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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 53)

2. Gewöhnliche hydraulische Kalke, welche bei 25 pCt. thonigen Rückstand 
lassen, nach dem Brennen mit Wasser nur noch wenig ihr Volumen vermehren, 
nach einigen Tagen fest werden und innerhalb Jahresfrist, meist aber früher, voll- 
kommen erhärtet sind und dann vom Wasser kaum mehr angegrißen werden. 
3. Stark hydraulische Kalke, welche 30 pCt. (die besten) und darüber tho- 
nigen Rückstand geben, nach kurzer Zeit fest werden, gar nicht oder nur wenig 
ihr Volumen mit Wasser vermehren, nach Monatsfrist schon sehr hart und dem 
Wasser kaum mehr zugänglich sind und nach wenig Monaten in Luft und Wasser 
Steinhürte erlangen. 
Diese letztem erhielten auch den Namen .I'Öll1lBCll0 Cemente, Roman- 
cemente", der nur an die Vorzüge des antiken Wassermörtels erinnern sollte, 
der aber unrichtig gewählt ist, sofern damit auch eine chemische Gleichartigkeit 
ausgedrückt sein sollte, denn wir hörten schon, dass die Römer ein ganz anderes 
Material, die Pussolane, ihrem Mörtel zu Grunde legten. 
Auch das Wort Cement oder Ciment (etym. cacmntum, Bruchstein, caedere, 
hauen) wurde bald in verschiedenem Sinne gebraucht. Man verstand darunter 
ebensowohl den, aus thonigen Kalksn erbranuten fertigen hydraulischen Mörtel, als 
oft auch hlos die hydraulisirenden Massen und Zuschläge, TuEe, Trasse, Puzzo- 
laue, vermittelst deren man den Kalk in Wassermörtel verwandeln kann. 
Die Thon- oder Kalknieren (nodules of clay), aus denen man die Mörtel- 
masse in England brannte, benannte man nach ihren Fundorten. Allgemein hiessen 
sie Portlandsteine, und später, als man, besonders fussend auf die Untersuchungen 
Vicatis, wonach die Güte der Steine abhängig ist von einem bestimmten Mengen- 
verhültniss zwischen Thon und Kalk, danach künstliche Mischungen dieser beiden 
Beskndtheile mit bestem Erfolg zu hydraulischem Kalk zu brennen lernte, wurde 
diesem Präparat von Josef Aspdin, einem Maurer in Leeds, der um dasselbe die 
griissten Verdienste hat, der Name Portland-Cement beigelegt, weil er dem aus 
natürlichen Portlandsteinen dargestellten an Wsrth gleicbkommt. (1824) 
Beide Arten, hydraulischen Mörtel darzustellen, die Art, durch Brennen na- 
türlich yorkommande Kalksteine oder Mergel, die eine angemessene Menge von 
Thon neben kohlensaurem Kalk enthalten, und diejenige Art, diese beiden Be- 
standtheile in passenden Mengen künstlich zu mischen und dann zu brennen, sind 
heute im ausgedehntesten, schwunghaftesten Betriebe. 
Solche natürliche Mischungen sind, wo sie sich finden, von hohem Werth 
und werden nach dieser Richtung in grösstem Massstabe ausgenützt. Wo die Natur 
sie nicht schon hieflir vorbereitet hat, haben sich Fabriken oft von miichtigem 
Umfang aufgethan, die künstlichen PortlandvCement fahriciren. 
Wir wollen diese beiden Arten der Darstellung nun ihrem praktischen Be- 
lriebe nach betrachten, und dann wieder auf die Theorie des Erhärtens dieser 
Arten von hydraulischem Mörtel näher eingehen. 
Die Erfahrung hat, wiederholen wir, festgestellt, dass ein bestimmtes Ver- 
hältniss swischen kohlensaurern Kalk und Thon in den thonigen Kalksteinen vor 
Allem das beste ist. Zahlreiche Analysen haben hiezu verholfen. , 
Wie diese im Einzelnen ausgeführt werden, ist hier nicht zu erörtern; es 
geschieht nach bekannten Regeln der analytischen Chemie. 
Als Resultat aber wird für einen guten hydraulischen Kalk verlangt, dass 
er, mit Salzsäure behandelt, sich zum Theil auflöse, einen andern Theil als tho- 
nigen Rückstand hinterlässt. 
Der lösliche Theil, der der Hauptmenge nach aus kohlensaurem Kalk mit 
nur kleinen Mengen yon Eisenoxyd und Oxydul, Maguesia und Thonerde besteht, 
betrage im Durchschnitt zwischen 60 und 80 pCt. 
Der unlösliche thonige Antheil, enthaltend Kieselsäure, Thonerde, kleine
	        

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