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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 8)

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wir sehen vielmehr dieses Gesetz auch in einer nicht zu rechtfertigenden 
Weise überschritten. 
An sich, müssen wir gestehen, sind wir gerade nicht voreingenommen 
für figürliche Gemälde auf Porcellantellern oder sonstigem Porcellangeschirr 
und um so weniger, je erhabener und idealer der Gegenstand ist. Aber 
für solche Geräthe, welche nicht zum Gebrauch dienen, sondern als reine 
Schaustücke Kasten und Credenzen zieren sollen, lassen wir sie uns ge- 
fallen; sie sind ein Schmuck des Raumes und ein Sporn für den Künstler, 
in diesem von der Kunst fast gering geschätzten Geme das Höchste zu 
leisten, was möglich ist. Immer muss aber das Bild sich den Formen des 
Gefasses oder Geräthes anschliessen. 
Von solchen Praehtstücken der Porcellamnalerei bot die Die trich- 
stein'sche Collection ganz vorzügliche Beispiele. Eine Anzahl Bilder der 
Belvedere- und Liechtenstein-Gallerie waren auf denselben, so weit es das 
Material zulässt, meisterhaft copirt, Werke der italienischen Kunst, Werke 
von Rubens u. a. Daneben fanden sich auch ligürliche Gemälde im Styl 
jener Zeit, z. B. von Füger oder aus der Schule David's und dem Ge- 
schmack der Republik und des Einpirc angehörig. 
Ferner sahen wir Landschaßen, Thierstücke, Genrebilder, Allegorien, 
mythologische Scenen, kurzum im Kleinen-die ganze Kunst, wie sie damals 
lebte. In den meisten Fallen nahmen diese Bilder als Rundgemälde gerade 
die flache Mitte der Teller ein, und das ist die angemessene Weise, nicht 
wenige von ihnen hatten ovale Gestalt, welche, in die runde Grundfläche 
hineingebracht, durchaus geschmacklos erscheint. Wir können uns diesen 
Uehelstand nur dadurch erklären, dass die Originale zu diesen Gemälden 
Höhenbilder waren und sich weder in runde, noch quadratische Form 
bringen liessen. So wurden wenigstens die Ecken abgestumpft; aber auch 
so blieb es eine Geschmacklosigkeit. 
öo reich und vorzüglich die Dietrichstein'sche Collectien in der 
Bemalung ist, so wenig mannigfaltig zeigte sich die Form der Gefässe. Eine 
Ergänzung in dieser Beziehung, namentlich in Bezug auf das kleinere Ge- 
schirr, auf Kaifee- und Theeschalen, Zuekerdosen u. s. w. gewährt uns das- 
jenige, was das österr. Museum sonst schon von älterem Wiener Porcellan 
in seiner ceramischen Abtheilung ausgestellt und grossentheils 
zu eigenem Besitze erworben hat. In Bezug auf die Form wird man aber 
auch kier keinen Reichthum entdecken. Die Formen leiden im Ganzen 
an der Steifheit, welche allem antikisirten Geräth dieser Periode eigen ist. 
Vielleicht hat auch der grosse Nachdruck, den man auf die Malerei legte, 
dazu beigetragen, indem man in der Centour der Gefasse, um möglichst 
gerade oder sich nicht verjüngende Flächen zu gewinnen, die gerade Linie 
statt der geschweiften eintiihrte. Auf Schalen und sonstigen Gefassen mit 
senkrechter Wendung liessen sich allerdings die feinen Ornamente mit
	        

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