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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 52)

unten: 
F. RAPH. BRIX. OPIFEX. 
Dieses Singpult sollte die Ausschmückung des Chores vollenden, das 
der obgenannte Giovanni seit 1503 mit Intarsien und ausgelegten Holz- 
arbeiten zu zieren bemüht war. 
Aber an ein grösseres und kühneres Werk trat Raifael, der inzwischen 
es zur vollendeten Meisterschaft gebracht hatte, heran, als er es unternahm 
die Sitze für die Apsis der Kirche von San Michele in Bosco zu fertigen. 
Das Rund des Chores erhob sich über einer Fläche, zu der man eine herr- 
liche Marmortreppe hinanstieg. Die zahlreichen Rücklehnen zeigten die 
schönsten eingelegten perspectivisehen Ansichten und Architekturen, Dar- 
stellungen von Instrumenten, kirchliches und weltliches Geräthe nebst _ 
Figuren in prächtigen und reichen Gewändern. Jeder Sitz war von dem 
nachbarlichen durch eine Lisene mit feinen Intaglien in Nuss- und Ahorn- 
holz abgetheilt, und bildete eine kleine Nische, überdeckt mit einer durch 
eingelegte Hölzer als Muschel charakterisirten Kuppel. Der Künstler hatte 
hie und da auf seiner Arbeit Inschriften angebracht, wie 
RAPHAEL MARONVS F. 
Gegen die Thüre, die vom Chor zum Kloster fiihrte: 
RAPHAEL DE BRIXIA OBLATVS 
OLIVETANVS - F. ANNO M.D.XXL 
"In der Mitte des Chores: 
RAPHAEL DE BRIXIA OBLATVS 
OLIVETANVS - ANNO DOMINI M.D.XXI.-F. 
BARNABAS PRIOR. 
Daraus können wir schliessen, dass im Jahre 1521 der grösste Theil 
der Arbeit beendigt sein mochte, die sicherlich die Mühe mehrerer Jahre 
gekostet hatte, und dass um ihr Zustandekommen der schon genannte 
damalige Abt des Klosters, Barnabas Cevenini, sich in gleicher Weise 
verdient gemacht, wie er erfolgreich wirkte, als unter seinem Regimente 
San Michele in Boseo sich um so viele Kunstwerke verschönerte. Zeub. 
nisa dafür: das berühmte Altarblatt des Innocenzo da Imola, gemalt im 
Jahre 1517, heute eine Zierde der Pinakothek in Bologna. 
Es kam die Zeit der Wirren und Unterdrückungen und mit ihr die 
der Zerstörungen, die Kirche wurde geschlossen und ausgeleert, die 
Stühle wurden aus dem Chore herausgerissen und für wenige Groschen 
an die Trödler des Marktplatzes von Bologna verkauft. Nur achtzehn 
von den Rüeklehnen der Hauptreihe des Chores entgingen der Vernich- 
tung. Der Marchese Antonio Malvezzi liess im Jahre 1812 seine Fami- 
liencapelle (heute della Santa Eucharistia) in der Basilica von San Pe- 
tronio renoviren, kaufte die Rücklehnen und liess sie von dem Architekten 
Angele Venturoli in jener Capelle einfügen. Die Rücklehnen ermangeln
	        

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