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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 52)

Es wird am zweckmässigsten sein, uns bei unseren Erörterungen an den 
historischen Faden zu halten und gleich das Material und das Verfahren kennen 
zu lernen, dessen man sich so lange Zeit bediente. 
Die Vorschrift des Vitruv besagt in Kürze, dass während man für Land- 
bautcn gelöschten Kalk mit Sand (Meeres- oder Flusssand) im Verhäitniss von 1:2 
mischen soll, man für Wasserhauten eine Mischung von l Theil Kalk mit 2 Theilsn 
gestossener Puzzolanerde, dem Pulvis pnteclanus, oder Bajanus oder Cumanus an- 
zuwenden habe. 
Dieses erdige oder pulvrige, poröse, graue oder braune, leicht Pzerreihliche 
Material ist das vorherrschende geologische, in grosser Ausdehnung vorkommende 
Gebilde in dem Gebiete zwischen Cumae und dem Promontorium Mincrvae, zwi- 
schen Bajae und dem Cap deila Campanella, wo Putecli liegt. 
Es ist heute noch in jener Gegend zu Wasserbanten viel gebraucht und 
ist, wie das Vitruv schon wusste, vulkanischen Ursprungs, nichts weniger als eine 
homogene Masse, sondern ein verkittetes Gemisch , ein Conglomerat verschiedener 
theils ursprünglicher, theils zersetzter Mineralreste, von den Geologen Tnfgestein 
genannt, dessen Vorkommen keineswegs auf Italien und die Gegend des Vesuv 
beschränkt ist, sondern überhaupt vulkanische Territorien charakterisirt und sich 
darum auch in Deutschland, Frankreich und anderen Ländern findet, wo nach- 
weislich einst Vulkane thätig waren. 
Desselben Ursprungs ist auch die, mit demselben Erfolg verwendbare San- 
torinerde, die von einer Insel aus der Cycladengruppe des iigäischen Meeres 
stammt, und ebenso der sogenannte Trass, ein Tufstein aus der Umgebung von 
Coblenz und aus der Eifelgegend, ebenfalls von den Römern schon benützt, nach- 
dem sie bald seine Aehnlichkeit mit ihrer heimischen Puzzolane erkannt hatten. 
Dieser rheinische und Eifel-Tufstcin ist indessen viel dichter und härter als 
die Puzzolane, so dass er auch als Baustein verwendet werden konnte. 
Die Bezeichnung Trass galt früher blos für den gemahlenen, zur Cevncnt- 
beteitung vorbereiteten Stein, und stammt aus dem Jahre 1682, wo ein Holländer 
Namens van Santen zuerst eine Trassmühle am Rheine anlegte. 
Tyrass heisst im Holländischen Kitt. 
Der Wasserbau mit diesem rheinischen gemahlenen Tuf oder Trans nahm 
in Holland seinen Anfang und ging von da nach Frankreich, Deutschland und 
Schweden über. 
Das Gestein, welches in diese Tuife durch die vulkanischen Processe ver- 
wandelt wurde, auf dem die Vulkane und Krater selbst aufsitzen, ist der sogenannte 
Trachyt. Dieser selbst wieder ist ein Umwandlungsproduct gewisser feldspsth-angi- 
tlscher Gesteine, er steht in" einer genetischen Beziehung zu den Melaphyren, Ba- 
salten und ähnlichen Gesteinen; die 'nä.her zu verfolgen von unserem Zweck zu 
weit abliegt. 
Für die Trachyte ist eine gewisse Rauheit charakteristisch, der sie ihren 
Namen verdanken (rqsqng heisst rauh), eine Rauheit, die dadurch hervorgebracht 
zu sein scheint, dass einem früheren dichten feldspathigen oder basaltigeu Gestein 
ein Mischungsheitandtheil durch eine Art Auswasehnng entzogen worden ist. 
Dieser im Trschyt jetzt fehlende Bestandtheil scheint Magnetsisen gewesen zu sein. 
Man findet Trachyte, die beim Zerschlagen einen Kern von Basalt oder Dolerit 
zeigen. 
Hierauf wurde dieses Gestein, der Traehyt, durch die Thätigkeit der Vul- 
kane weiter verändert. 
Aus diesen mächtigen submarinen Reaetionen, unter der Wirkung von. aus 
dem Kochsalz des Meeres entstandener Salzsäure, die bei den höchsten Tempera- 
turen und einem kolossalen Drucke wahrscheinlich zugleich mit Schwefelsäure aus
	        

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