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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 44)

Industrie-Ausstellung in Sechshaus. 
Der lndnstric- und Gewerbeverein in Sechshaus hat vor Kurzem eine Ausstellung 
abgehalten, welche mehrfach mit jenen Interessen im Zusammenhangs steht, zu deren För- 
derung das k. k. Museum statutenmüseig berufen ist. In den Kreis dieser Ausstellung 
sind eine Reihe von Gegenständen aufgenommen worden, welche in das Gebiet der Kunst- 
gewerbe fallen. und ebenso haben sich mehrere Zeichnanschulen rait ihren Arbeiten an 
dieser Anstellung betheiligt. 
Ohne nun den Werth dieser Exposition in Beziehung auf die dort ausgestellten 
Maschinen und Geräthschaften unterschätzen zn wollen, in welchen Beziehungen dieselben 
mehrfach eine freundliche Beurtheilung erfahren hat, finden wir uns doch gedrungen, den 
völligen Mangel an Geschmack, den das Arrangement dieser Ausstellung zeigte, und die 
höchst mangelhafte Vertretung jener Zweige hervorzuheben, welche unter die Rubrik 
"Kunst und Kunstgewerbe" fallen. 
lm Allgemeinen wäre zu wünschen, dass solche kleinere Ausstellungen, wie sie der 
Sechshauser Handels- und Gewerbeverein mit anerkennenswerthem Eifer von Jahr zu Jahr 
veranstaltet, nach bestimmten leitenden Grundsätzen orgauisirt werden, und gewisse fest. 
vorgezeichnete Zwecks verfolgen möchten. 
Da es nicht möglich sein wird, dass solche Bezirksausstellungen gleichzeitig nach 
mehreren Richtungen hin Ausgerleichnetes bieten, so wäre jedenfalls vorzuziehen, wenn 
dieselben bestimmte, in ihrem Bezirke besser vertretene Gruppen in nusgedehnterem Masse 
zur Geltung bringen, und andererseits solche Zweige, in denen es voraussichtlich an guter 
Vertretung fehlt, nach dem Programme völlig ausschliessen würden, als wenn diese Aus- 
stellungen ohne jedes Programm veranstaltet werden und ohne Prüfung uurl Auswahl 
siimmtliche angemeldete Objecte aufnehmen, und in bunter, dabei aber doch keineswegs 
malerischer Anordnung an einander reihen. 
Ein wichtiger Punkt, der bei dieser Ausstellung ferner noch anfällt, ist folgender: 
Die industrielle Welt weiss im Allgemeinen, was sie von Ausstellungs-Medaillen zu 
halten hat. Sie weise, dass der persönliche Eifer und die Tüchtigkeit des Jurors oder 
umgekehrt dessen Lässigkeit oder die Mängel seiner Sachkenntniss fir die Prlimiirung der 
Gegenstände in der Regel wichtiger sind, als die Güte der industriellen Leistungen, welche 
prlimiirt werden sollen. 
Es wird darum schon mehrfach (so z. B. in dem Programme der Londoner Welt- 
üllßätellllng 1871 und jenem der Musterausstellung des listen. Museums von demselben 
Jahrs) von der Ertheilung von Medaillen und anderen Preisen ganz abgesehen und die 
Zulassung der Objecte zur Ausstellung an sich, wobei eins strenge Jury fungirt, als die 
einzige den Gegenständen gewidmete Auszeichnung betrachtet. 
Wenn man aber auch diesem Prlncipe nicht folgen und ungeachtet der in Paris 
und London hervorgetretenen Uebelstände das Medaillenwesen beibehalten will, so sollten 
doch wenigstens competente Sachverständige für jeden einzelnen Zweig als Jurors 
bestimmt werden, was nach dem Ergebnisse der Sechshanser Ausstellung wenigstens in 
jenen Gruppen, in welchen die kunstgewerblichen Erzeugnisse und die Schularbeiten aus- 
gestellt wurden, bisher nicht der Fall gewesen zu sein scheint. 
Der wichtigste Erfolg, den die Sechshauser Ausstellung nach unserem Ermessen 
herbeiführen könnte, wäre die Erkenntniss, dass der gewerbliche Unterricht überhaupt - 
und speciell auch in diesem Bezirke - noch auf einer sehr niedrigen Stufe steht und einer 
ausgiebigen Unterstützung bedarf. Damit aber diese Erkenntniss sich Bahn breche, wäre 
es nothwendig, dass die Jury rnit Odenherzigkait die höchst unvortheilhaße Vertretung 
der Kunstgewerbe und des Zeichnenuntsrrichtes aussprechen würde, statt wie dies that- 
süehlich geschehen ist, durch die Verleihung zahlreicher Medaillen entweder bewusst die 
öGsntliche Meinung über den wahren Stand der Dinge zu täuschen, oder die eigene ln- 
competenz zur Lösung der übernommenen Aufgabe zu verrathen. 
Die erste Ausstellung der Unterrichtaanstalt des dontlchen Gewerbemnsanmi 
" in Berlin '). r 
(Aus dem "Dresdener Anzeigerä) 
Gegenwärtig sind in einem Thailu des Berliner Geworbenuuenms die Resultate des 
ernten Lehrjahre: der damit verbundenen knnstgewerblichen Zeichnen- und Modellirsehulo 
durch die Arbeiten der Schüler nur öffentlichen Vernnsehnnlichung gebracht. 
') Wir geben diesem Berichte in den Jlittheilnngeu des Mnsanmü genug Raum, 
weil der Irrthum, in welchem s nach dem vorstehenden Berichte zu urtheilen - die
	        

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