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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 8)

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Ministerium die Errichtung einer permanenten Kunst-Industrie-Ausstellung in Venedig auf 
das wärmste unterstützt und bei diesem Anlasse die Bedeutung einer solchen Exposition 
namentlich auch in volkswirthscbaftlicher Beziehung hervorgehoben, da die Kunst und kunst- 
gewerhliehe Thiitigkeit in Venedig in einem entschiedenen Verfalle begriffen ist und nur 
die beständige Vorführung guter Musmr im Stande sein kann, eine Besserung in diesem 
Zustande anzubahnen. 
Das Stsatsministerium hat nun mit dem Erlasse vom 23. April d. J., Z. 3399, 
l. seine Zustimmung ertheilt, dass an Stelle der früheren industriellen Ausstellungen 
eine permanente Au sstellung hervorragender industrieller und knnsündushieller Ob- 
jecte, vorläufig auf die Dauer von 3 Jahren im Iatitub delle scie-nze, Zelten ed na-h" eintrete 
und weitere gestattet, dass auch selbstständige Objecte der Kunst, insofern sie von beson- 
derer Bedeutung fiir einzelne Zweige der Kunstindustrie sind, ausgestellt werden; 
2. zu diesem Behufe die Dotation für dieseAusstellnng auf jährlich l50U d. er- 
höht, und " 
3. angeordnet, dass nach Ablauf von drei Jahren die bei dem neuen Ausstellungs- 
modus gewonnenen Erfahrungen zu Rathe zu ziehen und auf Grund derselben neue An- 
träge auf eine dauernde Regelung dieses Zweiges der Thätigkeit des lstituto zu stellen 
sein werden. ' 
Aus dem gleichzeitig provisorisch genehmigten Ausstellungsprogramrne ist zu ent- 
nehmen, dass die Ausstellung im palazzo ducale stattfinden, und dass der Eintritt in die- 
selbe unentgeltlich und zwar tiiglich an Wochentagen von 9-4 Uhr, an Sonn- und 
Feiertagen von 12-4 Uhr tiir Jedermann gestattet sein werde. 
Indem wir den Lesern unseres Blattes diese erfreuliche Nachricht mittheilen, wünschen 
wir diesem Unternehmen das beste Gedeihen und sind überzeugt, dass hiermit der richtige 
Weg, dem Verdille der Kunstgewerbe im Venetianischen allmiilig zu steuern, eingeschle- 
gen worden sei. 
Eine neue Arohitekturschule in Paris. 
Die Theilung der Arbeit, selbst das Ergebniss einer fortwährend wachsenden Con- 
currenz auf allen Gebieten der künstlerischen und gewerblichen Produetion, übt, je weiter 
sie sich ausdehnt, nothwendig auf die Organisation des Unterrichtswesens einen tiefgehendcn 
Einfluss aus. Die Menschen, die ihrem Berufe nach ganz verschiedene Leistungen auszu- 
führen haben und dazu mannigfaltiger Kenntnisse und technischer Kunstgride bedürfen, 
können nicht alle aus ein und derselben Schule hervorgehen. Je mehr die Kunst, die In- 
dustrie und Technik sich entwickelt, desto mehr muss auch das Unterrichtswesen den Be- 
dürfnissen entsprechend sich vielfach gliedern, um Jedem jene Vorbildung gehen zu können, 
deren er fiir sein Fach bedarf. 
Diese Anschauungsweise hat sich, wenigstens in Frankreich, schon allenthalben in 
den massgebenden Kreisen Bahn gebrochen; man hat die Schablone längst verlassen, in 
welche der Unterricht in früheren Deceimien festgebannt gewesen war und durch die Er- 
richtung zahlreicher Fachschnlen den verschiedenen Bedürfnissen möglichst gerecht zu 
werden gesucht. - 
Neben der Joule des ponts et chmuäes, in welcher die Ingenieurkunst und Civil- 
architektur gelehrt wird, besteht in Paris seit lange die el-ole des beawv-arta et Mtiers, 
als eine Universität der technischen Wissenschaften und zu diesen sind in neuester Zeit 
zwei verwandte Anstalten hinzugekommen: die von der Union neutrale de: beaurrorts 
appliqnzä: ä l'industrie ins Werk gesetzte {wie Hir die Kunstgewerbe im weitern Sinne 
und endlich die doole zentrale d' architecture. 
Der Zweck der letztgenannten Schule, mit der wir uns hier ausschliesslich beschäftigen, 
ist, wie schon der Name es audeutet, der, Architekten auszubilden. 
Diese Schule zielt jedoch, dem Charakter gewöhnlicher Fachscbnlen entgegen, auf 
eine universelle Bildung ihrer allerdings für ein bestimmtes Fach prädestininen Zöglinge 
ab, so dass sie wirklich den Namen einer Hochschule für Architekten verdient. 
Ihre Einrichtung ist so beaehtenswsrth, dass es für unsere Laser wohl von Interesse sein 
dürfte, einiges Nähere über diese Anstalt in Erfahrung zu bringen. Der Zutritt zu 
dieser Lehranstalt ist Franzosen und Ausländern gleichmissig gestattet. Das jähr- 
liche Schulgeld betriig 8511 Francs; nnsserdem ist alljährlich von jedem Zöglinge 
ein Beitrag yon 40 Francs als Caution für die Zahlung gewisser Gegenstände, die er von 
der Anstalt selbst bezieht, zu erlegen. 
Der Zulassung in die Architekturschule geht eine Aufnshmsprüfung 
voraus, welche entweder bei der Anstalt in Paris, oder auch in den Departements ab- 
gelegt werden kann und einerseits in der Anfertigung von Zeichnungen nach Ornamenten 
in Basrelief, im Entwürfe eines Gebäudes (Grundriss, Aufriss, Durchschnitt), sowie in einer
	        

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