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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 53)

Waren sie sehr rein, besonders die Kreide, so können nun diese Pulver, 
vorausgesetzt, dass sie so fein sind, wie sie ein Sieb mit etwa 500 Maschen für 
den Quadratcentimeter liefert, sofort nach nbgewogenen oder abgemessenen Mengen 
mit Wasser in einer Knstmaschine zu einem Teig geknetet, dieser in Ziegeln oder 
passende Stücke geformt, getrocknet und gebrannt werden. 
Allein die verwendeten Kalke besonders sind selten so frei von Sand und 
Nebenbestandtheilen, dass dieses trockene Mischverfahren angewendet werden kann, 
und man muss, um diese zu entfernen, zu einer Vorbereitung durch Schlämmen 
seine Zuflucht nehmen. 
Es kommen die pulverigen Massen dann zuvor in einen grossen Trog, in 
dem ein Riihrapparat umgeht, der sie mit Wasser zu einem Brei anrührt, von dem 
weiterhin im constanten Zuliiessen der Wasserstrom durch passend angebrachte 
Ausdussöiihungen in grosse gemauerte {lache Bassins das Feine und Leichte ah- 
führt, während der Sand und die gröberen Theile zurückbleiben. 
Wenn die suspendirte Masse in den Bassin: abgedossen ist, zieht man das 
Wasser ab, lässt den Rest an der Luft verdunsten und von den porösen Wänden 
absorbiren, zertheilt sie scbliesslich wieder durch einen Mechanismus gleichförmig, 
mischt, knetet, fonnt und brennt sie. 
Alle die hierzu gebrauchten Maschinen und Apparate sind jetzt so ver- 
bessert und zweckmässig eingerichtet, dass ein schneller ununterbrochener Betrieb 
möglich wird. 
Die zu Teig geknetete Mischung wird entweder mit Handarbeit ganz so 
wie beim Ziegelstreicben geformt, oder durch eine Ziegelmaschine in Strängen 
ausgequetscht, die ein Messer oder ein Draht in Fragmente schneidet. 
Das Weitere, das Trocknen, Darren und Brennen, hat, wie wir hörten, fast 
alles mit den Operationen in einer Ziegelei gemein. 
Die gebrannten Massen werden schliesslich zermalmt, gemahlen, gesiebt, 
durchmischt und verpackt. - 
Nun erübrigt uns nur noch, den chemischen Grund aufzufinden, aus wel- 
chem diese Präparate, mit Wasser zusammengebracht, nach einiger Zeit erhärten 
und zu einem künstlichen Mineral werden. 
Fragen und untersuchen wir vorerst, ob dieser Grund analog oder identisch 
sein kann mit demjenigen, aus welchem jene erst beschriebene Art hydraulischen 
Mörtels, die nach dem Vorgangs der Römer aus Tußen und Kalk dargestellt war, 
fest und steinartig wurden. 
Dort hatten wir gefunden, dass uns die Natur ein Zersetzungsproduct der 
Feldspathe oder stark feldspathhaltiger Gesteine in der Form der Laven, Tuife, 
Trasse u. s. w. bot, in welchen der Feldspath durch vulkanische Einflüsse, durch 
Hitze also, so verändert war, dass dieses und verwandte, zugleich vorkommende 
Doppelsilicate, sowie die vorhandene krystallisirte Kieselsäure, der Quarz, in die 
speciiisch leichtere, die aggregirte, amorphe Form übergegangen waren, so dass 
beim blossen Vermischen mit Kalkhydrat und Wasser sich ein festwerdendes kry- 
shllisirendes Kalksilicat bilden konnte, welches wir als die Ursache des Erbartens 
des Mürtels betrachten konnten. 
Wir erinnern uns nun sogleich, dass auch bei den aus thonigen Kalksteinen 
oder entsprechenden künstlichen Mischungen von Thon und kohlensaurem Kalk 
erhrannten Cementen, wir es mit einem Zersetzungsproduct des Feldspaths , dem 
Thon, zu thun haben. 
Diesmal aber war die Zersetzung des Feldspaths nicht durch Hitze, sondern 
bei gewöhnlicher Temperatur durch Verwitterung erfolgt, und das Zersetzung!- 
product, der Thon, die kieselsaure Tbonerde enthält die Kieselsäure nach nicht 
in jener Form, dass sie ohne weiters durch eine stärkere Base wie der Kalk ist,
	        

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