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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 55)

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ausbeutend, Menschen serstörend, alles nur nach Geld taxirend. Die Führung des 
Productionsprocesses durch das herrsehaftlich gestellte Privstcapitsl leite dahin, 
dass das grossbiirgerliche Vermögen die Volksmassen ausbeuten könne, und zwar 
nicht blos die Volksmassen des eigenen Landes, sondern durch Vermittlung des 
privaten und iißentlicheu Credites auch die Arbeiter und die Steuerzahler fremder 
Länder. Aus dieser allen Socialisten gemeinsamen kritischen Beweisführung werde 
dann das positive Verlangen abgeleitet, dass das herrschuftlich gestellte Privat- 
capital beseitigt oder durch andere Vermögensformen wenigstens aus seiner 
vorwiegenden Stellung im socialen Productionsprocess zurückgedrängt werden müsse. 
An Stelle des Privatcapitals will Collectivvermögen gesetzt werden. Mit ge- 
_ rneinsamen collectiven Productionsmitteln, woran jeder Arbeiter einen ideellen An- 
theil habe, soll in Landwirthschaft und Industrie prodncirt werden, so dass Jedem 
nicht blos nothwendiger Lohn, sondern Reinertragsantheil, kurz die ganze Frucht 
seiner Arbeit und eines entsprechenden Antheils am collectiven Capitalvermiigen 
anfallen könne. Der Prodncent soll so wieder Herr werden über das Productions- 
mittel (Capital), während jetzt bei Concentratien der Productionsmittel in wenigen 
Privathänden die Masse der wirklichen Prodncenten Sclave des Capitals sei. 
Der Gedanke des Collectiveigenthums ist jedoch von den socialen Neue- 
rern in sehr verschiedenartiger Weise formulirt worden, und je nach der Formu- 
lirung gehen die Systeme der socialen Opposition sehr weit auseinander. Es lassen 
sich drei Hsuptn-ichtungen erkennen. 
Entweder soll alles Privateigenthum aufhören, der Staat der Generaleigen- 
thiimer werden, welcher Allen gleiche Arbeit und gleichen Genuss (einen gleichen 
Quotienten des socialen Arbeitsproductes) zuzuweisen hätte. Dies sind die Sy- 
steme des Staats communismns. Die Leitung des socialen Productions- und 
Consumtionsprocesses wäre hiehei streng benuntenmässig, die bürgerliche Gesellschaft 
ein Universalarbeitshans. 
Oder wird individuelles (privates) Eigenthum anerkannt an den Früchten 
der Arbeit, dagegen werden collective Capitale (Prodnctionsmittelcomplexe) gebildet 
von Gesellschahswegen durch „Organisation der Arbeit", an welcher der Einzelne 
nach individuellem Talent und Vermögen Thcil nimmt und "nach Verhiiltniss des 
Beitrages an Talent, Capital und Arbeit" belohnt wird. Die Systeme, welche im 
Ganzen diese Richtung einhalten, aber insgesammt nicht zu Ende gedacht und 
einseitig sind, kann man als die Systeme des Socialismus im engeren Sinne, als 
eigentlichen Socielismus bezeichnen. Sie sind utopisch. 
Oder bildet man frei, ohne Staatszwsng, Colleetivvermögen, welche mit den 
Privntcapitalieu in Concurrenz treten oder denselben als collective Stützpunkte und 
Ergiinzungscapitale dienen, - das moderne Genossenschaftswesen, welchem 
die vielsngefeindets jetzige Gesellschaft grundsätzlich nicht nur nicht feindlich ist, 
sondern durch eine besonders" Geuossenschaftsgesetzgebung unter die Arme su 
greifen beginnt. Nebstdem sucht diese dritte Richtung auch im Privatgeschiift die 
Lohnarbeit durch Fsbriksgesetze. Schulpolizei u. s. w. zu sichern. 
Neben dem politisch operirenden Socislismus und Communismus läuft eine 
religiös humanitäre Spielart her. welche nicht den gemein communistischen Grund- 
satz: „was dein ist, das ist mein," sondern den Grundsatz der christlichen Liebe: 
„was mein ist, das ist dein!" zur Geltung bringen will. ' 
Um diese verschiedenen socialen Richtungen an beurtheilen, beschäftigte sich 
der Bedner im dritten Vortrag mit einer eingehenden Darstellung der productiven 
und distributiven Fiihrerstellung, welche das Capital- hiebei von der Concurrena 
selbst zu wirkssmster Bethiitigung für die Gesammtheit genöthigt - in der mo. 
dernen volks- und weltwirthschaitlichen Preductionsgemeinschaft der Menschen 
einnehme. Indem er die verschiedenen Fuuctionen des stehenden und das circnliren-
	        

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