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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 1)

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Die Sehabkunst-Ausstellung im Oesterr. Museum "). 
Von Eduard Chmelarz. 
Unter den Special-Ausstellungen, welche seit einer Reihe von Jahren 
von der Direction des Museums veranstaltet werden, dürfte die gegen- 
wärtige, den Erzeugnissen der Schabkunst von ihrer Erfindung bis in die 
neueste Zeit gewidmete, wohl eine der bedeutsamsten zu nennen sein. 
Man kann hierauf schon aus dem großen Interesse schließen, welches 
die ausgestellten Kunstblätter bei den zahlreichen Besuchern aus allen 
Kreisen der Bevölkerung seit Wochen finden. Der von dem Arrangeur der 
Ausstellung, Bibliothekar-Scriptor Franz Ritter, nach Inhalt und äußerer 
Ausstattung musterhaft hergestellte Katalog trägt zum Verständniss der 
Ausstellung wesentlich bei und wird als wissenschaftliche Erinnerungsgabe 
an dieselbe dauernden Werth behalten. Im Anschlusse an diesen Katalog 
und auf dessen interessanteste Nummern hinweisend, soll nunmehr im 
Folgenden auch eine zusammenfassende historische Uebersicht über die 
Gesammtentwicklung der Schabkunst geboten werden. 
Von all' den Namen, welche diese Technik in den verschiedenen 
Sprachen gefunden hat: Schwarzkunst, Sammetkunst, maniere noire, 
gravure d'6pargne, Mezzotinto, incisione a fumo oder a foggia nera, von 
allen diesen ist einzig und allein der Name Schabkunsl der richtige 
und zutrelfende; denn nicht in der Schwärze liegt das Charakteristische 
dieser Technik, da ja sämmtliche graphischen Künste fast ausschließlich 
in Schwarz drucken, sondern in der ganz eigenartigen Weise ihres Ver- 
fahrens, das von jenem aller anderen Reproductionen grundverschieden 
ist. Alle diese steuern nämlich in ihrer Arbeit vom Lichte zum Schatten, 
das heißt in eine Kupferplatte werden die Schattirungen der Modellirung 
mehr oder weniger tief eingravirt oder eingeätzt, oder in eine Holzplatte 
erhaben geschnitten. Bei der Schabkunst geschieht gerade das Umgekehrte, 
vom Schatten zum Lichte, und der Vorgang erscheint in der That nicht 
einmal sehr complicirt: Die Kupferplatte wird mit Hilfe des Granirstahls 
oder des Wiegmessers, welches etwa die Gestalt eines nach einem be- 
stimmten Kreisabschnitt gewölbten und dabei gezahnten Stemmeisens 
hat, nach Länge, Breite und Diagonalen ganz gleichmäßig aufgerauht, 
so dass sie, mit Druckerschwärze eingerieben, einen durchaus schwarzen 
Abdruck, wie Sammet, liefert. Die Aufrauhung mit dem Granirstahl ist 
eine mühselige, bei größeren Platten wochenlang dauernde Arbeit, und 
der Künstler muss sich durch einen Abdruck von der Gleichmäßigkeit 
der Schwärze überzeugen, weil eine spätere Correctur der Granirung 
wohl nicht unmöglich, aber sehr schwer ist. Sodann kann er an die 
eigentliche Schabarbeit seines Bildes gehen, indem er sich in die auf- 
gerauhte Platte ganz zart die Contouren seiner Zeichnung einritzt und 
') Vortrag, gehalten im k. k. Oesterr. Museum am 8. November 1894.
	        

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