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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 17)

 
mit den heutigen in diesem Zweige vergleichen. Die Goldschmiede der 
Renaissance waren Künstler, die heutigen sind Handwerker, das ist der 
grosse Unterschied. Jene reichten nicht blos aus für alle Aufgaben, welche 
ihre viel und das Höchste fordernde Zeit an ihren Kunstzweig stellte, 
sie zeigten sich auch geschickt genug, gelegentlich die Aufgaben der 
hohen Kunst zu lösen. Benvenuto Cellini war erst Goldschmied und 
dann Bildhauer und Erzgiesser oder was man sonst von ihm verlangte, 
und er war nicht einmal der grösste Künstler seines Faches in jener Zeit, 
er hat nur am meisten von sich geredet und andere von sich reden 
machen. Jene Goldschmiede waren die Medailleurs ihrer Zeit, und wer 
die deutschen und italienischen Porträtmedaillen der ersten Hälfte des 
1G. Jahrhunderts, wahre Kunstwerke im Porträt wie in der Behandlung 
des Reliefs, kennt, der weiss, was das sagen will. Wenn unsere Gold- 
schmiede höhere Aufgaben ihres eigenen Faches zu lösen haben, so bleibt 
ihnen gewöhnlich nichts übrig, als sich an die Herren Architekten zu 
wenden, welche in der heutigen Kunstindustrie ungefähr das sind, was 
in der Haushaltung die „Mädchen für Alles". 
Es ist darum auch einunendlicherAbstand zwischen den Goldschmiede- 
arbeitern des 16. und denen des 19. Jahrhunderts: es ist der Abstand zwi- 
schen Kunst und Handwerk. Drei Jahrhunderte liegen dazwischen und 
sie bezeichnen fast einen fortwährenden Rückgang, in welchem sich nur 
einzelne Nebenzweige zeitweilig zu neuem Reize erheben. Die Arbeiten 
der Renaissance zeichnen sich ebenso aus durch die künstlerische Gedie- 
genheit der Composition, wie durch den Reichthum der verschiedenen 
Technik, welche in Frage kommt, wie endlich durch die Geschicklichkeit 
und Vollendung der Arbeit. In ersterer Beziehung, was die Composition 
betrifft, meinen wir ebenso den Aufbau des Ganzen, der Gefasse und 
grösseren Geräthe, das Verhältniss seiner Theile, die Schönheit der Con- 
touren als auch die Verzierung mit ornaxnentalem, plastischem wie ma- 
lerischem Schmuck. Unter Plastik verstehen wir hier nicht die Löwen- 
salzfasser und die Pferdetrinkbecher, noch die Schidspocale oder der- 
gleichen Widersinnigkeiten - diese wollen wir nicht loben, noch zur 
Nachahmung empfehlen - sondern die figürlichen Reliefs, die sich flach, 
ohne dem Contour des Ganzen zu schaden, um die Gefasse herumlegen, 
Degen und Dolchscheiden bedecken und die Griffe zu Kunstwerken 
machen, Schmuckgeräthe in Miniatursusfiihrung verzieren und die oft 
von jedem Gesichtspunkt künstlerischer Betrachtung aus sich als wahre 
Meisterwerke darstellen. 
Diesem plastischen Schmuck zur Seite steht der malerische in aller 
Art von Email, mit dem die plastischen Figuren überzogen, die ganzen 
Gefasse überdeckt oder reizende Ornamente auf durchschimmerndem 
Gold- und Silbergrund in farbig funkelndem Lustre zur Darstellung ge- 
bracht sind. Und welche Liebe der Ausführung bei den grossen Werken,
	        

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