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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 40)

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vertreten. _ Es sind viele Zweige der Kunstindustrie in Venedig, denen 
eine gut organisirte Ornamentensehule oder Kunstgewerbeschule, welche 
sieh an das Museo Correr anschliessen könnte, einen mächtigen Impuls 
geben würde. 
Frankreich behauptet seine hohe Stellung auf dem Gebiete der 
Kunstindustrie Europe's mit grosser Eifersucht insbesondere England 
gegenüber, dem einzigen Staate, von dem man sagen kann, dass er mit 
vollem Bewusstsein für die grossen Aufgaben, welche die Kunstindustrie in 
diesem Lande zu vollziehen hat, Hand an das Werk legt. Die Wirkun- 
gen der englischen Knnstindustriehewegung verspürt Europa, Frankreich 
in erster Linie und Oesterreich hat alle Ursache, die Art und Weise, 
wie die Kunstindustrie in England gefördert wird, mit sorgsamem Auge 
zu betrachten. 
In Oesterreich ist mit der Gründung der Kunstgewerbeschule des 
österreichischen Museums ein grosser Fortschritt geschehen aber man 
würde sich einem grossen Irrthume hingeben, wenn man meinen würde, 
damit sei alles geschehen. Wir betrachten die Gründung der Kunst- 
gewerbeschule nur als den ersten Schritt, der gemacht wurde und dem 
weitere unmittelbar auf dem Fusse folgen müssen, wenn die Gründung 
der Schule ihre Erfolge haben soll und wenn wir gewachsen sein sollen 
den Anstrengungen des Auslandes, die, wie wir anfangs bemerkt haben, 
mit Rücksicht auf die kunstindustriellen Bestrebungen in Oesterreich unter- 
nommen sind, um gegenüber seinen Fortschritten auf dem Gebiete der ' 
Knnstindustrie ein Gegengewicht zu schaffen. R. v. E. 
Das neue Museum für Kunst in Amiens 
(Departement de l: Sonne in nördlichen Frankreich). 
Bericht des Herrn Correspondenten Dr. Wilhelm Ritter v. Schwarz, k. k. Ministerislrsth 
und General-Consulstsdirector in Paris. 
Das neue Museum für Kunst und Industrie in Amiens wurde in 
Folge eines im Jahre 1852 in der „Socieze des Antiquaires de Pieardie" 
gefassten, und aus der Erkenntniss der Nothwendigkeit, den Sinn für Kunst 
im Norden Frankreichs zu beleben und zu fördern, hervorgegangenen Be- 
schlusses in's Leben gerufen. 
Die in Rede stehende Privatgesellschatl beniitzte zunächst den im 
Monate September 1853 erfolgten Besuch des Kaisers Napoleon in Amiens, 
um Se. Majestät zu bitten, das Unternehmen durch unentgeltliche Ueber- 
lsssung des dem Staate gehörigen Grundstückes unterstützen zu wollen, 
snf welchem einst das von Heinrich II. im Jahre 1547 erbaute Arsenal 
gestanden hatte. Der Kaiser bewilligte dieses Ansuchen , und der Platz 
wurde mittelst Gesetz vom 20. April 1854 unentgeltlich der Gesellschaft 
als ixnmerwährendes Eigenthunn übergeben.
	        

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