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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 1)

dann innerhalb derselben zuerst jene Stellen der dunkel, also die Schatten 
druckenden Aufrauhung mit dem Schabeisen herausnimmt, oder mit dem 
Polirstahl niederdrückt, welche im Bilde ganz licht oder mehr weniger 
schattirt erscheinen sollen. Wo die Granirung ganz weggeschabt ist, dort 
haftet gar keine Druckerschwärze, also werden jene Stellen im Abdrucke 
weiß bleiben; wo die Granirung wenig oder mehr weggenommen, da 
kommen beim Abdrucke die Uebergänge der Schatten, bis zur tiefen 
Schwärze dort, wo die ursprüngliche Granirung intact geblieben ist. 
lm Grunde genommen scheint diese Art gar keine schwere künst- 
lerische Production. Mit Beziehung auf ein bekanntes Gedicht des Michel- 
angelo betrelfs der Plastik könnte man fast scherzhaft sagen, das Bild 
stecke ja unter der schwarzen Decke der Granirung, und man brauche 
nur die verhüllenden Schwarzen und Schatten wegzuschaben, so sei das 
Kunstwerk fertig. Das ist unstreitig richtig, und die scheinbare Leichtig- 
keit und gegen einen Kupferstich vielleicht um das Sechsfache schnellere 
Herstellung eines Schabkunstblattes mag unbefähigte Künstler und Lieb- 
haber bestimmt haben, sich in dieser Technik zu versuchen, und viele 
Tausende von so schlecht hergestellten Arbeiten haben dazu beigetragen, 
die ganze Schabkunst zu misscreditiren. Hiezu kommt aber noch ein Um- 
stand, welcher die Seltenheit wahrhaft schöner Schabblätter zum Theile 
erklärt, nämlich die schnelle Abnützung der Platten. Wenn eine solche 
etwa 150- bis zoomal abgedruckt wurde, so ist die sammetartige Gra- 
nirung unter der Gewalt der Presse schon ein wenig niedergedrückt, die 
zarten Uebergänge vom Licht zum Schatten sind dann ziemlich gleiche 
mäßig lichtgrau und die tiefen Schatten einfach schwarze Flecken ge- 
worden. Oft wurden so abgenützte Platten mit zarteren Wiegmessern 
oder gezahnten Rädchen wieder aufgerauht, oder durch Eingraviren oder 
Aetzen der Contouren wurde eine größere Klarheit des Bildes wieder 
angestrebt, aber die ursprüngliche Weichheit des Gesammteindruckes und 
unübertreßliche Zartheit der Uebergänge eines Abdruckes von noch 
guter Platte ist nie wieder zu erreichen. 
Bezüglich des Erkennens eines Schabkunstblattes gegenüber jenem 
einer anderen Technik in Kupfer sei bemerkt, dass man besonders in 
den lichteren Schatten, wo einige Granirung noch ausgespart wurde, im 
Abdrucke ganz zarte, kleine Vierecke und Kreuzchen wahrnimmt, im 
Unterschiede von den Linien des Stiches und der Radirung, den Bläschen 
der Aquatinta und den einfachen Punkten oder Ringlein der Arbeiten 
mit der Punze. 
Gerade einige Blätter der letzteren uralten Punzentechnik, welche 
ihre Modellirung durch unzählige, mit der Punze in die Kupferplatte ein- 
geschlagene Pünktchen erzielt, hat man einige Zeitlang für Schabblätter 
gehalten, so dass z. B. der in Nürnberg lebende niederländische Gold- 
schmied Franz Aspruck wegen seiner Folge: Christus und die Apostel 
vom Jahre 1601, als der Erfinder der Schabkunst hingestellt wurde.
	        

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