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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 229)

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Rücken decken konnten. Wir sehen in der Ausstellung eine ganze Reihe 
von Spiralen rnit auslaufenden Drahtenden, welche beliebig und nach 
Bedarf in die gewünschte Richtung umgebogen werden konnten. Wir 
müssen uns also vorstellen, dass die Krieger iener Zeit sowohl an Brust, 
wie an Rücken, Armen und Beinen mit Drahtspiralen umgeben waren, 
welche allerdings vor diesen außerordentlich leichten Angriffswaflen schützen 
konnten. Die Vollendung des kriegerischen Costümes war ein Gürtel, 
von denen mehrere in Hallstadt gefunden worden sind und die wir des- 
halb so bewundern, weil das Blech so außerordentlich dünn gehämmert, 
so kunstvoll getrieben ist. Ein solcher Krieger in seinem goldig schim- 
mernden Schmuck muss außerordentlich schön und kriegerisch ausgesehen 
haben, doch ihre physische Kraft war kaum sehr bedeutend, denn alle 
Walten sind so klein und leicht, die Handgriffe so schmal, die Bleche 
und Spiralen, welche den Hieb aufhalten sollen, sind so dünn, dass sie 
uns neben den späteren Eisenwalfen des Mittelalters wie Kinderspielzeug 
vorkommen. Wir denken unwillkürlich an ein Geschlecht von Zwergen 
oder Schwächlingen, wenn wir ihre Waffen ansehen. 
An Geräthen zeigt die Bronze-Ausstellung Alles, dessen der Haus- 
rath der Kelten bedurfte. Es gibt da neben den Haken bronzene Meißel, 
bronzene Kessel, ferner den Pferdezaum und die Bronzescheiben, welche 
zum Schmuck des Pferdes, wohl auch zum Schutze im Kriege sowohl 
an dem Hauptgestelle wie an dem Riemenzeuge des Pferdes angebracht 
waren. In der Ausstellung nicht vorhanden, doch unter den Werkzeugen 
der Kelten zu nennen sind noch Sägen und derlei kleinere Instrumente. 
Schließlich seien erwähnt die Geräthe der Opferung und des Cultus 
überhaupt, die in verschiedenen Obiecten in unseren Ländern gefunden 
worden sind. So in Bosnien ein Räucherwagen, der zwei Schwäne vor- 
stellt, eine Vogelabbildung, der wir sehr häufig innerhalb der Ornamentik 
dieses Volkes begegnen, und es" ist merkwürdig, dass eben die Wagen, 
theilweise mit iiguralen Darstellungen, in den Cultusgebräuchen jener 
Völker eine so große Rolle gespielt haben. 
Unter den Schmuckgegenständen, zu denen wir nun übergehen, 
sind wesentlich die Fibel, die Nadel, das Armband und der Ohrring zu 
nennen; ausnahmsweise kommt wohl auch die Krone und das Diadem 
vor, von dem wir in der Ausstellung ein schönes Exemplar sehen. Die 
Fibel, welche als Kleiderhafte ganz allgemein verwendet wurde, kommt 
in den verschiedensten Größen und anscheinend verschiedensten Formen 
vor. Solche Fibeln haben auch - da man das gerne thut - zum Kate- 
gorisiren Anlass gegeben, und dazu geführt, nach der Form der Fibel 
Alter und Nationalität des ganzen Grabes zu charakterisiren. Wenn wir 
aber, wie früher erwähnt, in die Arbeitsweise näher eingehen, so werden 
wir sehen, wie eine Form sehr einfach in eine andere übergeht, und wie 
spielend gewisse Variationen erzeugt wurden. Im Grundprincipe sind - 
wie ich meine - die Formen der Fibel nicht so sehr verschieden, wenn
	        

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