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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 41)

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gewerblicher Bildung zun chst thätig, Von dem ältesten dieser Vereine in unserem 
Kammerbezirke, dem n. ö. Gewerbeverein, und von dem, was derselbe fir die Hebung 
der Technik und der Kunst im Gewerbe geleistet hat, wird im Verlaufe dieser Darstellung 
wiederholt die Rede sein. Neuere Vereine dieser Art sind der Verein der österreichischen 
Industriellen, der Verein für volkswirthschaftlicheu Fortschritt, der Verein nüewerbebund" 
in Wien, der Handels- und Gewerbeverein in Secbshaus, der industrielle liildungsverein 
in Baden und der Gewerbeverein in St. Pültcn. 
Das Wirken des Vereins für vclkswirthschaftlichen Fortschritt ist ausser der Er- 
örterung velkswirthschaftlicher Fragen durch Schrift und Wort auf die Förderung wirth- 
schaftlichen Fortschrittes im Allgemeinen gerichtet und von demselben besonders auf 
socialem Gebiete, durch Gründung mehrerer Consum- und Vorschussvereine, des Wiener 
Frauenerwerbvereines und der ersten Volksbibliothek bethütigt worden. Der Handels- 
und Gewerbeverein in Sechshaus unterhält in der Vereinssaison - October bis inclusivs 
Mai - eine permanente Industrieausstellung im Vereinslocale, woselbst auch Vorträge 
über gewerbliche Angelegenheiten stattfinden; die Gründung einer Bibliothek ist im Zuge. 
jene einer Gewerheschule im Bezirke Sechshsns beabsichtigt. Mit dem Gewerbeverein in 
St. Pölten ist zugleich ein Vorschnsscasseverein verbunden, welcher an Geschäftsleute, die 
beiden Vereinen als Mitglieder angehören, auf Wechsel Vorschüsse ertheilt. 
An die Gewerbevereine schliessen sich die Arbeiterbilduugsvereine an, von 
welchen die älteren durch Freunde des Arbeiterstaudes in's Leben gerufen worden sind 
und noch jetzt unter der Leitung von solchen stehen; dies ist bei den katholischen Ge- 
sellenvereinen in Wien, Wr. Neustadt, St. Pölten, Herzogenburg, Seitenstätten, Stein, 
Weitra und Zwettl der Fall. In neuerer Zeit sind, abgesehen von den Vereinen, die auf 
specielle Gewerbe beschränkt sind und von denen wir später sprechen werden, zwei all- 
gemeine Arbeiterbildungsvereine, nämlich jene zu Wien und Baden, aus der eigenen 
Initiative der Arbeiter hervorgegangen und es werden dieselben auch von Arbeitern ge- 
leitet. Die Kammer hat dem hiesigen Arbeiterhildungsvereine eine Bücherspende zukom- 
men lassen und wird denselben auch ferner in vorkommenden Fällen nach Thunliehkeit 
unterstützen. 
Noch muss hier ein Verein genannt werden, der, wenn auch nicht aus Personen 
zusammengesetzt, die dem Gewerbe angehören, doch berufen ist, auf die Industrie, und 
insbesondere auf das für uns so wichtige Kunstgewerbe, Einßuss zu üben, nämlich die 
Künstlergenossenschaft in Wien. Die von derselben projectirten Ausstellungen 
in ihrem neuen Hause so wie die Vorträge daselbst über die verschiedenen Kunstzweige, 
Stylrichtungen und Industrien werden für unsere Kunstiudustrie von hoher Bedeutung 
werden. In Erwägung dessen ist auch die Kammer mit einem Beitrage von 3000 d. zum 
Baue des neuen Küustlerhauses in die Reibe der Stiüer desselben getreten. 
Auf die gewerblichen Vereine zuriickkommend, bemerkt die Section, dass 
ihres Wissens ausser dem n. ö. Gewerbsverein, der vom Staate einige Male einen Betrug 
von 1000 d. erhielt, welchen derselbe auf Preise verwendete, diesen Vereinen materielle 
Unterstützungen von Seite des Staates nicht zu Theil geworden sind. Uebrigens werden 
derlei Vereine, wenn sie wirklich Erspriessliches leisten, stets zahlreiche Mitglieder haben, 
weil ja das, was sie schaden, unmittelbar ihren Mitgliedern zugute kommt und hierin ein 
genügender Antrieb zum Beitritts liegt; es wird ihnen daher auch an den Mitteln zu ent- 
sprechendem Wirken nicht fehlen. Zu wünschen ist nur, dass der Staat diesen Vereinen, 
wo es nöthig ist, Schutz und moralische Unterstützung verleihe, bei geeigneten Gelegen- 
heiten sie ermuntere nnd sie innerhalb ihres statntenmüssigen Wirkuugskreises vollkommen 
frei gewähren lasse. 
Ein drittes Mittel zur Belehrung des Gewerbe- und Arbeiterstandes - insbesondere 
über die im Gewerbe stattfindenden Neuerungen und Fortschritte - sind die Industrie- 
ausstellnngen. Die Kammer hat sich bereits wiederholt veranlasst gefunden, ihr Be- 
dauern darüber kundzugeben, dass seit dem Jahre 1845 in Wien keine allgemeine Industrie- 
ausstellung abgehalten wurde, während in kleineren Städten mit bedeutend geringerer Industrie 
seither solche Ausstellungen stattgefunden haben. Die Section glaubt, es sollte die Idee {est- 
gehalten werden, in Wien nach Ablauf je eines griisseren Zeitraumes - vielleicht von 
zehn Jahren - eine Reichsausstellung zu veranstalten, um den einheimischen Industriellen 
selbst über die Fortschritte, welche die Industrie bei uns gemacht hat, so wie über die- 
jenigen, welche zunächst zu erreichen wären, Klarheit zu verschaden, das Ausland aber 
durch die Darstellung unserer Leistungsfähigkeit mit dieser letzteren immer vollständiger 
nnd allgemeiner bekannt zu machen und für unsere Erzeugnisse einen vermehrten Absatz 
zu gewinnen. Kleinere Industrieausstellungen, wie sie als Appendix zu lsndwirthschxii-
	        

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