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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 40)

durch die Aufstellung zahlreicher archäologischer Denkmale und plasti- 
scher Werke den nicht uninteressantesten Theil einer Anstalt, welche 
aus der individuellen Initiative der Privatthätigkeit hervorgegangen und 
durch Privatmittel unterhalten, ein neues erhebenden und nachnh mungs- 
würdiges Beispiel liefert, was Liebe zur Kunst und zum Vaterlande 
für die Entwickelung und Förderung seiner Culturs-Interesseu zu leisten 
und zu schaffen vermag. 
Das Holz als Bohstoif für das Knnstgewerbe. 
Zwei Vorlrige, gehnltsl im k. k. ölterr. Museum für Kunst und Industrie In Willi. 
von Professor Dr. W. F. Bxu u. 
II. 
Der Mensch, dem ewig geltenden Sehöpfungsgesetze unterthau, musste selbst für 
seine Entwickelung und Ausbildung Sorge hegen. 
So lnnge er sich mit der blossen Deckung der uuentbehrlichsten Bedürfnisse be- 
gnügte, ist in seinem Haushalte auch noch keine Spur einen „Kunstgewerbeü zu linden. 
Alles, was er sich aus Holz nnfertigte, und es ist dies auf den niedersten Stufen 
der Cultur der griisste Theil seiner Hebe, dnukt nur dem unmittelbaren Bedürfniss seine 
Entstehung und dient diesem Bediirfniss ohne alle Nebeuuufgebe. 
Die ältesten Dinge, bei denen sicher gestellt ist, dass sie hölzern waren, sind 
Wulfen und Schild, Gefässe und Werkzeuge. Die rohe Form wurde durch Schnitzen mit 
scharfen Steinen hergestellt; die älteste Art der Formgebung des Holzes ist demnach die 
Schnitzerei. Doch wnr und blieb lsnge Zeit bei allen Volkeru die Schnitzerei blos 
rohes Handwerk, bar Alles Schönheitssiunes. 
So finden wir heute noch bei KnGern und Nagern aus Holz plump geschnitzte 
Pfeile, Slailde, Schüsseln ohne Schmuck und Zier. 
Nach und nach gesellten sich zur Hulzschnitzerei die anderen Methoden der Holz- 
bearbeitung, doch konnte wohl keine den Vorsprung, den die Schnitzerei gewonnen bette, 
einholen und so wurde diese bereits zum Kunstgewerbe, als jene noch iu ihrer Ausbildung 
weit zurück wuen. 
Einzelne Völker, wie z. B. die Aegypter, begannen schon vor mehr als zwei 
Jahrtausenden aus dem Zustande der Wildheit herunszutreten. Bei diesem Volke war das 
Iinndwerksgeräth der Holzsrbeiter überhaupt am susgehildetsten. Aus hieroglyphischen 
Darstellungen ist zu entnehmen. dass besondere die Werkzeuge der Holzschnitzerei früh 
eine ziemliche Vielgestnltigkeit erlangten. Der Spitz-, Rund- und Flschmeissel sind ägyp- 
tische Ertindungen. Sie sind so alt wie die Axt und das Beil des Bnuhnndwerkes. Die 
Sägen, u. z. Schrot-, Kerb- und Drumsägen, der Drillbohrer, das Ansetzlinenl und die 
Setzwnge kommen erst später in Gebrauch, gleichzeitig rnit dem zu feineren Schnitznrheiten 
unentbehrlichen Sehnitzmesser. Die geschnitzten Gefässe erhielten eine geiilligers Gestalt 
und ein edleres Material, z. B. Ebenholz, seitdem die Aegypter mit Asien in Handels- 
beziehungen zn treten begannen. 
Die Mcder und Perser wnren durch den Holzreichthum ihres Landes schon früh- 
zeitig sn dessen Verwendung gewöhnt. 
Welclf hohen Werth die Perser auf edle Hölzer legten, beweist der Umstand: 
dass unter den Dingen, die sich persische Fürsten als Tribut entrichten liessen, bei Dn- 
rius bereits des Ebenholz aus Aethiopien iigurirt. Sie übten die Holzschnitzerei uls Kunst- 
gewerhe vorzüglich an den Säulen ihrer Holzbsuten. 
Aus den Nachrichten über die herrlichen Werke Salomo's ist zu entnehmen, 6185 
dieser vielfsch Cedernholz verwendete. In den Häusern der vornehmen Hebräer WM 
Getiifel zum Bekleiden der Wände üblich, die durch Schnitzereien geziert wnrsn. 
In David's Stiftshiitte hatte Schnitzerei und Vsrgolduug den Hsuptsutheil an der 
sprichwörtlich gewordenen Pracht, Schnitzerei in Cederm, Akaziem, Tnnnen- nni cl - 
baumholz. _ 
Nach dem Gesagten kann die Nachricht nicht befremdon, dass die Holzarheiter {I1 
Jerusalem einen zahlreichen Stand bildeten, in dem die Bildechnitzer, welchen auch 1119 
Vorfertigung der hölzernen Geliisse ublng, einen ersten Rang eingenommen haben dürften- 
Aueh fand ein Import an Snndellsolz statt.
	        
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