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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 8)

mattem Gold einen guten Contrast bildet. Leitner war es auch, der das 
Platina in gleicher Weise wie das Gold als Verzierung des Porcellans zur 
Verwendung brachte, und ebenso erfand er ein Schwarz, welches dem 
älteren Wiener Porcellan eigenthümlich war. Das Wiener-Braun nachzu- 
ahmen ist noch heute anderen Fabriken nicht gelungen. 
Das alles sind Vorzüge, die unter den Porcellanliebhabern gekannt 
und geschätzt sind, und insbesondere verleiht das erhabene Gold dem Wiener 
Porcellan auf dem antiquarischen Markt denselben Werth wie Alt-Sevres. 
Der Kunstverständige aber wird mehr noch seine Befriedigung in der ausser- 
ordentlichen Vollendung der Malerei, in der Feinheit und Schönheit der 
Ornamentation finden, die in der erwähnten Zeit von Sorgenthal und 
Niedermayr die kaiserliche Fabrik unter ihren Rivalen wohl auf die erste 
Stufe gestellt haben. , 
Der Styl, der damals in der Decoration, wie überhaupt in der Kunst 
herrschte, war die Antike der französischen Republik und des Kaiserreichesi 
deren eigentliche ornamentale Seite vorzugsweise durch die Ausgrabungen 
in Pompeji angeregt war. Man weiss, mit welcher äussersten Kälte, Nüch- 
ternheit und Steifheit dieser Styl damals, zumal in Frankreich unter dem 
Empire geübt wurde, so dass seine Wiederaufnahme durchaus als eine var- 
unglückte betrachtet werden muss, und das um so mehr, als seine Farben- 
gcbung auf dem Grunde der Schmutzfarben ruht, wie sie zu jener Zeit 
beliebt waren. Gilt dies von den Möbeln jener Zeit, von den gewebten 
Stoffen, von den Goldschmiede-Arbeiten, so auch von dem kaiserlichen 
Sevres-Porcellan. Um so auffallender, um so ruhmvoller und anerkennens- 
werther ist es, wenn das gleichzeitige Wiener Porcellan nicht blos von 
jenen Mängeln des Zeitstyls frei ist, sondern wahrhaft decorative Reize 
aufzuweisen hat, obwohl die künstlerische Weise durchaus keine andere 
ist. Es sind die Resultate einer guten traditionellen Schule, die in Wien 
ungestört blieb, während sie in Idrankreich durch die politischen und so- 
cialen Ereignisse eine plötzliche Erschütterung erlitten hatte. 
Von diesem decorativen Standpuncte aus bestätigten die Dietrich- 
stein'schen Porcellane, welche der Sorgenthal-Niedermayr'schen 
Periode angehören, das Lob, das wir dem Wiener Fabricate dieser Zeit 
ertheilt haben, in jeder Beziehung. Antike Motive der verschiedensten 
Art sind mit grossem Geschmack zurVerwendung gebracht, höchst reizend 
componirt und mit wahrhaft mustergiltigsr Vollendung, die gar nichts 
mehr zu wünschen übrig lässt, ausgeführt. Nach solcher Reinheit, Ge- 
nauigkeit und Liebe in der Ausführung der zierlichen, 0B minutiösen Orv 
namente möchte man die ganze heutige Porcellan-Fabricatzion, Minton, 
Copeland und Sevres nicht ausgenommen, Vergehens durchsuchen. Auch 
die Farbengebnng ist auf dem weissen reinen Spiegel des Porcellans, durch 
dessen Glanz sich Wienbesonders auszeichnet, reich und kräftig und ganz 
frei von der gleichzeitigen Vorliebe Eir die gebrochenen Schmutzfarben. 
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