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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 53)

Die Masse so durch Verwitterung gebildeten und von den Bächen, Flüssen 
und Strömen fortgespiilten Schlammes ist unglaublich gross. 
Eine grosse Rolle spielen hierbei besonders die Gletscher-Bäche und Ströme, 
deren Wasser mit Sedimenten beladen ist. Um Ihnen einen Massstab für den 
Umsatz dieser Producte zu geben, sei nur erwähnt, dass nach den neuesten Unter- 
suchungen der Rhonegletscher allein täglich 605 Millionen Kubikmeter Wasser 
liefert, und dass mit diesem Wasser täglich 86 Millionen Kilogramm Sediment 
fortgeführt werden. 
Diese ungeheure Masse von Sedimenten gelangt nur zum Theil durch die 
Flüsse ins Meer und in den dort sedimentirenden Rhizopoden-Kalk. Ein anderer 
Theil lagert sich in den Thälern ab und betheiligt sich an der Bildung des sog. 
Isöss, dessen Entstehung bisher so problematisch war, obgleich er den Haupt- 
bestandtheil der von den Alpenströmeu durchüossenen Thäler ausmacht. Er ent- 
hiilt oft über 20 pCt. kohlensauren Kalk, Thon, freie Kieselsäure und die ge- 
wöhnlichen Beimischungcn von Eisenoxyd, Bittererde u. s. w. neben 1-3 pCt. 
Alkalien. 
Er ist also auch weiter nichts als ein sehr thoniger Kalk oder kalkiger 
Thon, eine Mischung, die in so vielerlei Verhältnissen vorkommt. Eins Art sol- 
cher thoniger Kalke nennt man Mergel. Es sind diejenigeb, wo der Thongehalt 
über 10 pCt. beträgt. 
Manche Kalkspecies der ältern Formation, besonders der Keuper oder bunte 
Mergel gehören hierher. 
Meistentheils sind die Mergel brauchbare Kalkarten für hydraulische Mörtel. 
Sie sind verwitterbar, und zwar um so leichter, je mehr der Thongehalt zunimmt. 
Durch diesen Process, der besonders durch den Frost unterstützt wird, durch das 
Krystallisiren des in die poröse Masse eingedrungenen Wassers, wodurch sie ge- 
sprengt wird, entsteht die Mergelerde. ' 
Die Mergel sind also meistens durch Verwitterung von Kalkgebirgen unter 
Mithilfe des meteorologischen Wassers entstandene Bildungen, sagen. Siisswasser- 
kalke, dem Diluvium und Alluviurn angehörend, meistens ohne Schichtung, und es 
gehören hierher auch die Kieselkalke, Tkavertine, Erbsensteine, die Ritfsteine und 
Madreporenkalke, die gleich der Kreide noch reich sind an Resten von Organismen. 
An solchen Thonknollen, die in einem Mergel in England vorkommen, 
solchen „Kalknieren", wie man sie auch nannte, wurde gegen das Ende des 18. 
Jahrhunderts von James Parker zuerst die Eigenschaft wahrgenommen, dass be- 
sonders sie durch Brennen eine Masse geben, die zerrieben oder gemahlen und 
mit Wasser angemacht einen vorzüglichen hydraulischen Mörtel liefert. 
Beim Brennen werden sie, die früher grau waren, braun, in Folge der 
Bildung von Eisenoxyd aus dem Oxydnl. Das Brennen muss bei grösserer Hitze 
geschehen als das Kalkbreunen; das Erhärten erfolgt schon nach einer Stunde. 
Parker nahm hierauf ein Patent. 
Aehnliche an der Küste von Boulogne in Franklreich sich findende Bildungen 
verwandte 1802 Lesage mit dem gleichen Erfolge zu hydraulischem Mörtel. 
Pasch fand und untersuchte ähnliche Kalkarten in Schweden. 
1818 publicirte Vicat seine berühmte Arbeit über die Mörtel. Die hydrau- 
lischen brachte er in drei Classenß) 
1. Schwach hydraulische Kalke, welche mit Salssiiure behandelt bis 15 pCt. 
thonigen Rückstand lassen, gebrannt mit Wasser noch ziemlich stark gedeihen, 
und erst nach längerer Zeit (einigen Wochen) fest werden und dem Wasser erst 
nach ziemlich langer Zeit zu widerstehen vermögen. 
") Vgl. „Die hydraulischen Mörtel" von Michnelis. Leipzig 1869,
	        

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