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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 53)

vermöge ihrer Affinitäten Verbindungen, Umbildnngen und Zersetsungen in jedem 
Augenblick erleiden, reine Verbindungen oder Zersetsungsprodncte, reine Präpa- 
rate im Sinne der Chemie gar nicht zu erwarten sind. 
Erscheinen uns danim schon die schönsten Edelsteine nur als solche unreine 
Präparate, die ihrer Verunreinigung vielleicht gerade ihre Schönheit verdanken, 
so sind es natürlich noch viel mehr die Gebirgs- und Gesteinsarten und die Mi- 
neralien, aus welchen diese selbst meist zusammengesetzt! sind, so dass sie als 
mitunter ganz variable Gemische erscheinen, die nur innerhalb ziemlich weiter 
Grenzen eine gewisse Constanz der Zusammensetzung zeigen, in denen wechselnde 
Mengen von näheren individuellen Verbindungen eingeschlossen, oder diese unter- 
einander zu festen Massen durch Krystallisation und Erstarrung zusammenge- 
lrittet sind. 
Es ist klar, dass wir in den durch Verwitterung und sonstige Zerstörung 
aus diesen rohen Materialien entstandenen Producten dieselbe Ungleichförmigkeit, 
dieselbe Verunreinigung eines, vielleicht als Hauptmasse auftretenden Körpers lll 
gewärtigen haben, dass in diesen Zersetzungsproduczten überdies nicht selten Reste 
unveränderten Gesteins enthalten sein werden. 
Ein entsprechendes Beispiel zur Bestätigung des Gesagten ist nun der 
Thon. Derselbe ist das Zersetzungs- oder Verwitterungsproduet des Feldspaths, 
oder besser der Feldspathe. 
Es ist früher schon erwähnt, dass diese Mineralien Doppelsilicate sind, he- 
stehend aus kieselsaurer Thonerde und kieselsaurem Alkali, Kali oder Natron, 
auch Lithien. Die Kalifeldspathe sind die vorwiegend verbreiteten. 
Man kann in gewissem Sinne sagen, die Feldspathe seien Alaune, in denen 
die Schwefelsäure durch Kieselsäure ersetzt ist. Reine Feldspatbe sind selten; sie 
müssten farblos sein, wenn sie rein wären, sie sind aber meistens gefärbt; du 
Färbende ist vornehmlich Eisenoxyd. 
Tritt der Feldspath auch oft in grossen Massen auf, so bildet er doch nie 
eigentliche Gebirge, wie etwa die Kalke oder Schiefer. 
Allein es gibt Gebirgsmassen, grosss Gebirgszüge, die als einen Haupt- 
bestandtbeil oder Gemengtheil Feldspath enthalten. Man kann sie elassificiren 
in die vorwaltend feldspathigen: den Granit, Gneiss, Byenit, Trachyt etc; in die 
gemischt feldspathig-zoolithischen, die sog. Grünsteine oder Truppe, den Diorit, 
Dolerit, Metaphyr, Basalt und endlich in die gemischt-feldspathig zoolithischen, 
die Phonolithe und Klingsteine. 
Alle diese aufgezählten Gebirgsmasseu sind krystallinische Silicate und echte 
Festlandsgebilde. 
Der Verwitterungsprocess des Feldspath drückt der Verwitterung und den 
Verwitterungsprodueten aller dieser Massen einen gewissen Stempel auf. Das 
endliche Verwitterungsproduct derselben ist ein verschieden reiner Thon. 
Den reinsten Thon kann nur der reinste Feldspath geben. Er ist dann 
fast farblos, kreideweiss, wenn er trocken ist; er heisst Porzellanerde oder Kaolin, 
auch Pfeifenerde. Im Wesentlichen besteht er aus kieselsaurer Thonerde, mit 
einem kleinen Antheil freier Kieselsäure. 
Die Verwitterung bestand darin, dass der Feldspath in seine Componenten 
zerfiel, die kieselsnure Thonerde und das kieselsaure Kali. Das letztere wurde 
weiter zersetzt, zum Theil vom Wasser gelöst und weggewaschen, ein Anthsil 
freier Kieselsäure blieb von der weitem Zersetzung des kieselsauren Kalis unlül- 
lieh zurück und mischte sich der kieselsauren Thonerde bei, die eine .911; be. 
ständige Verbindung ist. 
Das zersetzende Agens war die Kohlensäure im Verein mit dem Wasser. 
Wahrscheinlich haben Strömungen von koblsnsaurem Wasser den Feldpsth oder
	        

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