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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 2)

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Lichte vor Allem auffällt, so ist William Pether der unermüdliche und 
schwer zu übertrelTende Schaber von Lichtwirkungen der entgegen- 
gesetzten Art, wie man aus seinen ausgestellten sechs Blättern nach 
Rembrandt und fünf ebenso vom Licht blos durchdämmerten Interieurs 
nach Wright entnehmen kann. Und wie sich hier die Richtungen scheiden, 
_so kann man nach anderer Seite noch eine Wahrnehmung machen. 
Einige Schabkünstler lieben unendlich feine Granirung der Platte und 
ihrer Gesammtarbeit, wie etwa Dean, dessen ausgezeichnete Blätter 
(Nr. 397 und 398) bei flüchtiger Betrachtung wie schwache Drucke aus- 
sehen, während andere breit und kräftig in's Zeug gehen, wie etwa Rob. 
W illiams und Finlayson, dessen Blätter fast auf Distanz zu besichtigen 
sind. Wenn ein Schabkünstler beide Manieren beherrscht, dann ist er 
unstreitbar der erlesenste, um dem Farbenauftrage der verschiedensten 
Maler gerecht zu werden. Nur muss er die richtigen Originale vor sich 
haben, und wenn z. B. Valentine Green's Lady Nuneham (Nr. 344.) 
durch die Arbeit des Blumenmusters auf ihrem Kleide eines der besten 
Stücke der Ausstellung zu nennen ist, so muss man dagegen seine Dorf- 
schule nach Jan Steen (Nr. 34.6) als einen entschiedenen Fehlgriff be- 
zeichnen, weil hier wegen der vielen unbedeutenden Figuren und gleich- 
mäßigen Beleuchtung die ganze Schabarbeit in die Wirkung einer mittel- 
mäßigen Lithographie verloren geht. Zum Glück hat Green diesen Fehl- 
griff durch eine ganze Reihe wahrer Perlen seiner Kunst vollauf wett- 
gemacht. Zu denselben gehören vor allen die Ladies Waldgrave nach 
Reynolds, voll Leben und fesselnder Schönheit (Nr. 356), und die Herzogin 
Anna von Cumberland, das Non plus ultra an Vornehmheit, nach Gains- 
borough (Nr. 363). Durch Kraft und Färbung zeichnet sich dagegen 
A. Winter's Tale (Nr. 360) nach Opie, durch energische Granirung des 
Hintergrundes sein Bildniss der Malerin Cosway aus (Nr. 361). 
Bereits früher wurde der Zwiespalt der Meinungen angedeutet, 0b 
Mac Ardell oder Richard Earlom (1- i822) der größere Schabkünstler 
sei, eine Frage, welche sich nur individuell beantworten lässt. Die Mehr- 
zahl der Beschauer wird gegenüber dem ernsten Mac Ardell sofort durch 
den vielseitigeren Earlom eingenommen werden, und die Landschaft mit 
der Mühle nach Hobbema (Nr. 365), die vier Marktbilder (Nr. 376-379) 
und nun gar seine zwei Blumen- und Fruchtstücke (Nr. 383, 384) sind 
wirklich unvergessliche Bilder voll künstlerischer Empfindung. Seine fast 
rafiinirte Technik mit Zuhilfenahme von Aetzung und Stichel haben viele 
Andere schon vor ihm versucht, nie aber so spielend und geistreich ohne 
Verletzung des richtigen Maßes zu Stande gebracht. Wie er die Schwierig- 
keiten des Lichtes zu bewältigen wusste, zeigt das lnnere des Pantheons 
in London (Nr. 373) und in noch stärkeren Tönen die königl. Kunst- 
akademie in London vom Jahre 1772, wobei alle 34 sichtbaren Personen 
porträtgetreu gemacht sind (Nr. 371). Die technische Behandlung einer 
Platte hängt eben von der Mache des Originals ab, und die breite, manch-
	        

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