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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 52)

davon wurden zu Klavierkästen verwendet, andere zu den Fussböden 
in den Sälen des Casino in Bologna neben dem Theater am Corso. 
Erhalten sind doch noch zwei Beichtstiihle in sehr präcis ausge- 
führter eingelegter Arbeit von F ra. Rafaello. Einer von ihnen, an wel- 
chem der Sitzplatz den Zugang zu einem innern kleinen Zimmerchen 
bildet, ist ausgeschmüekt mit perspeetivischen Architekturen und mit Fi- 
guren, die verschiedene heilige Handlungen vollziehen, wie das Mess- 
opfer mit dem Priester, der die Hostie erhebt etc. , dann die Samarita- 
nerin am Brunnen, Madonna mit Heiligen und Anderes mehr. Der andere 
Beichtstuhl hat ebenfalls Intarsien mit architektonischen Ansichten und 
über dem Sitze des Priesters eine leicht geschürzte weibliche Figur, die 
auf der Laute spielt. Ob sie die Verführung, die Sünde vorstellen oder 
nur ein blosser Einfall des Künstlers sein soll, keinesfalls scheint dieselbe 
der Würde des. Ortes besonders angemessen. Leandro Alberti in seiner 
Beschreibung Italiens, die Chronisten vom Olivetaner Orden und Sabba 
Castilione in seinen Ricordi delle opere di valorosi artisti erwähnen in 
hervorhebender Weise Fra Raifaelds. Castiglione erwähnt seiner unter 
den Künstlern in Holzarbeiten als Eines,f_dessen Werke zu seiner Zeit von 
Fürsten und Herren ganz besonders gesucht waren zur Ausschmückung 
ihrer Wohnungen. Aber wer wüsste die je wieder zu finden? Was 
davon nicht die Zeit zerstört hat, ist zu Grunde gegangen durch den 
Wechsel der Mode, um Platz zu machen Dingen von geringerem oder gar 
keinem Werthe! 
- Eine Beschreibung von Brescia, gegen das Ende des 17. Jahrhun- 
derts verfasst von Francesco Paglia, versichert, dass die Bänke in der 
Capelle der heil. Empfangniss in der Kirche San Franeesco in Brescia 
von Raifaelle verfertigt seien, und fügt hinzu: „er war besonders hervor- 
ragend in derartigen Arbeiten und hinterliess in dieser Stadt (die seine 
Vaterstadt war) ein denkwürdiges Zeugniss seines seltenen und ungewöhn- 
liehen Werthes". - Kein anderer Schriftsteller erwähnt dieser Bänke. 
Der vor wenigen Jahren verstorbene Architekt Vantini in Brescia 
theilte mir die Bemerkung mit, dass die Bänke, die heute in dieser Capelle 
existiren, nicht die alten sind, dass aber die in eingelegter Arbeit ausge- 
führten Rücklehnen davon mit Darstellungen aus der Lebensgeschichte 
Christi sich erhalten haben, eingefügt in die neueren Sitze aus der Zeit 
des Barockstyles. Die Capelle selbst, im 15. Jahrhundert erbaut, wurde 
zweimal restaurirt, das erste Mal um die Mitte des 16., das zweite Mal 
gegen Ende des 17. Jahrhunderts, immer zum Schaden ihres Kunstwerthes, 
indem man die Intarsien mit geringem Geschicke restaurirte und die. 
Fresken der Cenale und Rcmanino durch manirirte Malereien ersetzte. 
Bei genauer Untersuchung der Rücklehnen lindet man, dass einige von 
ihnen den Charakter eines grössern Alterthumes haben, der sich in der 
grössern Genauigkeit, mit der sie gearbeitet sind, ausdrückt, zugleich aber
	        

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