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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 53)

aus ihrer Verbindung deplacirt und in kieselsauren Kalk verwandelt werden 
könnte. Gebrannter Kalhxalkhydrat zersetzt den Thon beim blossen Vermischen 
nicht oder nur zum kleinsten Theil. Gewöhnlicher Thon ist auch von Salzsäure 
nicht zersetzbar, wohl aber waren es die gebrannten oder geschmolzenen feld- 
spathigen Gesteine, die Laven, TuEe, Puzzolane u. s. w. 
Gebrannter Thon würde sich mit Salzsäure auch zersetzen; aus sehr un- 
reinem gebrannten Thon, aus Lehm bestehen unsere gewöhnlichen Ziegel oder 
Backsteine; folgerichtig müssten diese mit Kalkhydrat schon eher sich zu einem 
Kalksilicat verbinden und einen hydraulischen Mörtel geben können. 
In der That linde: man, dass ein solcher entsteht, wenn man eine innige 
Mischung von Ziegelmehl und Kalk darstellt; wirklich ist Ziegelmehl eine Art 
künstlicher Puzzolane, und zwar die älteste, deren sich schon die Römer immer 
bedienten, wo sie keinen vulkanischen Sand zur Bereitung ihrer hydraulischen 
Mörtel vortanden. 
Wir kommen nun der Erklärung schon etwas näher; wir finden, dass ge- 
brannter Thou mit Kalkhydrat sich in der Kälte umsetzt. Wie wird sich der 
Thou verhalten, wenn er mit dem Kalk zugleich erhitzt wird? 
Das Nächste natürlich ist, dass der kohlensaure Kalk der Mergelarten oder 
solcher künstlicher Mischungen seine Kohlensäure verliert und zu Aetzkalk wird. 
Die Kohlensäure entweicht schon bei miissiger Rotbgliihhitze. 
Brennt man die Mergel aber nur bei dieser Temperatur, so wird die 
Masse nur braun und gibt ein braunes Pulver von geringer Erhirtungsfabigkeit, 
welches sich mit Wasser noch stark erhitzt oder löscht. 
Man lindet, dass wenn man die Temperatur so sehr erhöht, als es ohne 
die Masse zu schmelzen angeht, das Product lichter wird, graugriin, und an 
Erhärtungsfdhigkeit unendlich gewonnen hat, dass es sieh ferner mit Wasser an- 
gerührt, nicht oder nur ganz unbedeutend erwärmt. Es enthält also 
dann keinen freien Aetzkalk mehr. ' 
Otfenbar hatte also die höhere Temperatur noch einen anderen Erfolg, als 
blos den Kalk ätzend zu brennen und den Tbon „aufzuscbliessenW 
Erst die neuesten Untersuchungen haben diesen Erfolg klar gemacht und 
erwiesen, dass in dieser höheren Temperatur auf die Bildung von Aetskalk und 
das Aufschliessen des Thnns eine Verbindung des Kalks mit der Kieselsäure 
sowohl, als auch mit der Tbonerde folgt, dass sich ein sogenanntes 
Kalkaluminat bildet, eine Verbindung, in welcher die Thonerde gegenüber 
dem Kalk die Rolle einer schwachen Säure spielt, dieselbe Rolle, die die Kiesel- 
säure in dem Kalksilicat hat. 
Die mittlere Zusammensetzung eines guten Portlaud-Cements ist: 
   
Kalk . . . . . ...... . . . . . ..60.0 Kalk... . . . . . . . . . . . . . ..0.8 
Bittererde  . . . . . . .. 1.2 Natron. .. 0.7 
Tbonerde....  7.5 Gyps.. .. 1.8 
Eisenoxyd . . . . . . . . . ..... 3.3 Kieselsäure . . . . . . . . . . . ..24.3 
Es ist also im Wesentlichen eine wasserfreie Verbindung von Kalksilicat 
mit Kalkaluminat, und die Erhirtung dieses zu Pulver zerriebenen Gemengen 
unter Wasser scheint auf nichts anderem zu beruhen, als auf einer Aufnahme 
und chemischen Bindung von Wasser. 
Der analogste Proeess dieser Art ist das Hartwarden eines Breiea von ge- 
branntem Gyps. 
Der Gyps, waaserhalüger sebwefelsaurer Kalk, verliert beim Brennen leih 
Krystallwasser, und der gebrannte Gyps nimmt mit Wasser angerührt dieses 
Wasser wieder auf, damit wieder krystallisirend, sein Volum vergrösaerlld und 
erhartend.
	        

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