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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 17)

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inren in seltener Frische erhalten sind, ist aus einem lichtgefärbten Sandstein errichtet, 
dessen Fundort nicht mit Gewissheit anzugeben ist 1'). 
Im Allgemeinen ist die Tragfähigkeit der Sandsteine nur eine geringe, ihr Ab- 
sorpüonsvermögen dagegen ein bedeutendes, und manche Varietäten erhärten erst nach 
dem Verluste der Gebirgsfeuchtigkeit. Die Umgegend von Wien bietet nur wenig empfeh- 
lenswerthe Sorten von Sandstein. Das eigenthiimliche Verhältniss des Wiener Sandsteins 
zu seinem zersetzbaren Bindemittel ist bereits besprochen werden, sowie auch die mangel- 
hntIe Erfahrung in Bezug auf das Verhalten des italienischen Maaigne in unserem Klima. 
So vorzüglich auch einige Varietäten des Quader- und Steinkohlen-Sandsteins des nörd- 
lichen Böhmen für locale Zwecke sein mögen, so ist doch ihre Tragfähigkeit eine verhält- 
nissrnässig so geringe, dass sie einen weiteren Transport nicht lohnen. - 
Diese vier Gruppen der granitsrtigen, der vnlcanischen Gesteine, der Kalksteinelund 
der Sandsteine umfassen die Gesammtheit der zur Verwendung kommenden Bausteine, 
und da es selbstverständlich ist, dass ihre Dauerhaftigkeit bei der Verschiedenheit ihrer 
physikalischen und chemischen Zusammensetzung in jeder dieser Gruppen von verschie- 
denen Umständen abhängig ist, hat man bei Beurtheilung einer jeden Steinsorte sich zuerst 
zu fragen, welcher Abtheilung sie zufalle. Die angeführten Beispiels, so wenig sie auch 
geeignet sein mögen, ein vollständiges Bild unseres Reichthums an Baumaterialien zu 
geben, werden doch immerhin ausreichen, um zu zeigen, dass er ein ganz ausserordent- 
licher sei und dass es nur gliicklicherer Zeiten, eines kräüigeren Aufschwunges der Geister 
und einer gesteigerten Zuneigung zur bildenden Kunst bedarf, um die Reichtbiimer in 
höherem Masse zu ersehliessen und zu verwerthen, mit welchen Oesterreich auch in dieser 
_ Richtung von der Natur aus beschenkt ist. 
Ein Urtheil iiber die kunstindustriellen Bestrebungen in Oesterreich. 
Der bekannte Nationalökonom Faucher, Mitglied des preussischen Abgeordneten- 
hnuses, unterzieht in der von ihm und Michaelis herausgegebenen Vierteljahrssehriß 
zwei Schritten iiber Kunstindustrie (Schwabe: „Die Förderung der Kunstindnstrie in 
England" und Dr. Carl Th. Richter: „Kunst und Wissenschaft in Gewerbe und Industrie") 
einer Besprechung, und gedenkt dabei der österreichischen Bestrebungen und speciell der- 
jenigen des österreichischen Museums in einer Weise, dass wir nicht umhin können, davon 
Notiz zu nehmen. Wir fühlen uns umsemebr bewogen, seine Worte hier zu wiederholen 
und der Beherzigung der Industriellen zu empfehlen, als wir darin das Urtheil eines com- 
petenten und mit den hiesigen ebensowohl wie im Allgemeinen mit den europäischen 
Verhältnissen wohl vertrauten Fachrnannes zu erblicken haben. 
Zunächst bemerken wir mit Vergnügen, dass Faucher dieser und anderen bereits 
vorausgegangenen Arbeiten des jungen Wiener Gelehrten, Herrn Dr. Richter, grosse An- 
erkennung wiederfahren lässt. .Der geistreiche junge Wiener, sagt er, der hier den Mass- 
stab volkswirthschahlicher Analyse an die Rolle legt, welche Kunst und Wissenschah. in 
Gewerbe und Industrie spielen und dabei culturhistorische Kenntnisse von grosser Aus- 
dehnung und Mannigfaltigkeit entwickelt, ist unsern Lesern nicht} unbekannt." . . . . . . 
Ueber die vorliegende kleine Schrift heisst es: "Diese, eingeleitet durch einen glänzenden 
Abriss der Geschichte der Wissenschaft und Kunst, als zweier vom Ganzen unlösbaren 
Zweige der wirthschaftlichen Entwickelung, fasst, mit anerkennenswerthem Mnthe 
und belebender Wlirme, die neueste Zeit, im Gesammtbilde der Cultur, als Fmcht aller 
vorhergehenden Epochen, bei welcher von wirklichem Rückschritt nicht die Rede sein 
könne, auf, und folgt nun, in der staatlichen wie privaten Organisation, die aller Orten 
ernporwächst, um die Durchdringung der gewerblichen Thätigkeit mit Wissenscheä und 
Kunst zu befördern, der - mit Recht vom Verfasser so behandelten - Mittelspur des 
Culturfortschritts in der Gegenwart, welche uns rasch bisher kaum geahnten Fernen zu- 
fihren muss." 
Ueber das österreichische Museum finden wir sodann die folgende anerkennende 
Stelle: "Auch über das österreichische Museum fir Kunst und Industrie in Wien, eröffnet 
im Jahre 1864, lautet Dr. Schwabe's Bericht günstig und kann nicht günstig genug 
lauten. Verwaltung wie Einrichtung sind vortrelflich. Wir vermissen eine Erwähnung 
der zum Theil höchst gediegenen Vorträge, welche allwöchentlich im Museum selbst, das 
dabei als Illustration dient, gehalten werden." 
Höchst bedeutungsvoll aber und in mancher Beziehung auch nach unserem Urtheil 
völlig zutreffend ist, was Faucher am Schluss der Besprechung nach seinen eigenen 
Beobachtungen über die Wiener Kunstindustrie und unsere Bestrebungen zur Hebung des 
Geschmacks hinzufügt. Die ganze Stelle lautet: 
') Möglicherweise ltlmmt dieser Sandstein aus den jüngsten Tertiirlchichten von Zlersdorl, östlich 
von lsiusu.
	        

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