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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 43)

 
miihungen zuerst zugewcndet sind, erheben sich Stimmen, welche Zeugniss 
ablegen, dass der Werth der Hausindustrie dort anerkannt wird. Gebirgs- 
länder haben vor Allem Ursache, diese Angelegenheit nicht unbeachtet 
an sich vorübergehen zu lassen. Sie müssen ihr volle Aufmerksamkeit 
schenken, wenn sie der Gefahr entgehen wollen, dass in die getreide- 
armen Thäler Verarmung einziehe und ihrc Bewohner zur Auswanderung 
gezwungen werden. Tyrol hat an der benachbarten Schweiz ein Bei- 
spiel, was ein Gebirgsland, das nicht genug Lebensmittel erzeugt, um 
davon leben zu können, und das fern von den grossen Verkehrslinien 
der Welt liegt, aus eigener Kraft zu leisten im Stande ist. Auch nach 
Deutschbühmen sollte Tyrol blicken, auf die Heissigeu Bewohner des 
Isergehirges, auf die Bewohner von Steinschönau und Haida mit der 
llausindustrie für Glasraflinerie, die sich einen Weltmarkt geschaffen hat. 
Die Tyroler Handelskammern mögen einen Blick auf die schönen und er- 
folgreichen Bemühungen der Prager Handelskammer werfen, zu Graslilz 
und im benachbarten Erzgebirge durch Lehrwerkstätten die Hausindustrie 
der Spitzenklöppelei zu heben. Tyrol wird jene Männer segnen, die es 
dahin bringen, den industriellen Geist in seinen Thülern zu beleben und 
der Hausindustrie hilfreich unter die Arme zu greifen. 
Als ein Symptom eines besseren Geistes, einer erwachenden Ein- 
sicht in die Bedürfnisse des Landes betrachten wir einen Bericht über 
die Zustände des Oberinnthales, der in dem „Boten von Tyrol und Vor- 
arlberg" vom 12. März d. J., wenn wir nicht irren aus der Feder des 
Prof. Zingerle, erschienen ist und der in dem Wunsche gipfelt, eine 
Winterabendschule für Zeichner und Schnitzer errichtet zu 
sehen. Die Ansicht des Verfassers, dass eine solche Schule dem Thale 
zum Nutzen gereichen würde, vollkommen billigend, theilen wir den Ar- 
tikel seinem vollen Inhalte nach mit dem Wunsche mit, es möchte eine 
kundige Hand es unternehmen, den Zustand der heutigen Haus- 
industrie in ganz Tyrol zu schildern. 
lmsl, 9. März. 
„Es scheint mitunter zum guten Tone zu gehören, über uns Ober- 
liinder vornehm die Achseln zu zucken, oder uns, als jedem Fortschritt 
feindlich, zu verschreien. Man thut uns Unrecht, denn Oberinnthal gehört 
wohl zu den ärmsten Gegenden, aber seine Bewohner stehen an geistiger 
Begabung den Söhnen anderer Landcstheile gewiss nicht nach. Oft genug 
hört man, dass dic Studenten aus dem Oberlande trotz aller Entbehrungen 
die besten Plätze einnehmen, und Namen wie Dr. Josef Stapf, Josef 
Ambros Stapf, Al. Flir, Al. Messmer, Prof. Daum, Joh. Pfeiffer, 
Joh. Senn etc. werden in der Entwicklungsgeschichte unseres Vaterlandes 
immer mit Ehren genannt werden müssen. Man greife aber auch uns ein 
wenig unter die Arme und suche uns maieriell und geistig zu heben. 
Bittere Armuth, und die ist bei der allzugrossen Zerstücklung des Grundes
	        

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