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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 54)

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17W erfährt Giuseppe Britxtih Fabrik, denn neue fiirbige Gläser besonders Gegen- 
stand von Geschenken der Regierung waren, die Auszeichnung, vom allgemeinen Com- 
parto ausgenommen zu werden. 
„Die genaueste Ueberwachung, die strengsten Gesetze, und anderseits alle Privilegien 
und grossen Begünstigungen, welche die Glassfabrikanten von Murano genossen, ver- 
mochten aber nichts gegen die gewaltigen Mittel der Ausländer." Allerorten fand man 
das nöthige Mrlterial, oft durch Natur, öfter durch Kunst "vorzüglicher, „die Studien von 
Berzielius und Davy über das Silicium und die alkalinischen Metalle führten zur Verbesse- 
rung der Bereitung; an Stelle der Pilanienkohle trat die Steinkohle und damit grössere 
Vollkommenheit des Gusses und Reinheit des Glmes ein; an Oefen und Schmelutiegeln 
wurden nutzreiche Aenderungen vorgenommen." So ist es der Ruhm seiner Vergangen- 
heit, was Murano geblieben. 
Wir kommen auf die goldene Zeit der Kunstzu sprechen, deren Verwelken die 
aufgezählten Documenta bezeugten. Der Verf. citirtuswei Stellen, welche die Blüthe vene- 
tianischer Glasarbeit rühmen. Die eine, des Sabellico, wo er von den Verfertigern der 
Krystalllampen spiicht, zssn als deren Erzeugnisse auf : "Früchte und Blumen, schön wie 
jene, die der Frühling auf die Wiesen streut, Halsbänder und -Ketten, Armbänder und 
jeglichen Schmu der Frauen; Thiere, Vligel, Geriith, Kleinode und Alles, was Menschen 
erfreuen mag." ( e iitu urbis lib. III, 7487.) älherti (Deocrilione di tutto Italic e! hole 
pertinenti ad esse. 1584. Vcneziu, Pasta p. 95, 96) isah eine Galeere, eine Elle lang, mit 
aller Ausrüstung, deren genaue Ausführung und Verhältnisse man lobte; dann ein kleines 
Orgelwerk mit Blasebiilgen und Tasten welches angenehme Töne hören ließe. 
Des wichtigen Urkundenmateri s wegen mag das Folgende über farbiges Glas, in 
treElicher Weise vom Verf. dargestellt, etwas ausführlicher entnommen werden. Er beginnt 
mit dem Jahre 1330, in welchem einem Jdanni ViriariodeMurauo habitatori iVenecis in 
contrata Sanctorum Appostolerurn vom Magg-ior Consiglio am 4. November - nachdem 
derselbe früher schon Erlaubniss erhalten, farbiges ÄGlas sui: propriis manibus fucers - 
auf seimsiunmehi-iges Ausheben gestattet wird, zwei Meister als Helfer anzunehmen, mit 
der Androhung einer Busse, falls er anderes Glaswerk in seinem Ofen fertige. Dabei beisst 
es: quod dictzu Joannes es! nwlior in dicta arte aliqua alio, nec soluo potest sujieicnler ser- 
vire de arte pralicla. Zugleich geht hervor, dass Glas für Fenster gemeint ist. 
Im 15. Jahrhundert war die Geschicklichkeit im Färben von Glas bereits so gross, 
dass ein Senatsdecret vom 19. Ociober 14-15 Diejenigen zur Zahlung von 1000 Dncaten 
und zweijährigem Gefiingniss in den Pozzi verurtheileu musste, welche Edelsteine und 
Perlen auf diese Weise nachbildeten. Von 1605 aber haben wir die Bewilligung, in Mu- 
rano in einem besonderen Ofen Glas von der Farbe des liyacinth und Topas zu erzeugen, 
welche einem Gerolsmo Mhgagnati (13. Mai) ertheilt wird. 
Noch finden sich Pin den venetisnischen Archiven Namen solcher alten Meister: 
Alberto Scivabriga, cristallarius de conünio sancti Juliani, ein cristallaio Karamigo di S. 
Zulian 1370, ein ser Alvixe Trevissn, ser Znan Barvier da lanzolo verrieri da veri cri- 
stallini, 15. Jahrh., Antonio „pateruostro" de S. Salvador 1308, Nicoletto „Cristaleü da 
S. Zulian, Nicoleto Crietaler da S. Caucian, Zane da li paternostri da S. Zeminian. Jacomin 
Cristaller da San Apostolo etc. Zanetlri nennt den Ofen eines Glasers Marco 1321, viele 
andere als perler, spegler im 14. Jabrh. Der Verf. will durch Anfiihrung solcher Namen 
von Glasarbeitern in Venedig das bereite erwähnte Gesetz von 1291 beleuchten, durch 
welches die Oefen in Murano concentrirt sein sollten. 
Zu den berühmten Leuten ihres Faches gehörten im 13. Jahrh. Cristofore Briani 
und Damcnico Miotti, vielleicht die ersten in der Nachahmung von Gernmen, denen die 
Entdeckungen Marcs Polo's einen grossen Markt erödneten; der gen. Giovsnni da Murano; 
Nicolb da Venezia malt die Fenster des Mailänder Doms im 15. Jahrh., Angelo und Ma- 
rino Beroviere in derselben Zeit als aus ezeichnete Krystallfabrikanteu; Franeesco Bellarin 
in demselben Jahrh., welcher mit den heimmitteln defßeroviere arbeitete und Haupt 
eines berühmten Hauses war; Andrea Vidaore (Viedoroder Vidor) im 16. Jahrh., als der 
erste genannt, der-Perlen a fuoco volante fertigte; das 17. Jahrh. hat in Jacopo und Alvise 
Luna berühmte Krystallglaserzeuger, in "Liberale Motte, der aber noch in das folgende 
"gehört, einen Verfertigcr von Spiegeln grösster Gattung. Gefhrbte-uud- gemalte Kfystalle 
Yndchten ferner die Ssguso im 18. Jahrh. 
Der erwähnte Mdgagidäti weichnet. sich in' de} Bereitung von Olaspsstsn in Gaumen- 
form, vielleicht als der erste auhhdurch Ersetzen der Bundgliiser mittelst Scheiben aus; 
die ebenfalls gen. Mazzola hemmen auf einige Zeitüleuverfall "der Glasbllserkunn; der 
als erfahrenerKrystallerleuger genannte Briatiüeiätet hueh im {Filigran undßehlelfen des 
Glases amiifüllchen Vorzügliches; sein Wirken relchtvnoeli-in unser Jahrhundert. "Andreas 
und Pietro Bertolini arbeitenin gdldverziertem Email und pureellatlartigem Glas (ißüahsh), 
Giamhattista Bossetti als tüchtiger Krystallarbeiter '(18. JübrbJfGiergio Buharlayweleher
	        

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