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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 53)

sische Krümmungen und Ansbiegnngen unterbrochen und dadurch sein schönes Werk selbst 
mit einem hässlichen Fehler versehen. 
Auch diese Arbeiten sind uns sehr lehrreich und bedeutsam. Sie zeigen uns nicht 
blos, dass den Franzosen nllmiilig, wie nneh der varjährige Congress der Kunstvlndnstriallen 
zu Paris bewiesen hat, vor ihrer eigenen Manier angst und bange wird, dass sie neue 
Wwe einschlagen und besonders den von ihnen verzichteten und ihrer bisherigen Manier 
schnurstrncks zuwiderlenfenden Orient nnfsnchen und studiren; sie zeigen uns leider auch, 
dass bei ihnen, den Franzosen, zwischen der Einsicht, zwischen der Erkenntniss der Sach- 
lage und der Ansiihrnng ein viel kürzerer Weg ist als bei uns. (N. Fr. Pr.) 
. Bücher-Revue. 
(Die mit B. K. bezeichneten Nummern sind die Nummern der Bibliothek des Museums.) 
Speclmrns de In deeorallon et de Pornenlentation an XIX. siecle parLidnard. 
125 plsnches divisees en 3 pnrt. Liege et Leipzig, chez Ch. Claesen, 1866. (B.K.2579.) 
Es gehört zu den schwierigeren Aufgaben der Literatur, die Kunstschiitze der Ver- 
gangenheit der Gegenwart zugänglich zu machen. Nicht blos Künstler, in noch höherem 
Grade Industrielle und Techniker, haben eine gewisse Scheu, sich mit den Denkmälern 
der Vergangenheit zu beschäftigen; Vielen unter ihnen fehlt die nöthige Vorbildung, um 
mit Aussicht auf Erfolg alte Werke zu stndiren und der Kunstindustrie der Gegenwart 
nutzbar zu machen. Unter diesen Umständen sind gewisse Werke ganz zweckmlissig, 
welche es sich zur Aufgabe stellen, eine Brücke zwischen den Traditionen der Kunst frii- 
herer Zeiten und den Anforderungen der Gegenwert zu bauen. In die Reihe dieser Werke 
gehören die „Specimenv von Liänerd, die approbirt vom Conseil de perfectionnement de 
l'enseignement des Arte du dessin in Belgien, in die oflieielle Liste jener Modelle ein- 
getragen wurden, welche auf Akademien und Zeichcnschuleu zugelassen sind. Die Orna- 
mente des Herrn Lienard sind in gewisser Beziehung selbständige Erfindung, aber mit 
Zugrundeleguug zumeist von Motiven hervorragender Künstler aus der Zeit der Renais- 
sance und des Styles Louis XIV. und Louis XVI. Sie eignen sich vorzugsweise für Or- 
namentisten, die lTxrKunsttischler, Intsrsietoren, Schlosser und Deoorateure für Innenräume 
arbeiten. Trotzdem, dass wir nicht für Alles, was sich in diesem Sammelwerke voriindet, 
die Verantwortung einer Empfehlung übernehmen wollen, gehören die ßpecimeus" von 
Liänerd zu den brauchhareren und besseren Biiohern der Art, die auf dem Kunstmarkte 
erschienen sind. 
Capelln dells felniglla Pellegrlni esistente nella Cbiess S. Beruardino di Verona. 
Verona, 1816. (B. K. 2627.) 
Wir zeigen dieses Werk, das nur in einer sehr kleinen Auüsge in den Buchhandel 
kam, aus einem doppelten Grunde an; es ist erst jüngst der Bibliothek einverleibt worden 
und zugleich hat das Museum die siimmtlichen ornementalen Abgüsse dieser Cspelle er- 
worben. Diese Capelle ist das Werk des Architekten Micbele Saninieheli, eines Veronesers 
von Geburt, der im Jahre 1554 von der Msrgherita Pellegrini den Auttrag Eir diese Ca- 
pelle erhalten. Nach dem Tode der Margherita Pellegrini im Jahre 1557 sollte der Bau 
nach dem Projecte Michele's in Folge testsmentariscber Anordnung von den Erben zu 
Ende geführt werden, was aber nicht geschah. h Margherita, aus der adeligen Familie 
der Pellegrini, wer die Gernalin des Benedetto de' Baimondi, des Sohnes des Guuesco de' 
Rnimondi. Aus diesem Grunde wird die Cspelle Pellegrini in der Kirche S. Bernardino 
in Verona von Vßsari Capelln di Guareschi genannt. 
Wie Vasari im „Leben Michele Sun Micheleü" erzählt, zeigte Michele sich tredlich 
an vielen Werken seiner Hand in Verona, „vornehmlich an der schönen reichgeschmückten 
Capelle der Guareschi in S. Bernardino. Diese ist rund wie ein Tempel in korinthischer 
Ordnung mit allen Ornamenten dieses Styles und ganz aus hartem, weissen Stein aufge- 
führt, den man in jener Stadt Brongo nennt, weil er beim Bearbeiten einen Klang gibt. 
Er ist mit Ausnahme des feinen Marmors der schönste der bis jetzt aufgefundenen Steine, 
ganz fest, nhne Löcher oder Flecken. Da nun die Capelle innen ganz aus solchem Stein 
besteht, von vortrefflichen Stsinmetzmeistern ausgeführt und sehr wohl aneinander gefügt 
ist, glaubt man, es gebe kein schöneres Werk dieser Art in Italien. Michele baute das- 
selbe in runder Form, so dass die drei dort befindlichen Altäre mit ihren Giebeln und 
Simsen summt der Thiirößnung vollkommen im Kreis laufen, fast den Ausgängen ähnlich, 
welche F. Brunelleschi den Capellen in der Kirche degli Angeli in Florenz gab - eine
	        

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