckten, so mag hiezu namentlich der Umstand beigetragen haben, dass 
den kunsthistorischen Kenntnissen in diesem Falle auch ungewühnliches genealogisches, 
heraldisches und culturhistorisches Wissen zur Seite stehen muss, um der schwierigen 
Aufgabe gerecht zu werden. 
Ein derart glückliches Zusammentreffen lasst sich aber so leicht nicht herbei- 
führen, wie es der Verleger im Interesse eines raschen Erscheinens des Werkes yer- 
muthlich gewünscht hat. Er hat daher den bequemeren Weg eingeschlagen und den 
textlichen Theil auf ein solches Minimum beschrankt, dass von einem Text kaum mehr 
die Rede sein kann. Das Vorwort von H. Bosch beschrankt sich auf wenige Zeilen 
und ist ganz allgemein gehalten. Das lnhsltsverzeichniss mit Darstellungshezeichnung und 
Ortsangabe, wenngleich mit großer Genauigkeit abgefasst, kann eine systematische Be- 
schreibung nicht ersetzen, denn es enthält nicht viel mehr als jene Bezeichnungen, die 
eigentlich unter den Tafeln stehen sollten. Ebenso werden Alle, die das Werk nicht als 
bloßes nVorbildermaterialc zur Hand nehmen, ein Orts- und Namenregister schmerzlich 
vermissen. 
Was nun den Inhalt der Tafeln betrifft, so ist die Sammlung der Todtenschilder 
hauptsächlich den Kirchen von Nürnberg, Ulm und München, dem städtischen Museum 
zu Nordlingen, dem germanischen Museum und dem Bayerischen Nationalmuseum ent- 
nommen. Viele mit Sternchen bezeichnete Schilder scheinen bereits dem Antiquitäten- 
handel verfallen zu sein. Die meisten stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert und 
sind Arbeiten voll kerniger Kraft und jener erfreulichen Sicherheit der Composition, die 
das Kunstgewerbe jener Zeit in so hervorragender Weise auszeichnet. Spätere Arbeiten 
sind selten. 
Größere Serien von Grabsteinen stammen vom Wiener Stephansdome, aus Augs- 
burg, Eichstadt, Frankfurt a. M. und Ingolstadt. Einzelne interessante Denkmäler sind 
aus zahlreichen kleineren Stüdten und Ortschaften Deutschlands und Oesterreichs zu- 
sammengetragen. 
Eine gewisse Umsicht und Rührigkeit im Aufsuchen geeigneter Objecte ist bei der 
Anlage der Sammlung nicht zu verkennen; dass aber der Werth derartiger Publicationen 
in gleichem Maße sinkt, als das Bedürfniss nach nVorbildernu abnimmt, und eine 
solchej Werthverminderung bei entsprechender Berücksichtigung wissenschaftlicher Ge- 
sichtspunkte nicht eintreten würde, dürfte kaum anzuzweifeln sein. Fs. 
Bibliographie des Kunstgewerbes. 
(Vom I5. Juli his 15. August 1897.) 
l. Technik u. Allgemeines. Aeslhetik. 
Kunstgewerblicher" Unterricht. 
L'Arl uppIiquÖ. Organe de l'Union des uns 
dtcoratifs et indusu-iels de Belgique. Men- 
sucl. [W annäe. Bruxelles, Lyon-Claesen. 
4'. lllunr. Pur an fr. I5. 
Ausbildung, Die, der Hundwerker zur He- 
bung ihres Standes. (Wieck's Gew.-Ztg., 
30; n. C. Huusser.) 
A. V. R. L'art ä ln Chamhre des reprä- 
senlanls. (Fädäruzion arxistique, 36.) 
Benoil, F. L'Arl frlngznis sous ll Rävo- 
lution et FEmPira. Leu Dnclrines; les 
ldäes; les Genres. ln-4". XII, 460 p. 
uvec 76 Hg. Paris, Mny. 
Chauvinismus und Patriotismus. 
für Kunstgewerbe, XXVI, 5.) 
Düri ng. Welche Stilarx wählen wir? 
(Möbel- u. Deeorntions-Schalz, S.) 
Femmes, Les, 1 Vßcole des Beaux-Arts. 
(L'Art pour Tous, 884-885.) 
Grasberger, H. Kunslleben um Hofe zu 
Graz. (Wr. Z1g., x86.) 
(Blätter
	        

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