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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 44)

 
nischen Theile der Aufgabe, wo der Entwurf zur Ausführung reif gemacht 
wird, zu thun hätte. Den Ausdruck Weberschule erklärt Herr Recken 
schuss als unrichtig, da. sie nicht weben, sondern vorrichten lehrt. 
Die Aufgabe dieser Fachschule stellt dieser Gewährsmann in folgender 
Weise dar: „Sie soll in erster Linie die Theorie der Weberei lehren: 
glatte und einfache Steife decomponiren, Armuren, Einzüge, Gallirungen 
u. s.w., ähnlich wie solches von der Fachschule in Gumpendorf geschieht. 
Sie soll für Lehrlinge und Arbeiter, die sich bilden wollen, dienen. 
„Wenn dieser erste Curs genügend durchgemacht ist, so soll ein 
zweiter folgen, bestimmt, um Werkfiihrer, Fabriksleiter, hauptsächlich aber 
Musterzeichner für die Carta rigata. zu bilden. - Hier muss der Schüler 
die Mittel kennen lernen, mit welchen er den von dem entwerfenden 
Künstler verlangten Eifect darstellen kann, die Wirkungen mit Schuss 
und "Kette, mit Abbindungen, aufgelegter, broschirter, lancirter Arbeit 
u. s. w., alle hierzu nöthigen Vorrichtungen und Maschinen, Decomposition 
aller schwierigen Stoße, Kenntniss aller Gewebe- und Wirkmaterialien und 
der damit zu erreichenden Elfecte. 
„Eine so eingerichtete Schule ist nun zwar noch keine Hochschule 
der Weberei und umfasst auch nur jenen Theil, welcher fir ohenerwähnte 
Personen unerlässlich ist, mit gänzlicher Hinweglassung der mercantilen 
Kenntnisse, welche für Fabrikseigenthümer nöthig sind. 
„Für diesen zweiten Curs ist nur jene mechanische Zeichnenfertig- 
keit erforderlich, welche es dem Schüler möglich macht, die Zeichnung 
des projectirten WebestoEes von dem Entwurf (Skizze) mittelst des ge- 
wöhnlichen Hilfsmittels des Netzes in vergrösserten Proportionen correct 
auf die carta rigaia zu übertragen. Leider hat man bisher bei uns diese 
für den technischen Zweck genügende Fertigkeit auch meist schon als 
hinreichend Fir den vollendeten Manufacturzeichner betrachtet; der ent- 
werfende Künstler und der für die Technik des Webstuhles ausführende 
Zeichner, welcher die carta. rigata als Feld seiner Thätigkeit zu betrachten 
hat, war sonst immer bei uns ein und dieselbe Person. Nicht so in Frank- 
reich, wo es stets verschiedene Persönlichkeiten sind, weil man es als 
eine zu grosse Aufgabe betrachtet, künstlerische und technische Vollkom- 
menheit in Einer Person zu vereinigen. Dass man bei uns stets beide 
Leistungen verquicktc, dass eine Zeit von 1 bis 2 Jahren mit spärlichen 
Unterrichtstunden genügend für Manufacturzeichner schien, mag wohl der 
Grund sein, dass wir uns nur selten über alltägliche Leistungen und nur 
mit Ausnahmen über Nachahmungen erhoben. 
„Sollen wir aber im Kunstgewerbe auch im Fache der Weberei die 
Concurrenz unserer kräftig vorwärts strebenden Rivalen bestehen können, 
so muss ein anderer Weg eingeschlagen werden, und dazu sind uns bei 
Errichtung der Kunstgewerbeschule in der Fachschule iiir Zeichnen und 
Malen die Möglichkeit und die Mittel gegeben, dem künstlerischen 'l'lmil
	        

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