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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 55)

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den Cnpitals darlegte, zeigte der Vortragende, wie die capitalistische Productious- 
weise (Productiou concurrirender collectiver oder privater Capitalvernrögen) einzig 
der Aufgabe gewachsen sei, Millionen von Menschen, die theilweise um He- 
misphären auseinanderliegen, in die wirthschaftlichste Productionsgemeinschaft 
Bir einander zu verknüpfen, Alle zu höchster Kostenersparniss und sorglichster 
Gcbrauchswerthsbsrschnung für einander anzuhalten, und die Liquidation der An- 
syrüche, welche aus den millioneufültigen Einlagen individueller Prcductiveßecte 
zum Nutzen Anderer erwachsen, in Form von Lohn, Zins und Unternehmergewinn 
auf wunderbar einfache Weise abzuwickeln. Die Grundform der capitalistischen 
Organisation der Volkswirthschaft: Concurrena um den höchsten Gewinn wettei- 
fernder, der Magnetnadel der freien Marktpreise folgender Capitalvermögen werde 
unentbehrlich bleiben für jede über den Rahmen der engsten Gemeinschaft hinaus 
wachsende, eigentlich volks- und weltwirthschaftliche Verbindung der Menschen; 
im despotischen Alterthum, im feudalen Mittelalter wer, was damals an volks- 
und weltwirthschaftlicher Verkehrsgemeinschaft wirklich schon vorhanden war, 
in der Tbnt auch schon capitalistisch organisirt. . 
Im vierten Vortrag wies sodann der Redner nach, dass jede staatscomrnu- 
nistische Organisation, - abgesehen davon, dass sie alle Unannehmlichkeiten eines 
Geueral-Zuchthauses hätte, das Talent unter den ScheEel stellen und die Faulheit 
priinsiiren würde, -- schlechterdings an der Unsusführbarkeit der wirksamsten 
Kostensparnng und besten Gebrauchswerthberechnung, so wie an den Schwierig- 
keiten der Ueberwacbung Schiffbruch leiden, also in totale Unwirthschaft 
umschlagen müsste. Die ökonomischen Schwächen der Staatsregie und der Actien- 
gesellschaft wiisde der aller Corrective des emsig wirthschaftlichen Privatbetrisbes 
beraubte Communismus hundertfach potenziren. Ueberdies Jviire Ausbeutung der 
Fleissigeu durch die Faulen, der Bürger durch die Gleichbeitsdespcten in hohem 
Grade möglich, die Productivität der Wirthschaft würde abnehmen und doch die 
Vertbeilung der Güter nicht gerechter werden. Der Commnnismus sei ganz ungeeignet, 
über engste Gemeinschaft hinaus das Wirthschaftsleben zu organisiren und zu 
beherrschen. Am rechten Platze habe man aber schon Gemeinwirthschaften besserer 
Art: Staat, Gemeinde, Familie , Stiftungen, freie Eingebung an Kunst, Wissen- 
schaft und Politik. Einer der stärksten Vorwürfe, die den Ccmmunismus treffen, 
bestehe genau darin, dass er jenen wahren, beglückcnden, berechtigten - aller- 
dings noch einer starken Veredlung vielfach bedürftigen - Communismus ub- 
schneiden und beeinträchtigen würde, den die Gesellschaft in gewissen öffentlichen 
und freigebigen Gemeinwirthschaftsn schon besitze und nie aufgeben werde. Auch 
der christliche Communismus habe schon sein Gebiet überall, Wo die Menschen 
dauernde persönliche Verbindungen eingehen; die allgemeine Organisationsform 
einer weltwirthschaftlichen Gemeinschaft, welche Engländer und Japaneseu, Aegypter 
und Franzosen ökonomisch zu verknüpfen habe, könne der christliche Communis- 
mus so wenig werden, als der politische eine solche zu werden vermöge. Dsfiir 
reiche nur die freie Verbindung durch das um den Gewinn ccncurrirende Ge- 
schiiftscapitnl von Tausenden selbstständiger Urproductionv, Industrie- und Han- 
delsunternebrnungen, oder der Capitalismus aus. 
Indern der Redner betont. wie gar kein Grund vorhanden sei, das allrnülige 
Aufkommen von freien collectiven Capitalversnögen, die Ausbreitung des 
Genossenschaftscapitals neben dem Privatcapital mit scheelen Augen anzusehen, 
machte er darauf aufmerksam, dass jede eigenthiimlichs Form des Unternehmungs- 
capitals: das Genossenschaftscapital, wie das Cepital der Privstunternebmung und 
der Erwerbsgesellschaft, unter eigenthümlichen Voraussetzungen besondere Vor- 
theile oder Schwächen darhiete, dass die genossenschaftliche Unternehmungsfsrm 
bei wachsender Bildung des Arbeiterstandes sicher eine grosse Zukunft, aber nicht
	        

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