MAK
JAHRESBERICHT 1906. 
In das abgelaufene Jahr fällt der Schluß (18. jänner) einer vom Museum 
inszenierten größeren Ausstellung, deren Bedeutung sich nur allmählich entfaltet 
und erkennen läßt. 
Wir meinen die I-Iausindustrieausstellung. Die zweite Abteilung dieser Aus- 
stellung gibt im Zusammenhalt mit der fünf Monate vorher abgehaltenen ersten 
Abteilung ein umfangreiches, ziemlich vollständiges Bild jener kunstgewerblichen 
Hausindustrien Cisleithaniens, die ehemals geübt wurden, sowie jener, die sich bis 
heute erhalten haben oder aber in den letzten Jahrzehnten eingeführt wurden. 
Ein eingehender Katalog, um dessen Zustandekommen sich der Direktor des 
Museums für österreichische Volkskunde Dr. Haberlandt sehr verdient gemacht 
hat und eine bedeutende Zahl von photographischen Aufnahmen sowie ein in 
„Kunst und Kunsthandwer " abgedruckter illustrierter eingehender Bericht halten 
einen großen Teil des in der Ausstellung gebotenen Materials fest und werden dem 
künftigen Studium die willkommene Grundlage geben. im Hinblick auf diesen 
Umstand wurde dieser Katalog, der eine Anzahl von Monographien über die 
heimische Hausindustrie enthält, an solche Schulleitungen und andere Institutionen 
unentgeltlich abgegeben, die an der Förderung dieses Zweiges der Volkswirtschaft 
mitzuwirken berufen und in der Lage sind. 
Nachstehend seien einige praktische Ziele angedeutet, deren Erreichung die 
Ausstellung und die sich an dieselbe schließenden Maßnahmen sichern kann. 
Vor allem sei der Fülle von Formen und Farbenwirkungen Erwähnung ge- 
tan, die dem Künstler und dem Kunsthandwerker in dieser Ausstellung die mannig- 
fachste Anregung gaben. Es mag mit Befriedigung konstatiert werden, daß sich 
beide schaffenden Gruppen die gebotene Gelegenheit sehr zu Nutzen machten und 
die Erlaubnis zu skizzieren und Aufnahmen zu machen in zahlreichen Fällen er- 
teilt wurde. 
Von ganz besonderem Werte in Bezug auf die Ausnutzung der Ausstellung 
erwies sich die seitens des Unterrichtsministeriums veranlaßte Einberufung einer 
großen Zahl von Fach- und Gewerbeschui-Direktoren und Professoren zum 
Zwecke des Besuches der Hausindustrieausstellung und zeigen sich heute bereits 
die Früchte dieser Anregungen, welche die Fachleute auf dem gedachten Wege 
empfingen. 
In der ersten Abteilung der Ausstellung war es die Häkelspitze, die durch 
die Exposition im Museum einen großen Aufschwung zu verzeichnen hatte. Die- 
selbe wurde vor etwa fünf Jahren in Österreich eingeführt und bot die Haus- 
industrieausstellung die erste Gelegenheit zur Vorführung eines vollständigen 
Bildes dieser Produktion. Infolge dieser Ausstellung wies das Vorjahr einen Ab- 
satz für rund 7o.ooo Kronen in dieser Spitzengattung auf und steht zu gewärtigen, 
daß bei einer der Nachfrage entsprechenderen Organisation der Produktion dieser 
Spitze ein noch weit höherer Umsatz zu erzielen sein wird. Tatsächlich wurden 
durch diese Abteilung der Hausindustrieausstellung namhafte Abschlüsse mit
	        

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