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Mit Bezug auf die Blumenfabrikation der Schluckenauer Gegend sei bemerkt, 
daß nach den vorliegenden, ziemlich eingehenden Berichten die große Kollektion 
von französischen Blumen, welche auf Kosten des Hausindustriefonds im Frühjahr 
beschafft und den dortigen Blumenmachern zur Verfügung gestellt wurden, bereits 
ihre Wirkung getan und den Anstoß zu Verbesserungen in der Erzeugung der 
Kunstblumen gegeben haben. Aus dem zur Verfügung stehenden Material geht 
hervor, daß die Gründung von Rohmaterialiengenossenschaften und die Etablierung 
von Wanderkursen sicher eine Hebung der dorügen Blumenmacherei im Gefolge 
haben würde. 
Für die Grödener Heiligenschnitzerei sind heute durch die k. k. Fachschule 
zu St. Ulrich alle Maßnahmen getroffen, die seitens der Regierung für die Ent- 
wicklung dieses Zweiges der Produktion ins Auge gefallt werden können. Um in 
der Ausstellung die Grödener Heiligenschnitzerei in guter Weise repräsentiert zu 
sehen, wurde einer der besten Grödener Schnitzer zur Herstellung einer Kopie 
des gotischen Marienaltars zu Maria Laach veranlaßt und wurde diese Arbeit über 
Befürwortung der Schule mit einem Zuschuß von 700 Kronen aus dem Haus- 
industriefonds unterstützt. Eine größere Zahl von exponierten Heiligenschnitzereien 
gab weiteres Zeugnis für das Talent der dortigen Kunstgewerbetreibenden und 
deren richtige Unterweisung. 
Die Zeichen- und Modellierschule zu St. Ulrich ist auf völlig moderner Basis 
eingerichtet, ja sogar das bis zum Vorjahr strikte aufrecht erhaltene Verbot des Akt- 
zeichnens und Modellierens wurde vom Fürstbischof von Brixen gelegentlich seines 
letzten Besuchs in St. Ulrich zurückgezogen und der männliche Akt bewilligt. Es 
bedeutet dies einen wesentlichen Fortschritt für die Heiligenschnitzerei und zeigte 
sich derselbe in derHausindustrieausstellung namentlich in derexponierten Christus- 
Schnitzerei. 
EinegewisseStagnatiomzeitweisesogareinenRückschritt,zeigtdieSpielwaren- 
industrie des hinteren Grödenertales, die ihren Sitz in St. Christina und Wolken- 
stein hat. Die seitens der Regierung dort unternommenen Schritte behufs Wieder- 
belebung dieser Hausindustrie waren von keinem Erfolg begleitet. Mangel an 
Arbeitslust und Indolenz der Bevölkerung -- zum Teil auch gewisse Änderungen 
auf dem Gebiet der Spielwarenindustrie - haben auch die seitens der Regierung 
vor Jahren intentionierte Gründung einer Genossenschaft in Christina verhindert. 
Und doch sollte man meinen, daß auch hier der rapid zunehmende Fremden- 
verkehr einen Aufschwung zum mindesten in der sogenannten Fremden-Haus- 
industrie mit sich brächte; statt dessen sehen wir in dieser letztgenannten Gruppe 
im Grödenertal an besseren Erzeugnissen fast nur solche aus der Schweiz und aus 
Berchtesgaden zum Verkauf ausgeboten. Die Entsendung von ein paar jungen 
Grödenern auf Staatskosten nach Brixen oder Berchtesgaden, woselbst sie zwei 
bis drei Jahre hindurch als Arbeiter tätig zu sein hätten, könnte für Gröden gute 
Erfolge bringen. 
Auf dem Gebiet der Spielwarenindustrie hat eine Myrbach-Schülerin, 
Fräulein Uchatius, in der Ausstellung Neues geboten. Die Tierstudien, die sie im 
Auftrag des Museums im Schönbrunner Tiergarten, in Zirkus und Stall gemacht, 
hatten als praktisches Ergebnis die Herstellung von Tieren aus nach übereinander 
gelegten und verleimten Holzbrettchen. Bei völlig flachem Körper, wie dies die 
Brettchen bedingen, zeigen diese Tiere eine höchst charakteristische Profillinie, 
die das Tier in verschiedensten Posen wiedergibt, der Phantasie des Kindes aber 
immer noch freien Spielraum läßt. Als besonderer Vorteil wird auch die raum- 
ersparende Packweise, die diese Formen gestatten, hervorgehoben. Leider konnten 
die Vorteile der Herstellung bei hausindustriellem Betrieb nicht ausgenützt 
werden, sondern versprachen nur viel beim Großbetrieb. Die Versuche auf diesem
	        

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